Ich gratuliere zum 20. Geburtstag von Wikipedia

Und sage DANKE!

Ich bin kein „digital native“ – leider. Aber bei meinem Geburtsjahr geht sich das leider nicht aus. Aber mein derzeitiges Leben könnte ich mir ohne Computer, soziale Netzwerke, Plattformen wie Google und vor allem Wikipedia nicht mehr vorstellen. Und heute lese ich, dass Wikipedia 20 Jahre alt geworden ist.

Meine „heftige Nutzung“ von Wikipedia hat nicht nur mit meinem Blog zu tun. Z.B. mein Gedächtnis lässt leider nach und mir fallen Namen partout nicht ein. Als mein Mann noch lebte, schafften wir das Erinnern gemeinsam – einer erinnerte sich an den Vornamen – und flugs war dann der Begriff wiedergefunden, aber allein? Naja, manchmal fällt mir denn in der darauffolgenden Nacht, wenn ich nicht schlafen kann, etwas ein, das ich ein paar Stunden vorher so dringend gerne gewusst hätte.  Es ist einfach peinlich, wenn man so öffentlich nach Namen oder Begriffen „ringt“. Aber mit Wikipedia kann ich mir trefflich helfen, da kann ich durch die mir bekannten Attribute z.B. einer Person fast alles in doch relativ kurzer Zeit finden. Ähnlich geht’s mir, wenn mir z.B. nur der englische Begriff für etwas einfällt – umgehend kann man das nachschauen.

Na und beim Schreiben meines Blogs ist Wikipedia überhaupt unerlässlich – welches Jahr war das gerade, als …? Wenn ich etwas in meiner Religion ziemlich bestimmt weiß, kann ich immer nachschauen, wie das Thema in den anderen abgehandelt wird.  

Meine Enkel haben mir erzählt, dass sie Wetten abgeschlossen haben, wie man lange man über die vorhandenen Hinweise brauchte, um von einem möglichst „exotischen“ Begriff sich zu einem anderen „mehr gängigen“ durchzukommen (z.B. von „Hawaii“ zu „Goldene Bulle“). Versuchen Sie es einmal!

Aber wie konnten wir existieren, als es z.B. Wikipedia noch nicht gab? Und das gilt für einen Großteil meines Erwachsenenlebens. Ich habe drei wissenschaftliche Arbeiten ohne Wikipedia geschrieben – noch dazu auf der Schreibmaschine …

Mein Mann und ich hatten selbstverständlich den großen Brockhaus zu Hause, einen – damals aktuellen – und einen aus dem Jahr 1905 (der weist sich auch jetzt noch als ganz praktisch, da man dort Dinge über unaktuelle Themen finden kann, die noch nicht in Wikipedia auffindbar sind). Natürlich verfügten wir auch über die Encyclopaedia Britannica, und ihre zahllosen jährlich „Updates“ – was natürlich das Suchen nicht gerade erleichterte. Dann gab’s noch ein Filmlexikon – in mindestens zwei Dutzend Bänden, weiters Zitatenlexika, und jede Menge historische Lexika über verschiedene Perioden und Orte. Es war aufwändig, sich alles zusammenzusuchen und es kostete jede Menge Zeit. Jetzt braucht man nicht mehr vom Schreibtisch aufstehen, verschiedene Bibliotheken aufsuchen, über Bibliotheksleitern in verschiedenen Institutionen klettern …

Wikipedia ist die größte frei zugängliche Online-Enzyklopädie und eine der meistbesuchten Websites der Welt. Sie wurde am 15. Januar 2001 als gemeinnütziges Projekt von den Amerikanern Jimmy Wales und Larry Sanger gegründet und finanziert sich durch Spenden. Gegenwärtig umfasst Wikipedia mehr als 55 Millionen Artikel in über 300 Sprachen. Rund 2,5 Millionen Artikel gibt es auf Deutsch. Jeder kann Artikel erstellen und bearbeiten. Es gibt keine Moderation der Beiträge „von oben“ wie etwa bei Twitter oder Facebook. Die Wikipedia-Community, die aus mehr als 3 Millionen Freiwilligen besteht, diskutiert über Streitfälle und soll dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden und keine „Fake-News“ in Wikipedia auftauchen. Wenn Sie etwas in „Wiki“ suchen und es nicht finden – naja, vielleicht versuchen Sie selbst einmal einen Eintrag (ich habe vor, es in Zukunft zu tun) und auch für Wikipedia zu spenden, denn nur viele kleine Spenden können dieses Service gewährleisten.

Es gibt noch viel Potential zur Weiterentwicklung: Wikipedia gibt es noch nicht in allen Sprachen, manches Wissen dieser Welt wird nicht schriftlich, sondern nur mündlich weitergegeben. Und was nun die „Neutralität“ betrifft: Fake News werden sich eher nicht finden, allein durch die rigorosen Prüfungen bei Neu-Eintragungen. Aber sicher ist Wikipedia noch „einseitig“, bis jetzt stammt die Mehrzahl der Einträge von den berühmten „alten weißen Männern“ (nur ca. 10 – 15 % der Einträge stammen von Frauen). Die besten Eintragungen sind jene, die von Menschen mit großem Fachwissen geschrieben wurden. Daher ist es sehr wichtig, dass sich eine diverse Community an der Erstellung beteiligt, in der es alle möglichen Interessen gibt. Bei Wikipedia gilt die Regel, dass “ich habe davon noch nie etwas gehört“ kein triftiger Grund dafür ist, sich für das Löschen von Beiträgen auszusprechen. Es ist ein stetiger Prozess in der Community, an diesen Dingen zu arbeiten und sie richtig zu machen. Es ist ein Problem, dass man Vorurteile und Einseitigkeiten oft gar nicht bemerkt, bis man innehält und darüber reflektiert.

Um unter „Wiki“ gefunden zu werden, kommt fast einem Ritterschlag in vergangenen Zeiten gleich. Wikipedia ist Teil der Weltinfrastruktur geworden, „jeder“ nutzt Wikipedia.

Ich gratuliere zum 20. Geburtstag von Wikipedia

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