Der wechselnde Geschmack bei Vornamensvergebung

Sind Sie mit ihrem Vornamen zufrieden? Haben Sie ihn etwas abgekürzt oderleicht verändert? Ist eventuell sogar Ihr Alter aus Ihrem Vornamen in etwa erkennbar. Würden Sie die Namen Ihrer Vorfahren für Ihre Kinder verwenden? Würden Sie Ihr Kind nach einer „berühmten“ lebenden oder toten Person nennen? Was tut man einem Kind an, wenn man seinen/ihren Vornamen aussucht?

All das habe ich mir überlegt, als ich über die im vorigen Jahr am meisten verwendeten Vornamen gehört habe: für Buben war es Elias und Liam, gefolgt von Levi, Jonas und Emil. Bei den Mädchen: Laura, und Emilia, gefolgt von Anna, Mila und Julia.

Wie ist das bei mir selber – ganz zufrieden bin ich nicht, aber auch nicht wirklich unzufrieden. Ich sollte – einvernehmlich nach der Großmutter benannt werden, meine Taufpatin (Jahrgang 1905) hieß (naheliegenderweise) Maria, meine Großmutter Juliane (was mir sehr gut gefallen würde) aber meine Taufpatin hatte ihre eigene Großmutter gewählt, die Christine hieß. Also wurde es bei mir Christine Maria, genannt wurde ich mein Leben lang Christa, in der Schule noch Christl. Die Verwendung eines etwas gekürzten Vornamens kann zu Schwierigkeiten führen, wenn z.B. im Pass (Führerschein) etc. der Taufname steht, aber ein Flug für Christa bestellt wurde. Das hat bei den kontrollwütigen Flughafenpersonal in den USA fast zum Verpassen eines Flugzeugs geführt, wenn eine freundliche Flughafenangestellte mich nicht zu einem anderen weniger kontrollwütigen Check-In gebracht hätte.

Meine Eltern hießen Alois (genannt Loisl oder später aufgrund seine Geschichte Luigi) und Johanna (genannt Hansi, was sie aber gar nicht leiden konnte). Meine Onkel hießen Franz (mehrfach vertreten), Julius und Rudolf, Hans, meine Tanten Katharina (mehrfach vertreten) und Friederike, sowie Maria (mehrfach vertreten), Gertrude. Meine Schwiegereltern hießen Otto und Aloisia (üblicherweise genannt  Louise oder von ihrem Mann Luiga), die Onkel Berthold und die Tante Betty sowie die Tante Liesl (beide wohl Elisabeth).

Mein verstorbener Mann hieß Thomas – nach einem seiner Großväter, sein Bruder nach seinem Vater Otto. Meine Kinder heißen Christoph und Katharina, ihre Cousins und Cousinen: Nikolaus und Heidemarie, sowie „entferntere“ Michael und Susanna. Meine Enkel heißen Agnes, Lukas, Miriam, Fabian, Daniel, Oskar und Luise, eine Urenkelinnen Charlotte, Irma und Ilvy.

In den Generationen davor gab es noch andere „Namensvorbilder“. Das war primär einmal das Kaiserhaus, da gab es die Leopolds, die Ferdinands, die Karls, die Friedrich, die Wilhelms (je nachdem welches Herrscherhaus man bevorzugte). Und zu vielen dieser Namen gab es weibliche Varianten: die Leopoldine, die Friederike, die Wilhelmine. Aber gerade in dieser Zeit konnte man durch die Namen der Kinder auch andere Vorlieben ausdrücken: wie seine Liebe zu dem Komponisten Richard Wagner. Zwei meiner Vorfahren in dieser Generation hießen Siegfried und Sigmund. Und ich erinnere mich z.B. an eine Isolde.

Und dann gab es die Zeit des Nationalsozialismus. Da war Horst besonders beliebt, und die Namen der Nazigrößen, wie z.B. Baldur, Hermann, Damals wurde nach „Vornamen deutschen oder germanischen Ursprungs“ und „Vornamen fremden Ursprungs“ getrennt. Allerdings kenne ich aus dieser Zeit keine Wotans oder Thors. Auch an einen Odin kann ich mich nicht erinnern. Beliebt waren Namen (für Buben und Mädchen) die die Vorsilbe Ger enthielten, wie z.B. Gerlinde oder Gerhard. An eine Schwertleite kann ich mich erinnern (die Arme) aber meist bekam ja zwei Vornamen, sodass man dien unpassenden ersten gegen den zweiten tauschen konnte. In diesem Sinne verschwanden dann z.B. einige Utes, wobei andere grad diesen Namen durchaus beibehielten.  Es gab ja auch die Namensveränderungsverordnung.

