Das römische Mautern, der Weinbau an der Donau und der heilige Severin

Es ist ziemlich selten geworden, dass ich kurz aus Wien hinauskomme, und desto aufmerksamer nehme ich die Umgebung wahr, in der ich mich dann gerade befinde – und dazu fällt mir dann natürlich einiges ein. Als wir an einer Tafel „Mautern“ vorbeigefahren sind, und sich in der Umgebung viele Weinberge befunde haben, ist mir durch den Kopf gegangen, dass es ja die Römer waren, die den Wein nach Österreich (also damals Noricum, im ersten Lateinbuch: Austria Romana) gebracht haben. Das gesamte Territorium des heutigen Österreich stand unter dem direkten oder indirekten politischen Einfluss Roms. Alle Gebiete diesseits (südlich) der Donau waren ab dem ausgehenden 1. Jahrhundert v. Chr. Teil des Imperium Romanum und gehörten zu den römischen Provinzen Rätien, Noricum und Pannonien. Hingegen lagen das Mühl-, Wald- und Weinviertel nördlich der Donau im so genannten Barbaricum, standen also nicht direkt unter römischer Verwaltung. Immer wieder überschritten römische Truppen den Donaulimes, um Einfälle oder Bedrohungen aus diesem Gebiet zu bekämpfen. Meist aber pflegten die über dem Fluss ansässigen germanischen Stämme rege friedliche Beziehungen zum Römischen Reich. Ursprünglich ansässig in dieser Gegend waren wohl die Kelten gewesen. Aber über 600 Jahre dominierten die Römer.

Der größte Teil des heutigen Österreich wurde um 15 v. Chr. ins Römische Reich eingegliedert. Der römische Kaiser Claudius richtete während seiner Herrschaft (41–54 n. Chr.) die römische Provinz Noricum ein, deren Grenzen im Norden bis zur Donau, im Nordosten bis zum Wienerwald, im Osten etwa entlang der heutigen steirischen Ostgrenze sowie im Südosten und Süden jenseits von Eisack und Drau verliefen. Mit den Römern fand in den Provinzen Noricum und Pannonien der Weinbau rasch Verbreitung. Cassius Dio, römischer Senator, Konsul, Schriftsteller und Geschichtsschreiber, war unter anderem Statthalter von Pannonien und Dalmatia und beschrieb die Qualität des pannonischen Weinbaus als schlecht. Das hat sich aber seither gründlich geändert!

Im Jahr 470 wurden Rebflächen bei Mautern erwähnt. Der Fund eines Winzermessers in Lauriacum, einer römischen Siedlung im Bereich von Lorch, einem Stadtteil des heutigen Enns in Oberösterreich gilt ebenfalls als Beleg des frühen Weinbaus zur Zeit der Römer. Erst der Babenberger Heinrich II. „Jasomirgott“, der im Jahr 1145 Wien zu seiner Residenz erhoben hatte, und stärkte wiederum den Weinbau.

Mautern war zur Zeit der Römer eine bedeutende Siedlung, da sie an einer wichtigen Handelsroute (Eisen/Salz) und direkt an der Nordgrenze zu den germanischen Völkern lag. Der römische Name für Mautern lautete wahrscheinlich „Favianis“ oder „Favianae“. Das Kastell Favianis schützte einen wichtigen Flussübergang (möglicherweise eine Furt) am östlichen Ausgang der Wachau. Seine größte Bekanntheit erlangte Favianis in der Spätantike schon am Ende der Römerzeit in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts, als Severin von Noricum hier ein Kloster gründete.

Über Severins von Noricum (Severinus; * um 410; † 8. Januar 482 in Favianis) Abstammung ist wenig bekannt. Seine Sprache war angeblich die eines „ganz und gar lateinischen Menschen“. Daraus und aus weiteren Indizien wird gefolgert, dass Severin aus Italien stammte und dass seine Familie einer vornehmen, gebildeten Schicht angehörte. Da er Auskunft über seine Abstammung aus Bescheidenheit verweigerte, ist davon auszugehen, dass er der politischen Führungsschicht entstammte. Seine Ausbildung als Mönch erhielt er im Osten des Reichs bei den in der Wüste lebenden Einsiedlern. Nach dem Tod des Hunnenkönigs Attila im Jahr 453 kam er von Pannonien nach Ufernoricum (der römischen Provinz nördlich der Ostalpen), die zu jener Zeit bereits durch den Zerfall des Weströmischen Reiches infolge der Völkerwanderung bedroht war. Severin hielt sich hauptsächlich im Donauland zwischen Carnuntum im Wiener Becken und der Gegend von Passau auf.

Zunächst trat Severin offenbar im Gebiet Niederösterreichs in Erscheinung, er unterstützte und bestärkte demnach zunächst deren romanische Bevölkerung angesichts der ständigen germanischen Überfälle, organisierte dann aber ihre Evakuierung nach Lauriacum (Lorch) an der Enns, bald wegen anhaltender Bedrohungen weiter zurück in die niederösterreichische Nachbarschaft seines früheren Wirkungsorts Favianis.

Severin bekleidete selbst kein Amt, sondern scheint auch nach der Konventsgründung weiter als Anachoret (ein Mensch, der sich aus persönlichen Gründen aus der Gemeinschaft, der Chora, zurückzog) gelebt zu haben. Er betätigte sich als Mahner, Helfer und Seelsorger, setzte sich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein und organisierte Lebensmittel- und Kleiderlieferungen. In den Jahren 469/470 erlangte er vom alemannischen König Gibuld, den er im Gebiet von Passau traf, die Freilassung römischer Kriegsgefangener. Sein entschiedenes Auftreten im Umgang mit Herrschern zeugt von seiner außergewöhnlichen persönlichen Autorität.

Severin starb also 482 in Favianis. Den eigenen Todestag 8. Jänner wie auch die Entvölkerung von Ufernoricum durch Abzug der Einwohner soll er vorausgesagt haben. Der von ihm gegründete Konvent schloss sich dann einem Zug über die Alpen an, den Hunulf 488 im Auftrag seines Bruders Odoaker durchführte, und siedelte samt den Gebeinen Severins nach Italien über.

Neuer Standort der Gemeinschaft wurde Castellum Lucullanum bei Neapel. Die Gebeine des Severin scheinen bis nach der Konventsgründung in Neapel gelagert worden zu sein. Von dort kamen sie nach Lucullanum. Die Reliquien des heiligen Severinus wurden seit dem Jahr 902 in der Kirche des bedeutenden Benediktinerklosters Santi Severino e Sossio in Neapel aufbewahrt, von wo sie 1807 in die Pfarrkirche von Frattamaggiore in Kampanien überführt wurden, wo sie bis heute liegen.

Was einem so bei eiern Fahrt durch Niederösterreich – bei der heute fast blauen Donau – durch den Kopf geht.

Das römische Mautern, der Weinbau an der Donau und der heilige Severin

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