Reflexionen: War ich mutig – feig, angepasst – eigenwillig

Anhand von einigen Beispielen aus meinem Leben

In meiner Kindheit ertrug ich eines nicht – wenn jemand zu mir sagte „du bist feig“. Also z.B. Schulschikurs in Annaberg. Die Turnlehrerin, die als Schilehrerin fungierte, hatte uns Schülerinnen verboten einen Hang (naja, ein Hangerl) herunterzufahren. Irgendjemand aus meiner Klasse, die wohl wusste, wie man mich provozieren konnte, meinte, Du bist ja doch zu feig, hier herunterzufahren.  Mehr brauchte sie nicht sagen, natürlich fuhr ich hinunter. Passiert ist nichts, außer, dass ich einen Tag Hausarrest während des Schikurses hatte, was bitter genug war.

In meiner Jugend bin ich Bergsteigen gegangen, ja auch mit Pickel und Seil, ja, auch im Winter sind wir im Gebirge Touren gegangen. Und ganz ungefährlich war da auch nicht, besonders beachten mussten wir – hauptsächlich im beginnenden Frühling – die Lawinengefahr. Aber gefürchtet habe ich mich nicht. Klettern allerdings, hat mich nie gereizt – und das habe ich auch unterlassen.

Und als einem von mir erwarteten Standard nicht zu entsprechen ertrug ich auch nicht wirklich gut: es war während meines Studienjahres in den USA, in denn Semesterferien fuhren wir Studenten gemeinsam in den Yosemite Park, um schizufahren. Die Ausrüstung musste ich mir ausborgen. Von mir als Österreicherin erwartete man rasantes Schifahren (ich glänzte ja in sonst keinem Sport). Also was bleib mir übrig, als mich einen steilen Hang todesmutig hinunterzuwerfen – anfangs gings ja noch ganz gut, unten kam es dann zu einem Monstersturz und zu einem gebrochenen Knöchel (den man doch auf die ausgeborgte, nicht passende Ausrüstung schieben konnte). Die Ehre war gerettet und der Unfall nicht ganz so arg.

Es gibt alltägliche Dinge, die ich in meinem Leben einfach nie gemacht habe:

Das kommt mir jetzt in Corona-Zeiten zugute: ich habe nie in meinem Leben meine Haare gefärbt oder färben lassen. Der Grund dafür ich glaube, dass man das natürliche Gleichgeweicht seines Aussehens – der Farben der Haut, der Augen etc. stört, wenn man färbt. Früher war meine Haarfarbe dunkelbraun – mit hellen Streifen im Sommer, durch die Sonne. Als ich langsam anfing, grau zu werden, haben mich meine Freundinnen bestürmt, doch nicht „alt aussehen“ zu wollen.  Ja, vielleicht hat das eine Weile auch gestimmt, denn es hat mich schon getroffen, als mich ein Bekannter meiner nur 5 Jahre jüngeren Freundin als deren Mutter angesehen hat. Aber meine Haltung hat auch dieser „Tiefschlag“ nicht geändert. Auch ein andermal – viel später, als eine andere Freundin ausrief: „jetzt weiß ich, warum du so anders ausschaust, du bist ja ganz weiß geworden“, hat mich das einigermaßen schockiert. Inzwischen haben sich alle meine Freunde und Freundinnen an meine kurzen weißen Haare gewöhnt, und ich muss nicht drei Stunden lang beim Friseur sitzen, um immer wieder meine Haare färben zu lassen. (Jetzt wäre ich schon dankbar, wenn die die Friseure aufsperren dürften, denn jetzt schauen die kurzen Haare schon sehr „ausgewachsen“ und damit ungepflegt aus)

Ich war auch noch nie in meinem Leben in einem Solarium. Kürzlich habe ich den Medien entnommen, dass der Solarium Besuch eine Zeitlang sehr in Mode war, dann später erheblich zurückgegangen sind, viele derartige Institute mussten zusperren oder „umsatteln“, aber jetzt, in Corona-Zeiten, in denen winterliche Fernreisen nicht möglich sind, ist der Zulauf angestiegen, denn viele Menschen möchten „wie nach einem Urlaub“, also gebräunt aussehen. Manche Hotels, in denen wir einen so genannten Wellness-Urlaub (mein Mann wollte abnehmen) verbracht hatten, verfügten über derartige Geräte, ich konnte sie genau inspizieren, aber hinein gelegt habe ich mich nie, mich haben diese Geräte immer an die antiken Särge erinnert, die man in Museen oder Ausgrabungsstätten sehen kann. Außerdem habe ich gelernt, dass „zu viel Sonne“ der Haut auch nicht so besonders guttut.

Mit einem Motorrad bin ich auch nie gefahren. Mir fehlt auch die Voraussetzung dazu: ich habe weder ein Motorrad noch einen Motorradführerschein. Nach ganz wenigen Fahrradversuchen meiner Kindheit hatte ich Zwei-rädrigen Fahrzeugen eher misstraut. Besonders beim motorisierten Fahren habe ich gerne eine solide Schutzschicht um mich. In meiner Jugend bin ich zwar (im Damensitz) schon auf einer Vespa oder einem Puchroller mitgefahren, einmal ist das auch ein wenig schief gegangen, der Fahrer ist in einer Straßenbahnschiene gerutscht und wir sind mit dem Ding umgefallen. Außer, dass wir etwas schmutzig waren, ist uns nichts passiert, aber wir waren ohnedies am Weg zum Schinakel-Fahren an der Alten Donau.  Viel später dann bin ich bei einem meiner Mitarbeiter mit dessen Motorrad unter lautem Gejohle der anderen Kollegen vom Büro zu einem gemeinsamen Festl (traditionelles gemeinsames Ganslessen) mitgefahren (mit Helm!).

Im Alter fragt man sich dann zuweilen – sein Leben reflektierend: war ich feig, war ich mutig, war ich angepasst, war ich aufmüpfig? Es wird wohl von allem ein wenig gewesen sein ….

Reflexionen: War ich mutig – feig, angepasst – eigenwillig

6 Gedanken zu “Reflexionen: War ich mutig – feig, angepasst – eigenwillig

  1. Feige werden wir genannt von Leuten, die uns zu etwas bringen wollen, das sie selbst nicht tun. Brassens erkennt sehr richtig: „Mourir pour des idées – l’idée est excellente. Moi j’ai failli mourir de ne l’avoir pas eue.“
    Damit stelle ich mich zwar gegen die alt- und mittelhochdeutsche Bedeutung des Wortes (krank, schwach, todgeweiht), aber Sprache entwickelt sich. Vielleicht sind die wirklich Feigen ja auch die, die sich schicken lassen?
    Vielen Dank für den morgendlichen Denkanstoß!

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