Es soll z.B. noch darauf hingewiesen werden, dass in der Nazizeit z.B. allen Jüdinnen der Namen Sarah in ihre Dokumente geschrieben wurde. Und dass der Name Nathan in einer Urkunde von Vorfahren dazu führen konnte, dass kein Ariernachweis ausgestellt wurde, der doch damals noch so essentiell war.

Als wir dann ins Alter kamen, an Ehe und Kinder (das war die strikte Reihenfolge damals) zu denken, waren Thomas, Peter, Hans und Klaus für die Buben üblich, Brigitte, Angelika, Sabine, Monika und Karin die bevorzugten Namen.  Filme, Filmschauspieler haben dann etwas später als Vorbilder für Namensgebung gedient. Plötzlich gab es Namen, die bei uns früher unbekannt waren – z.B.  wurden irische Vornamen plötzlich in Österreich durchaus üblich Oliver, Patrick, Kevin, Robin, Ian etc. für Mädchen waren es dann Jasmin, Amy, etc.

In den 80er Jahren wurden Julia und Stephanie sowie Christian und Sebastian häufig vergeben. Damals entwickelte sich nach und nach schon ein gewisses Schubladendenken: Alexander und Caroline waren die Kinder aus (gehobenen) bürgerlichen Kreisen, die aber ihre Kinder eher nie z. B. Mike oder Chantal nennen würden.

Um die Jahrtausendwende nannte viele Eltern ihre Kinder Jan, Daniel Tim und Philip, bei den Mädchen waren Sarah, Maria, Sophie und Michelle „in“. 2010 waren die beliebtesten Namen dann Elias, Julian, Marcel und Thomas, sowie Lena, Julia, Sarah und Laura.  

Nicht vergessen sollten wir, dass z.B. Namen wie Mohammed (und seine verschiedenen Schreibweisen) auf dem Vormarsch in unserer multikulturellen Gesellschaft sind.

Also: was sagen uns Vornamen, wenn wir Menschen treffen, oder was sollten sie uns ja nicht sagen?

Der wechselnde Geschmack bei Vornamensvergebung

8 Gedanken zu “Der wechselnde Geschmack bei Vornamensvergebung

  1. Mein Vater, geboren 1939, sollte Johannes heißen. Ein ganz strammer Nazi im Frankfurter Standesamt hat das verhindert, da der Name in seinen Augen allzu biblisch und somit hebräisch war. Mein Vater wurde dann ein Hans-Peter. Ich selbst heiße Bettina, das war 1965/66 ein Modename in Deutschland. In der Schule hieß ich Betty, das habe ich gehasst, mein Vater nannte mich „Berthe“ und die Freundinnen meiner Großmutter „Bettine“. Inzwischen gefällt mir letzteres am besten.

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  2. Meine Eltern hatten jeweils 3 Vornamen: Ursula Minna Helene und Friedrich Wilhelm Heinrich. Die Rufnamen waren Ulla und Fiete. Meine Paten hießen Hans und Georg, jeweils Brüder meiner Eltern.

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  3. Meine Eltern haben sich durch die Manessische Liederhandschrift inspirieren lassen. Nein, ich heiße nicht Wolfgang, wie oft habe ich das erklärt, und wie oft werde ich es noch sagen müssen?
    Für meine Kinder war wichtig, daß die Namen sowohl in französischer als auch in deutscher Aussprache gleich klingen.
    Forscher haben festgestellt, in Deutschland haben Frauen mit Vornamen, die auf i-Laut enden oder sonstwie als Verkleinerung wirken, schlechtere Berufschancen haben als die mit a-Laut im Auslaut. Da hat Elisabeth einen Vorteil auf Anni – und natürlich einen weiteren auf Cindy. Denn Cindy, Mandy etc. haben eh schon einen schlechten Ruf, wie „Schantall“. Das ist übrigens in Frankreich ein Vorname, der eher in der Generation der älteren Damen zu finden ist.

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