Gedanken zur Netflix-Serie „The Crown“

Vielleicht bin ich diesbezüglich ein wenig spät dran, und Sie haben das alles schon längst gesehen. Aber früher, also vor langer, allzu langer Zeit, habe ich Ihnen von Restaurants berichtet, habe ich Museumsbesuchte geschildert, und über Theateraufführungen meine Meinung abgegeben. Sogar Kinofilme waren es manchmal wert, sie zu erwähnen. Damit ist in Corona-Zeiten (und schon gar in Zeiten von B.1.1.7.) vieles, ja fast alles, weggefallen, das vielleicht auch für Sie von Interesse gewesen wäre.

Das Fernsehprogramm bietet (zu den Zeiten, zu denen ich schaue) meist irgendwelche „Kriminalserien“ oder zuckersüße Liebesgeschichten, die eher Jungmädchenträumen vergangener Zeiten entsprechen, als mich zu interessieren – also auch nichts Berichtenswertes.

Meine Enkel haben mir nun Netflix eingerichtet. Anfangs wollte ich mir „House of Cards“ ansehen, aber da hat mir die erste Folge gründlich missfallen, außerdem habe ich das zugrundliegende Buch bereits gelesen, also war mein Interesse daran enden wollend. Es gibt interessante Dokus dort, aber dazu braucht man gute Beratung, um sie zu finden.

Also verließ ich mich auf die die Ratschläge der Familie und begann mir Folge für Folge (jeweils zwei pro Abend) „the Crown“ anzusehen. Jetzt bin ich „durch“ – und hoffe, dass irgendwann eine neue Staffel kommt, zeitlich gibt es ja noch viel Luft nach oben, wir halten bei Ende der Thatcher Periode.

Gefallen hat es mir schon, obwohl die ein oder andere Folge mir doch ein wenig fad war. Denn ich bin weder an Hunden, noch an Pferden und schon gar nicht an der Jagd interessiert. Also vielleicht der Reihe nach: aufschlussreich waren die Rückblenden auf den Herzog von Windsor, manches daran (also an seiner Nazi-Verwicklung) habe ich in diesem Detail nicht gewusst. Interessant fand ich auch die Folge der Premierminister, wobei manche kaum in der Serie aufgetreten sind: Clement Attlee, Winston Churchill, Anthony Eden, Harold MacMillan, Alec Douglas-Home, Harold Wilson, Edward Heath, James Callaghan, Margaret Thatcher. Verstörend fand ich die Erziehungsmethoden, die sowohl Prinz Philip als auch sein Sohn erleiden mussten. Andererseits fand ich wiederum das Portrait, das von der Mutter von Prinz Philip gezeigt wurde, eher berührend.

Etwas gefehlt haben mir z.B. die Darstellung politischer Umwälzungen wie z.B. der Irlandkonflikt, die Bergarbeiterstreiks etc., die eigentlich nur am Rande erwähnt wurden. Ebenso der Abbau des Sozialsystems. Zu breit wurden und werden für mich die „emotionalen Probleme“ in der Königsfamilie dargestellt – also die Wirren um Prinzessin Margaret, oder später das Ungemach von Prinzessin Diana. Überhaupt kommt – für meinen Geschmack – viel zu viel „Fiktion“ in die Darstellung, wer hat denn gelauscht als die jeweils handelnden Personen miteinander gesprochen haben. Das betrifft auch den Einbrecher in den Palast. Das könnte doch so – oder auch ganz anders abgelaufen sein.

Manche Personen kommen ganz schlecht weg, z.B. Margaret Thatcher, da habe ich den Film „die Eiserne Lady“, in dem sie von Meryl Streep dargestellt worden war, viel besser gefunden und ich meine, dass dieser auch viel näher an der Wirklichkeit war. Und wenn wir schon bei Filmen sind: da war auch noch der grandiose Film „The Queen“ mit der wunderbaren Helen Mirren. Allerdings betrifft dieser die Regierungszeit der Queen, der in „the Crown“ noch nicht erreicht ist.

Interessant fand ich die Darstellung des Hofstaates, die Auswahl für die verschiedenen Positionen und die gnadenlosen Härte, mit der sie entsorgt wurden, wenn es dem Image ihrer Dienstherren genehm war.

