Oh, wie schön ist Panama

Viele von uns können sich vielleicht an dieses Kinderbuch erinnern, weil es ihnen vorgelesen wurde oder weil sie es selbst Kindern und Enkelkindern vorgelesen haben. Es wurde von Horst Eckert alias Janosch geschrieben und ist am 15. März 1978 erschienen.

Das können Sie jetzt überspringen, wenn Sie das Buch halb auswendig können:

Die zwei Freunde Kleiner Tiger und Kleiner Bär leben glücklich in einem Häuschen in der Nähe eines Flusses. Der kleine Bär ist leidenschaftlicher Fischer, und der kleine Tiger ist ein versierter Pilzsammler, der eine kleine gelbschwarz gestreifte Holzente mit Rädern besitzt. Er nennt sie deshalb „Tigerente“. Eines Tages fischt der kleine Bär eine leere Holzkiste mit der Aufschrift „Panama“ aus dem Fluss. Er schnuppert an der Kiste, und sie riecht nach Bananen, und er beschließt, dass Panama das Land seiner Träume sei. Der kleine Bär erzählt seinem Freund Kleiner Tiger phantasievoll, dass Panama ein Ort sei, wo alles besser, größer und schöner als zuhause sein soll und dass sie nun in dieses Land reisen sollen. Am nächsten Tag machen sich die beiden mit einem Kochtopf, einer Fischerrute, einem Hut und der Tigerente auf den Weg nach Panama. Zuerst fertigen sie aus der Kiste einen Wegweiser und gehen in die gezeigte Richtung. Während ihrer Reise treffen sie auf die verschiedensten Tiere. Die meisten wissen nicht, wo Panama liegt, und einige geben ihnen falsche Richtungsangaben. Die beiden Freunde laufen durch diese Angaben im Kreis herum und kommen schließlich wieder in ihrem alten Zuhause an. Da in der Zwischenzeit ihr Haus durch die Witterung angegriffen aussieht, die Brücke nicht mehr vollständig intakt ist und die Bäume und Sträucher beträchtlich gewachsen sind, ist ihnen nicht bewusst, dass sie wieder in ihrem ursprünglichen Zuhause angekommen sind. Sie finden auf dem Boden vor ihrem Haus den Wegweiser mit der Aufschrift „Panama“ und glauben deshalb, tatsächlich an ihrem Ziel angekommen zu sein. Sie reparieren das Haus und sind glücklich, endlich im Land ihrer Träume zu sein.

Und warum ich Ihnen gerade jetzt diese bezaubernde Geschichte ans Herz lege? Jetzt, als gerade wieder die „Mächtigen“ über eine Lockerung, Verlängerung, Intensivierung des Lockdowns beraten, und wir alle diesen Lockdown so satthaben, könnten wir darüber nachdenken, wo sich denn unser „Traumort“ befindet?

Für viele wäre es derzeit vielleicht in Ort hoch in den Bergen, wo es zahllose Aufstiegshilfen gibt, und man mit den Schiern, dem Snowboard oder der Rodel herunterflitzen kann – dann schauen Sie hinaus, draußen schneit es, es wäre ziemlich kalt dort (-12°) und ein eisiger Wind fegte über die Berge, die Lawinengefahr wäre hoch – also vielleicht würden Sie sich von dort in die warme gemütliche Stube, also in Ihr Zuhause sehnen.

Für andere wäre der Traumort – eine tropische Insel, mit einem endlosen Sandstrand, mit Palmen, die das Ufer säumen, mit sanften Wellen in einem azurblauen Meer. Jetzt überlegen Sie einmal, wie lang dauert ein Flug dorthin, wie unbequem sitzt man in Flugzeugen, wie lange muss man auf Anschlussflüge warten, bis man endlich auf der Trauminsel angekommen wäre. Und würde Ihnen dort nicht das Schnitzel und der Gurkensalat abgehen?  Und dann noch die vielen unbekannten Fische im Meer, die Sie anstupsen, während Sie schwimmen, wäre da nicht eine von diesen lästigen Quallen darunter, durch deren Berührung Sie den grauslichen Nesselausschlag bekämen. Würden Sie sich dann – auf einer Krankenstation der Nachbarinsel liegend, nicht nach Hause, in ihr gemütliches Heim wünschen?

Es gibt höchst unterschiedliche Traumorte, wohin sich manche Menschen „hinwünschen“.  Für meinen verstorbenen Mann war es Angkor Wat, diese faszinierende Tempelanlage der Khmer in Kambodscha.  Durch die Nähe zum Äquator herrscht dort ein tropisch feuchtwarmes Klima. Diese Wege durch die Anlage sind extrem holprig, Wurzeln der sich immer mehr ausbreitenden Bäume heben die ursprünglich gelegten Platten auf, die Stufen zu den Anlagen sind äußerst hoch, gerade, wenn Sie diese in der feuchten Hitze zu erklettern versuchten, würden Sie nicht an Ihren gemütlichen Fauteuil zu Hause denken, während sie dort einen Film über Angkor Wat ohne viel Anstrengung ansehen könnten, der mehr zeigte, als Sie hier in der brütenden Hitze wahrnehmen könnten.  

Einer meiner nie erreichten Traumorte ist Machu Picchu, eine von den Inka gegründete Stadt hoch in den peruanischen Anden. Die Stadt liegt auf 2400 Metern Höhe, ich bin nicht ganz sicher, wie gut ich diese Höhe vertragen würde. Und die Anreise wäre – auch ohne Corona-Restriktionen – ziemlich beschwerlich. Und das wirklich Interessante, das Herumstreifen zwischen den Ruinen würde mich wahrscheinlich ziemlich überfordern, daher sitze ich lieber in meiner warmen Stube und lese ein interessantes Buch über die Inkas und ihre Kultur.

Ja, und weil man in diesen Tagen dringend Freunde/Verwandte  braucht, Freunde, mit denen man vieles gemeinsam hat, oder mit denen man vieles gemeinsam erlebt hat, werde ich dann anfangen zu telephonieren, aus meinem Panama, meinem Traumort: zu Hause.

Oh, wie schön ist Panama

4 Gedanken zu “Oh, wie schön ist Panama

  1. Mein Traumort ist das Meer, also mit einem Schiff über die Meere fahren. Zurzeit ist das ja nur sehr eingeschränkt möglich aber wir haben ein tolles Zuhause, in dem wir uns sehr wohlfühlen. Eigentlich müssten wir nirgendwo anders hin, was viele Jahre aus finanziellen Gründen auch nicht möglich war. Und wir waren deswegen auch nicht traurig. Es gibt Momente, wo wir bei einem Glas Wein beisammensitzen und sagen: Haben wir das nicht gut?
    Es gibt sicher Orte, die ich gern besuchen würde, aber davon hängt mein Seelenheil nicht ab.

    Gefällt 1 Person

  2. Mein Traumort ist ein unmöglicher: Ein Holzhaus in den Alpen mit guter Internetverbindung und direkt am Ostseestrand gelegen …

    Da es den nicht gibt, mache ich den Ort, an dem ich bin, zu einem, von dem ich träumen kann.

    Gefällt mir

    1. das kann ich wirklich nachvollziehen, ich „leide“ auch darunter dass Österreich ein Binnenland ist, mir würde es gefallen wenn Triest österreichisch wäre – aber das ist ja irrelevant geworden, da wir alle Europoäer sind mit vielen Küsten und Bergen.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s