Was so eine Fatwa bei Muslimen bewirken kann

Ich gebe zu, mir geht noch immer diese Erstürmung des Kapitols vor einige Tagen im Kopf herum, da gibt es Aspekte, die mich beunruhigen – aber da ist erhebliches Recherchieren erforderlich, damit ich neuerlich darüber schreiben könnte.

Daher wende ich mich meinem immer präsenten Thema Islam zu. Wir haben zwar in letzter Zeit keine neuerlichen Anlässe zu Klagen gehabt aber je besser Sie sich mit diversen Gegebenheiten des Islam auskennen, desto besser können Sie die Menschen verstehen, die bei uns leben.

Religiöse Menschen, die zu uns kommen, halten sich an ihre jeweiligen Heiligen Bücher. Also jeder Muslim wird den Koran heranziehen, um ein „richtiges“ Leben zu führen. Den Sunniten darunter stehen noch die Hadithe zur Verfügung, die ihm oder ihr als Vorbild dienen – denn drin ist zu lesen, wie sich Mohammed in verschiedenen Situationen verhalten hat, bzw. was er zu welcher Gelegenheit geäußert hat. Aber das alles zusammenzufinden und auf die komplexe Welt in einem Nicht-muslimischen Staat anzuwenden, ist schwierig. Da kann der zuständige Imam helfen oder aber es wird um eine Fatwa ersucht.

Die wohl berühmteste, allseits bekannte Fatwa, die auch den Begriff erst der nicht-islamischen Welt bekannt machte, stammt vom iranischen Ajatollah Chomeini. Am 14. Februar 1989 verlangte der Schiitenführer die Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie wegen angeblicher Gotteslästerung in dessen, in London im September 1988 erstmals öffentlich vorgestellten Buch Die satanischen Verse und wegen Abfalls vom Islam.

Ein Beispiel für eine kontroverse Lage ist das Rauchen. Im September 2000 wurde von dem Großmufti von Ägypten, eine Tabak-Fatwa zur Unterstützung der nationalen Antiraucherkampagne erlassen. In den vier orthodoxen Rechtsschulen gibt es jeweils drei kontroverse Lehrmeinungen über Tabakgenuss: Einige sind der Ansicht, dass das Rauchen verboten sei, andere halten es für erlaubt bzw. verwerflich. Oder Im April 2006 kündigte Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad an, anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft das bis dahin geltende strenge Stadionverbot für Frauen aufzuheben. Die Umsetzung der entsprechenden Gesetzesänderung wurde jedoch durch eine Fatwa eines Ajatollah verhindert.

Es gibt Fatwas, die einander unterstützen: Am 26. Oktober 2005 veröffentlichten islamische Geistliche in Somalia ein Fatwa, die sich gegen die Beschneidung beziehungsweise die Genitalverstümmelung an Mädchen richtet. Darin wird die in Afrika weit verbreitete traditionelle Praxis als „unislamisch“ verurteilt. Der stellvertretende Vorsitzende der Dachorganisation somalischer Geistlicher setzte die Beschneidung von Frauen mit einem Mord gleich. Im Jahr 2006 wurde eine weitere Fatwa gegen die Genitalverstümmelung an Frauen von der al-Azhar-Universität in Kairo erlassen.

Im Oktober 2014 verfassten 120 international hochangesehene Autoritäten ein Fatwa, in der sie dem verkürzten Verständnis des Korans durch die Anhänger des Islamischen Staates widersprechen. Das Dokument setzt sich intensiv und detailliert mit der Islam-Interpretation des IS auseinander. Es stützt sich vollständig auf Aussagen und Handlungen der Anhänger des IS und ist in Arabisch verfasst.

Im Dezember 2015 wurde eine Fatwa durch ca. 70.000 indische islamische Geistliche gegen Terrororganisationen wie IS, Taliban, al-Qaida ausgesprochen. Inhalt war, dass diese Organisationen „nicht islamisch“ und „eine Gefahr für die Menschheit“ seien.

Sie sehen, die Themen über die Fatwas erstellt werden sind so vielfältig wie das Leben selbst.

Eine Fatwa ist eine von einer muslimischen Autorität auf Anfrage erteilte Rechtsauskunft, die dem Zweck dient, ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären, das unter Angehörigen des Islam aufgetreten ist. Derjenige, der die Rechtsauskunft erteilt, ist in der Regel ein mit der islamischen Jurisprudenz (Fiqh) vertrauter Mann und wird als Mufti bezeichnet; derjenige, der um die Rechtsauskunft bittet, Mustaftī genannt.

Die Einflusssphäre der jeweiligen Fatwa beruht auf der persönlichen Autorität ihres Verfassers; das bedeutet, dass – anders als im Gerichtsurteil – die in der Fatwa vertretene Rechtsauffassung nur bindend für diejenigen ist, die diese Autorität auch anerkennen. Da der sunnitische Islam keinen Klerus kennt, gibt es auch keine allgemein akzeptierten Bestimmungen darüber, wer eine Fatwa ausstellen kann. Jede islamische Rechtsschule (Madhhab) folgt ihrem eigenen Rechtssystem, und die Muslime gehören jeweils unterschiedlichen Rechtsschulen an. So können sowohl theoretisch als auch praktisch verschiedene islamische Geistliche einander widersprechende oder konkurrierende Fatwas ausstellen.

Ja, so ein Muslim hat’s nicht leicht.

In Ländern mit islamischem Recht werden Fatwas vor der Herausgabe meist von den nationalen Religionsführern diskutiert und beschlossen. Oftmals tun sie dies nicht völlig unabhängig von der Regierung. In solchen Fällen sind Fatwas kaum widersprüchlich und haben den Rang eines vollstreckbaren Gesetzes. Sollten sich zwei Fatwas widersprechen, wird meist ein Kompromiss erarbeitet, um zu klären, welche der beiden rechtlich wirksam sein soll.

In Ländern, in denen die Scharia nicht Teil der Rechtsordnung ist, werden gläubige Muslime oft mit zwei konkurrierenden Fatwas konfrontiert. In einem solchen Fall folgen sie in der Regel dem Führer, der ihre religiöse Richtung vertritt oder dessen Entscheidung ihnen am ehesten entgegenkommt. So würden beispielsweise Sunniten meist derjenigen Rechtsschule folgen, der sie traditionell angehören, die Fatwa eines schiitischen Geistlichen jedoch nicht befolgen.

Schon seit dem 10. Jahrhundert gibt es Fatwa-Sammlungen, sie stellen neben den sogenannten mutūn („Grundlagentexte“) und den schurūh („Kommentare“) eine der wichtigsten Gattungen der islamischen Rechtsliteratur dar.

Ja, auch so ein islamischer Rechtsgelehrter hat es nicht leicht!

Was so eine Fatwa bei Muslimen bewirken kann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s