Am Schafberg

Ein Spaziergang

Was bleibt uns noch, wenn wir Freunde sehen wollen. Wir gehen miteinander spazieren. Nicht das Schlechteste. Bewegung im Freien ist gut, und der Winter ist bisher ohnedies eher mild.

Gestern war’s wieder einmal so weit. Leider teile ich mir die Tage nicht gut genug ein, sodass wir eher ein wenig zu spät losgezogen sind. Wir trafen uns Ecke Alszeile/Himmelmutterweg in Hernals. Erstens finde ich den Namen dieser Straße besonders hübsch, es ist so eine anheimelnde Bezeichnung für die Gottesmutter, unsere Mutter im Himmel.

Außerdem ist meine Mutter diesen Weg so gerne mit meinen Kindern gegangen, als wir noch in Hernals gewohnt haben. Steil ist er schon, dieser Himmelmutterweg, und ich könnte mir jetzt nicht mehr vorstellen, einen Kinderwagen hinaufzuschieben.

Dieser Himmelmutterweg in Wien-Hernals stellt eine Verbindung zwischen der Czartoryskigasse (beginnt im 18. Bezirk und endet am Schafberg im 17. Bezirk) und der der Alszeile her und verläuft bergab entlang eines kleinen Weinberges mit dem Flurnamen Alsegger Rieden.

Auf den acht Hektar der Alsegger-Rieden wird derzeit Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay und Müller-Thurgau angebaut. Der nährstoffreiche Sand- und Lössboden bildet die Grundlage Weine höchster Qualität zu keltern. Die Südlage gewährleistet ein optimales Reifen der Trauben. Die lange Tradition und die benediktinische Eigentümerschaft (St. Peter in Salzburg) verpflichten. Ich finde es immer erfreulich, so mitten in Wien neben der Straßenbahn einen Weinberg zu finden. Hoffentlich wird er nicht in Zukunft parzelliert – und verbaut. Die Lage würde dazu einladen. Ausgeschenkt wird dieser Wein in der Buschenschank zum „ Dornbacher Pfarrer“, seit Jahrhunderten Teil des Stift St.Peter in Dornbach und damit der Benediktiner Erzabtei St.Peter in Salzburg. „Der Dornbacher Pfarrer steckt aus, da bleibt doch ka Weintrinker z’Haus …“.

Der Himmelmutterweg ist nach dem einstmals Ecke Czartoryskigasse/Himmelmutterweg etablierten Gasthaus des Johann Geppert „Zur Himmelmutter“ benannt.  Von der Alszeile kommend sind wir schon bei der Korngasse abgebogen und hatten einen wunderschönen Blick auf das etwas diesige Wien – und auf die Buschenschank zum Dornbacher Pfarrer. Über ein einigermaßen gatschiges Stück kamen wir letztendlich auf die Czartoryskigasse, vorbei an manch eleganter, manch kitschiger und geglückter und missglückter Villa vorbei. Meine Freundin machte mich auf das Schutzhaus am Schafberg aufmerksam, wo man angeblich recht gut essen kann – wenn nicht gerade Lockdown ist. Wenn’s offen gewesen wäre, hätten wir uns vielleicht ein Glaserl Glühwein hier gekauft. Ich finde den Ausdruck „Schutzhaus“ mitten m verbauten Gelände einigermaßen komisch, ich würde einen derartigen Namen für ein Gebäude im Hochgebirge erwarten. Wir erinnerten uns, dass unsere gemeinsame Freundin einmal in dieser Czartoryskigasse gewohnt hat und sich immer geärgert hat, wenn der Name dieser Gasse falsch geschrieben wurde – was naheliegenderweise of passierte. Die Straße wurde am 18. Juli 1894 nach Constantin Adam Fürst Czartoryski (* 28. Oktober 1773 Pulawy, Galizien, † 20. April 1860 in Wien 1, Fleischmarkt 17) benannt. Er war Generaladjutant Zar Alexanders I. von Russland, ließ sich 1828 in Wien nieder und erwarb das später so benannte Czartoryskischlösschen und hatte sich auch bald als Kunstliebhaber und Kunstsammler einen Namen gemacht. Vorher hieß sie Mandlgasse.

Unter munterem Geplauder kamen wir bald beim Schafbergbad an. Ich habe es noch in Erinnerung, als ich – noch in Hernals wohnend – nach Arbeitsschluss mit meinem kleinen Auto zum Bad fuhr, ein paar Runden schwamm, den Ausblick genoss und dann bald zu Hause war um mich entspannt meiner Familie widmen zu können. Parkplätze waren damals noch kein Problem. Ursprünglich wurde das Sommerbad 1926/28 erbaut. Das Bad war Teil des „Bäderprogramms“ der Gemeinde Wien und befand sich in der Nähe einer gemeinnützigen Kleingartensiedlung. Es wurde 1969 abgerissen und durch das Schafbergbad 1974 ersetzt, das ich dann genießen konnte.

Nun kamen wir über einen recht gatschigen und rutschigen Abhang an die Grenze des Pötzleinsdorfer Parks, der eigentlich unser Ziel gewesen ist. (über den Pötzleinsdorfer Park habe ich am 2.5.2019 geschrieben:

https://christachorherr.wordpress.com/2019/05/02/ein-lauschiger-spaziergang-im-poetzleinsdorfer-schlosspark/

Aber da es schon dunkel zu werden begann, begaben wir uns nicht mehr in den Park und spazierten an seinem Rand wieder zu unserem Rückweg. Hier wirkt die Gegend weniger „schick“, hier befinden sich zum Teil die alte Schrebergartensiedlungen, noch kurz erhaschten wir einen Blick auf die Schafbergkapelle, „Zum heiligen Thomas Morus“, als Provisorium am 23. April 1950 geweiht.

Es ging letztlich wiederum den steilen Himmelmutterweg hinunter. So viele Stufen auf-und-ab habe in letzter Zeit bei meinen Stadtspaziergängen nicht überwinden müssen.

Am Schafberg

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