Vom Kochen, Essen und sonstigem

Viele Köche, nein, nein verderben nicht notwendigerweise den Brei. Sie ändern nur ein erwartetes Ergebnis. Das geht bei uns so: eine Freundin (auch alleinstehend) hat mir erzählt, dass sie sich einen Ofenkartoffel macht, ihn nach Fertigstellung aufschneidet, Rahm hineingibt, und darauf einen Tupfen Kaviar, naja, Ketakaviar setzt. Das schien mir ein guter Vorschlag, wenig Aufwand, kurze Vorbereitungszeit und doch etwas anders als sonst.  

Ich erstand – gezielt – mehlige möglichst große Erdäpfel, kaufte extra ein Viertel Rahm und ein kleines Doserl Ketakaviar, und erzählte meinen Mitbewohnern davon. Sie fanden, das würden sie auch essen, ohne Kaviar (aber kosten – schon).

Ich war heute zu Mittag über Skype beschäftigt, einer meiner bereits hungrigen Mitbewohner schaute herein, und ich sagte halt – kurz angebunden – Du kannst die Erdäpfel braten und wandte mich wieder meiner Skype-Konferenz zu. Als ich dann nach einer Weile aus meinem Arbeitskammerl herauskam, stellte ich fest, dass mein Enkel die Erdäpfel in Scheiben geschnitten und in der Pfanne gebraten hatte. Das war dann doch nicht ganz in meinem Sinne gewesen, aber dennoch packten wir den Rahm und das Doserl Kaviar. Die Erdäpfel waren für die Aufnahme des Rahms etwas zu fett, aber es störte uns dann doch nicht wirklich und vom Kaviar waren die Beiden letztlich gar nicht so angetan. Aber zu wenig war es letztendlich, trotz zusätzlich gebratener Champions, es wird wohl ein frühes reichliches Nachtmahl für die Beiden geben müssen. Wir waren ohnedies in der Zwischenzeit schon einkaufen.

Jetzt ist eigentlich Faschingshochsaison – und es findet heuer – rein gar nichts statt, Corona-Zeit – noch immer. Diese Situation bekümmert mich eher grundsätzlich, ich gehe zwar auf keine Bälle (mehr), oder Kostümfeste, aber dass so gar nichts stattfinden, das geht aus meiner Sicht gar nicht.  Also wie holen wir uns den Fasching?

Krapfen müssen her! Im Grunde sind wir ja gar nicht so auf Krapfen versessen. Daher werde ich mich umschauen, ob ich so genannte Jour- oder Puppenkrapfen kriege. Die sind dann doch nicht so groß wie Kanonenkugeln. Ich kaufe ja Krapfen grundsätzlich nur im Fasching und wenn schon, dann müssen es besonders gute Krapfen aus einer Konditorei sein. Mit meinem Mann haben wir natürlich auch Krapfen getestet (vom Demel, vom Heiner und der Kurkonditorei Oberlaa). Aber die allerbesten Krapfen meines Lebens hat meine schon lange verstorbene Tante P. gebacken. Und das war ein Ereignis – man durfte die Tür eine Zeitlang nicht aufmachen – damit die Krapfen nicht zusammenfallen – und es duftete schon so gut.  Diese Krapfen wurden selbstverständlich in Schmalz gebacken.

Aber noch kurz zurück zum Fasching und zu Kostümfesten. Wie ich ein Kind war, da gab es keine Kostümfeste, denn da war Krieg und die Eltern hatten anderes zu tun als für uns Kinder Kostüme (woraus?)  zu verfertigen und ein Fest (womit) zu veranstalten. Meine Enkel hinwieder gingen (die größeren) und gehen die kleineren und die Urenkelinnen auf Feste und tragen die abenteuerlichsten Kostüme, sehr beliebt war der Frosch, der wurde immer weitergegeben und so war jeder zu irgendeiner Zeit der Frosch.  Manchmal, so beurteile ich das halt aus meiner jetzt schon etwas abgeklärten Sicht, ist die „Prinzessin“ wirklich schon ein bissel fad, auch wenn sie wie eine der Velasquez Infantinnen ausschaut.

Das erste Kostümfest, zu dem ich je gegangen bin, war schon zu meiner Studentenzeit, ich glaube es war von der Fulbright Alumni Association veranstaltet. Ich bin als Hexe verkleidet hingegangen, es fand im Keller des damaligen Café Herrenhof statt, mit Zöpfen aus Stroh, einem weißen Leibl und eine roten, weiten lange Rock. Sehr gut bin ich damit nicht angekommen, andere Mädchen waren viel populärer.

Das Café Herrenhof war ein bedeutendes, 1914 gegründetes Wiener Literatencafé der Zwischenkriegszeit. Allerdings schon vor Ende der Monarchie verkehrten dort unter vielen anderen Robert Musil, Albert Paris Gütersloh, Alfred Polgar; etwas später kamen noch Hermann Broch und Ernst Polak dazu. Die Blütezeit (Stammgäste waren z.B.  auch Elias Canetti, Heimito von Doderer, Hugo von Hofmannsthal, Egon Erwin Kisch, Anton Kuh, Robert Musil, Leo Perutz, Joseph Roth, Otto Soyka, Hugo Sperber, Hilde Spiel, Friedrich Torberg, Franz Werfel und Ludwig Wittgenstein) des Cafés endete 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Béla Waldmann wegen seiner jüdischen Abstammung enteignet und das Café am 19. März „arisiert“. Es befand sich in der Herrengasse 10 im Ersten Bezirk und wurde 2006 endgültig geschlossen, nachdem das gesamte Gebäude für eine Hotelkette 2007/08 umgebaut wurde; am 1. Dezember 2008 eröffnete dort das „Steigenberger Hotel Herrenhof“.

Vom Kochen, Essen und sonstigem

2 Gedanken zu “Vom Kochen, Essen und sonstigem

  1. Sandpeck-Latzelsberger Christiane schreibt:

    Mein Lieblingskrapfenmacher ist die Bäckerei Felzl!
    Den gibt es in der Helferstorferstrasse 2 am Schottentor, wo wir einst in CA-Zeiten zum Haag gepilgert sind. Übrigens die verschiedenen Tarte sind ein Genuss!
    mehr auf: https://felzl.at
    Alles Liebe, Christiane Sandpeck

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