Ein bissel stört mich auch das fast krampfartige Nachahmen der „Haltung“ der Original-Personen, das – so fand ich – trat besonders bei Prinz Charles (der ewig vorgeneigte Kopf) und Margaret Thatcher (der dauerhaft verkniffenen Mund) auf.

Faszinierend für mich ist die Tatsache, dass die Sprache von Prinz Philip (ich schau mir die Serie in Englisch, mit englischen Untertiteln an) jener von Boris Jonson gleicht, den ich kürzlich im Fernsehen gehört habe.

Und noch kurz dazuzufügen: Ich hatte einmal die Chance der „echten“ Queen einmal kurz zu begegnen: Am 5. Mai 1969 kam Queen Elizabeth II. zum ersten und bislang einzigen Staatsbesuch nach Österreich. Sie blieb bis zum 10. Mai 1969 in Österreich. Unter vielen anderen Ereignissen in Österreich war ein Empfang in Schloss Schönbrunn angesetzt, zu dem auch mein Mann und ich als seine Ehefrau eingeladen waren. Und wie das so ist auf Empfängen, stand ich in einer Galerie herum, in der Bilder von Pferden der Kaiserin Elisabeth hingen (denen ich aber kaum Beachtung schenkte). Plötzlich kam die Queen begleitet von ihrer österreichischen Entourage vorbei, wahrscheinlich um ihr gerade diese Bilder zu zeigen. Ich war etwas überfordert, was ich nun tun sollte (knicksen wollte ich eigentlich nicht, warum denn auch) aber bevor ich diesbezüglich eine Entscheidung getroffen hatte, war die Queen schon vorbei … (Wenn ich die Serie damals schon gesehen hätte, wäre ich wohl gewitzter gewesen).

Gedanken zur Netflix-Serie „The Crown“

7 Gedanken zu “Gedanken zur Netflix-Serie „The Crown“

  1. Wir haben alle Staffeln und alle Folgen von „The Crown“ gesehen. Viele Namen aus der Politik sind mir geläufig.
    Sicher ist sehr viel Fiktion in der Serie vorhanden, da ist wohl auch viel „Füllsel“ dabei um genügend Material zu haben. Einige Episoden habe ich bei Wikipedia nachrecherchiert, z.B. dass die Mutter von Prinz Philipp als Nonne in Griechenland gelelbt hat, wusste ich nicht, ebenso die Tatsache, dass die Queen und ihr Gemahl die gleiche Ur-, oder war es die UrUr-Großmutter, hatten.
    Als wir 2014 Windsor Castle besuchten, konnten wir in der St.-Georgs-Kapelle einen Blick auf die Gruft werfen, in der Queen Mum und Prinzessin Margaret beigesetzt wurden.

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  2. Ja, die Gespräche hinter den Schlossmauern sind sicherlich zum großen Teil konstruiert, vielleicht aber auch anhand der wahren Begebenheiten und der Etikette des Hofes. Margaret erscheint in einem ganz anderen Licht weil sie ihre Liebe nicht heiraten durfte und sowieso immer an 2.Stelle stand. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie irgendwann entschieden hat, vielleicht aus Trotz, ein anderes Leben zu führen.
    Und wie es scheint, hatte Elizabeth Bowes-Lyon immer noch großen Einfluss auf die Entscheidungen innerhalb der Familie. Ich kann mir auch vorstellen, dass vieles, was jetzt in The Crown zum Vorschein kommt, von ehemaligen „Hofschranzen“ kolportiert wurde.
    Es bleibt auf jedenfall spannend, obwohl Sie und ich zum Teil Zeitzeugen der Ereignisse waren.

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  3. Terezija schreibt:

    Liebe Christa! Unsere Meinung über die ersten 4.Staffeln decken sich. Für mich waren jene mit historischen Fakten ( zB Aberfan) und Politik ( die Premierminister/in) am besten gefallen.Das ganze Projekt ist Fiktion und nicht Doku, das war mir immer klar, gerade deshalb war ich letztendlich auch sehr begeistert. Crown war für mich der Ersatz für das Jährliche 1. Jännerwoche – Winterurlaub – Abendprogramm . Kein Urlaub dafür Crown.

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    1. Liebe Terzija, danke für Deine Zustimmung. Hast Du vielleicht vorschläge für Ähnliches? Ich bin auf eine schwedische Serie (Kalifat) gestossen, die aber ziemlich „heavy“ ist … Liebe netflisxige Grüße
      Christa

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