Was haben Antisemitismus und Migrationshintergrund miteinander zu tun

Wenn ich so lese und höre, fällt mir manches auf. Einerseits soll in unserem Land eine nationale Strategie gegen Antisemitismus entwickelt werden. Andererseits empfiehlt in Deutschland eine Kommission der Bundesregierung, das Wort „Migrationshintergrund“ aus dem Amtsgebrauch zu streichen. Für mich scheinen das zwei Seiten einer Medaille zu sein. Es geht um Definitionen von „Wir und/oder die Anderen“. Es geht um Rassismus, der in jeder Form in jedem Land eliminiert werden sollte. Und haben wir nicht auch in den USA die eindrucksvolle Bewegung „Black Lives Matter“ gesehen.

Keine dieser Bewegungen ist neu. Der Antisemitismus ist in Europa ein uraltes Phänomen, das sich von den Pogromen des Mittelalters bis hin zum Holocaust entwickelte, und mehr oder minder latent ist er noch immer zu finden. Auch in den USA gab es den Antisemitismus, noch zu Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als z.B. Juden nicht in renommierte Service-Clubs aufgenommen wurden. Und es gibt ihn auch, den arabischen Antisemitismus, der neuerdings seine Quellen im Israel-Palästina Konflikt hat, aber auch schon viel, viel älter ist und auf Mohammed und die Juden in Medina zurückgeht. Und in arabischen Ländern der Vergangenheit mussten sich Juden (wie auch Christen) „kenntlich machen“ (meist durch Kleidung) und waren einer Reihe von Schikanen ausgesetzt. Sie und die Christen waren so genannte Dhimmis, Bürger mit geringeren Rechten. Und dieser arabische Antisemitismus wurde durch die Migration von uns importiert.

Wenn selbst in den USA, das seit jeher ein Einwanderungsland war und ist, Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe unausrottbar zu sein scheinen – steht Europa diesbezüglich erst am Anfang. Hier gibt es viele „Nationalstaaten“, die in vielen Fällen ethnisch und religiös einheitlich zu sein bestrebt waren. Dieses Ziel ist selten erreicht worden.  Ich darf in unserem eigenen Land an die Ortstafelstreitereien erinnern, die noch gar nicht so lange zurückliegen. Und viele europäische Länder sehen sich noch immer nicht gerne als „Einwanderungsländer“, wenn auch ihre Geburtenraten laufend sinken.  

Allerdings gerade Wien als Metropole eines Vielvölkerstaates war in der Vergangenheit immer „Einwanderungsgebiet“, da brauchen wir gar nicht weit in die Vergangenheit blicken, mit wessen Hilfe wurde denn die Ringstraße, die Semmeringbahn etc. erbaut? Das waren z.B. zumeist Tschechen und Italiener – und das liest man heute noch im Telephonbuch (sofern man über ein solches noch verfügt und nicht schon längst auf die on-line Variante umgestiegen ist). Und unter diesen Zuwanderern gab es auch Muslime, wenn auch nicht in besonders großer Zahl, denn Bosnien wurde spät ebenfalls in die Habsburgermonarchie eingegliedert.

Dann kamen die Einwanderungswellen nach dem Zweiten Weltkrieg: die ersten waren die so genannten Gastarbeiter – von denen man annahm, dass sie eben nur „Gäste“ waren, die zum Arbeiten gekommen waren, die aber das Land nachdem diese Lücke nicht mehr bestehen würde, verlassen würden. Naja, da täuschten sich alle.  Sie blieben und ihre Familien kamen nach. „Wir“ kümmerten uns nicht um sie. Wir sorgten nicht für Integration, wir sorgten nicht, dass sie unsere Sprache lernten, dass sie unsere Lebensweise kennenlernten. Sie lebten zwar nicht in Ghettos aber doch „getrennt“ von der Mehrheitsgesellschaft. Ich erinnere mich gut: Uns half einer dieser Türken beim Mähen in unserem Garten. Wenn wir die Familie zum Zahlen besuchten, gab es keine Sessel, sondern man saß am Boden, und es lief – ein türkischer Film oder das türkische Fernsehen. Man war sehr gastfreundlich uns gegenüber, auch wenn wir uns auch die Schuhe ausziehen mussten bevor wir ihre Wohnung betraten. Der türkische Kaffee war köstlich und sehr stark.  Aber die Kommunikation war mühsam – ob beiderseitiger mangelnder Sprachkenntnisse (da mussten die Kinder aushelfen). Damals redete man noch nicht von „Migrationsproblemen“.

Auch war die erste Moschee in Wien noch kein Problem, denn die wurde ja für die Angestellten der hier ansässigen Internationalen Organisationen erbaut. Später waren es dann geplante Moscheebauten und Kulturzentren, die zu Brennpunkten der Auseinandersetzungen wurden. Und es war besonders eine Partei, die gegen „die Zuwanderung“ vehement Stellung bezog. Wir erinnern uns alle an die Wahlkampfsprüche wie „Daham statt Islam“.

Und wie das immer so geht, begann damals dann auch die Problematik der Benennung.  Die anfängliche Verwendung des Wortes “Tschusch“ war sehr bald verpönt und man begann diese Zuwanderer Menschen mit Migrationshintergrund zu bezeichnen. Aber das war auch schwierig: denn wie weit geht denn „Migrationshintergrund“ zurück, wie viele Generationen?  Und es geht ja nicht nur um die Ethnien es geht auch um die Religion, den Islam. Und dann kam der Islamismus!

Mir gefällt es, wenn jetzt auch Wetterphänomene mit arabischen Namen versehen werden sollen: ich freu‘ mich auf das nächste Aischa-Hoch und das Mohammed-Sturmtief.

Wir haben alle noch einen weiten Integrations-Weg zu gehen, und grad jetzt bekommt unsere Integrationsministerin ein Baby!

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