Zum langen kalten trüben Jänner – im Lockdown

Und dem Gott Janus: alles Göttliche birgt immer einen Gegenspieler in sich

Der Jänner ist ein Monat, den ich von allen Zwölfen am wenigsten mag. Nach dem Dreikönigstag – zu meiner Schulzeit das Ende der Ferien, war der Jänner lang. Der Jänner ist nördlich des nördlichen Wendekreises, also in Europa, Nordamerika und dem größten Teil Asiens, der kälteste Monat des Jahres und des Nordwinters. Die Tage sind noch kurz, es wird früh dunkel, und es ist oft nebelig – die Sonne hat wenig Chancen zu mindestens in Wien, wo ich die meisten Winter meines Lebens verbracht habe.

Anderswo als bei uns heißt der Jänner Januar, früher hieß er auch Hartung, Hartmonat, Schneemonat, Eismond, Wintermonat oder Wolfsmonat. Diese Namen gefallen mir auch nicht viel besser. Benannt ist der Januar nach dem römischen Gott Janus, der mit zwei Gesichtern dargestellt wird. Er gilt als Gott des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore.

Mit der Umstellung des Jahresbeginns vom 1. März auf den 1. Januar im Jahre 153 v. Chr. wurde der Ianuarius zum ersten Monat des Kalenders. Nach Cäsars Kalenderreform erfolgte im julianischen Kalender ab dem Jahr 45 v. Chr. durch Einschub von zwei Zusatztagen eine Verlängerung des Monats auf 31 Tage. – Also ist Cäsar schuld am langen Jänner! Unter Kaiser Commodus wurde der Monat in Amazonius umbenannt, nach dem Tod des Kaisers erhielt er allerdings wieder seinen alten Namen zurück.

Janus war aber ursprünglich ein Licht- und Sonnengott, das männliche Gegenbild der Jana oder Diana, und wurde erst allmählich zum Gott allen Ursprungs. Er gehört zu den ältesten römischen Göttern und zur ursprünglichen römischen Mythologie. Er ist ein rein römischer Gott und hat keine Entsprechung in der griechischen Mythologie. Die altrömische Religion, die bäuerlich geprägt war und große Ähnlichkeiten mit der etruskischen aufweist, kannte keine bildliche Darstellung der Götter. Spätere Kultbilder wurden vor allem unter griechischem Einfluss gebräuchlich, vielleicht auch unter etruskischem, die diesen Brauch für ihre zunächst auch gesichtslosen jenseitig-metaphysischen Entitäten ebenfalls von den Griechen übernommen oder aber aus ihrer möglicherweise altorientalischen Heimat mitgebracht hatten. Im Gegensatz zum Februar, dessen Name auf einer etruskischen Gottheit beruht konnte ich leider keine Entsprechung für den Janus im etruskischen Pantheon finden. Wäre er dort anzutreffen gewesen, hätte mich das wesentlich freundlicher gegenüber dem Januar gestimmt, weil ich auf die Etrusker große Stücke halte.

Zurück zu Janus: Er soll im „goldenen Zeitalter“ als König über Latium geherrscht und auf dem Ianiculum (Hügel in Rom, zählt aber nicht zu den Sieben Hügeln in Rom) gewohnt haben. Es heißt auch, er habe den vor Jupiter fliehenden Saturnus bei sich aufgenommen. Das Hochfest des Janus, das Agonium, wurde am 9. Januar des römischen Kalenders gefeiert. Die frühesten Abbildungen von Janus (auf den Münzen, die Servius Tullius prägen ließ) zeigen ihn mit einem Doppelgesicht, vorwärts und rückwärts blickend. Der so genannte Januskopf gilt deshalb als Symbol der Zwiespältigkeit (etwas ist „janusköpfig“ = etwas ist „sich von zwei entgegengesetzten Seiten zeigend“). Nach einer Darstellung zählte Janus in der rechten Hand 300, in der linken 65 Steinchen, was auf die Einteilung des Jahrs in 365 Tage hindeutet. Auf anderen Bildern hatte er in der Rechten einen Stab, in der Linken einen oder mehrere Schlüssel, als Symbol der Gewalt des Wächters der Himmelspforte, des Bewegers der Angeln des Weltalls, des Aufschließers und Zuschließers des Himmels, der Wolken, des Landes und des Meeres. Janus symbolisiert die Dualität in den ewigen Gesetzen, wie etwa Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod, Licht/Dunkelheit, Anfang/Ende, Zukunft/Vergangenheit, Links/Rechts usw. Er ist die Erkenntnis, dass alles Göttliche immer einen Gegenspieler in sich birgt. Beide Seiten der Dualität entziehen sich dabei immer einer objektiven Wertung und sind damit weder gut noch schlecht.

In allegorischen Darstellungen der vier Jahreszeiten verkörpert Janus den Winter. Das bedeutendste Heiligtum des Ianus war der Janustempel auf dem Forum Romanum. Der Bau dieses Tempels wurde dem sagenhaften König Numa Pompilius (angeblich * 750 v. Chr.; † 672 v. Chr.; Nachfolger von König Romulus; weiser Gesetzgeber und Förderer von Gewerbe und Landwirtschaft) zugeschrieben, der den Dienst für Ianus in Rom eingeführt haben soll. Spätestens seit Augustus, der sich allerdings auf ältere Bräuche berief, wurde es üblich, die Tore des Tempels zu öffnen, wenn Rom einen Krieg begann, und sie zu schließen, wenn der Konflikt siegreich beendet war.

Um in unser eigenes Umfeld zurückzukommen: es gibt auch eine Reihe von Bauernregeln für den Jänner:

  • Am Neujahrstage Sonnenschein lässt das Jahr uns fruchtbar sein.
  • War bis zu Dreikönig kein rechter Winter, dann kommt auch keiner mehr dahinter.
  • Ist Dreikönig hell und klar, gibt’s guten Wein im neuen Jahr.
  • Große Kälte am Antoni-Tag nicht sehr lange halten mag. (Antonius = 17.1.)

Ob alle diese Bauernregeln noch in Zeiten des Klimawandels gelten, kann ich nicht nachvollziehen.

Aber dennoch dauert der Jänner noch länger an und das trübe trostlose Wetter scheint sich auch demnächst nicht zu bessern. Trübe Aussichten, wir bleiben im Lockdown.

Zum langen kalten trüben Jänner – im Lockdown

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