Ein fröhliches, wenn auch verbotenes dem Lockdown-ein-Schnippchen-schlagen

Ich muss gestehen – ich bin gestern ausgebüxt, ja ich habe dem Lockdown ein Schippchen geschlagen und habe einen Abend lang „Freiheit“ gespielt, also noch knapp vor der Verschärfung, die morgen beginnt.

Ja, also den zwei Meter Abstand – den kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, ich habe es heute, in der Stadt probiert, da war auf Gehsteigen noch nicht viel los.  Aber selbst da musste ich jedes Mal auf die Fahrbahn ausweichen. Und im Supermarkt sind doch die Wege noch viel enger als die Gehsteige in der Stadt. Da bleibt wirklich nur die Möglichkeit auch auf der Straße Maske zu tragen. (Dazu kommt das leidige Problem, dass wiederum die Brillen anlaufen …)  Der Abstand von zwei Metern ist – leider muss ich das sagen – eine irreale Forderung.

Ja, und was nun Masken betrifft, ich habe meine schon lange versprochenen zehn Stück noch immer nicht bekommen – aber morgen sollte ich sie tragen. Denn in den Supermärkten in meiner Umgebung gab es auch keine, während der letzten Tage. Die Koordination der Maßnahmen und Anordnungen scheint leider nicht (optimal) zu funktionieren.

Und nun zu meinem „Lockdownbruch“. Meine Freundin hat mich angerufen und gemeint, dass sie einen Tafelspitz kochen würde, und ob ich nicht Lust hätte …  Natürlich hatte ich Lust auf Tafelspitz (der ist ja für eine Person nicht wirklich zu kochen und meine vegetarischen Enkel lehnen so etwas höchst grundsätzlich ab, der Plachutta hat auch schon lange zu …) Gezögert mitmeiner Zusage habe wirklich nicht.

Ja, die Hand haben wir einander nicht gegeben und bei Tisch sind wir auch sicher einen Meter weit auseinandergesessen. Aber wie lustig es sein kann, wenn man wieder gemeinsam isst, das ein und/oder das andere Glas Wein trinkt, hat sich gestern gezeigt. Erst waren wir noch ernst und haben gesellschaftspolitische und Weltprobleme besprochen und natürlich auch gelöst. Dann aber hat der Mann meiner Freundin erzählt, dass er regelmäßig bei Euro-Millionen spielt aber noch nie die Millionen gewonnen hat.

Ab da sind wir haltlos geworden und haben uns überlegt, was wir mit einem Gewinn anfangen würden. Anfangs waren wir ausnehmend bescheiden, und haben festgestellt, dass wir den Gewinn eigentlich nicht brauchten und viel Geld nur Mühe brächte. Also wurden Anlagemöglichkeiten diskutiert. Aber gleich zu Anfang haben wir entschieden, dass ein erheblicher Teil dieses Lottogewinnes für unsere Kinder und Enkel reserviert wäre. Und da ich mehr Enkel und sogar Urenkel habe, müsste mein Gewinn eigentlich größer sein, damit uns jeweils gleich viel bleibe. Im Wesentlichen wollten wir für „angemessenen Wohnraum“ für unseren Nachwuchs sorgen.

Naja, und weil wir doch einer Generation angehören, die noch etwas „autoverliebt“ ist, nannte jeder von uns seine „Lieblingsmarke“. Der Mann meiner Freundin wünschte sich einen Rolls-Royce Ghost ohne Chauffeur, meine Freundin einen Maserati und ich einen Bentley.  

Aber dann ging es schon um Zweitwohnsitze. Keine von uns wünschte sich einen weit entfernten Ort, wie die Karibik, die Südsee oder die Seychellen oder Reunion, auch keine eigene Insel, nur Marbella (Spanien) war kurz im Gespräch. Aber wir fanden, dass die Grundsatzentscheidung in Spanien, dass kein Eigentümer über einen eigenen, für andere gesperrten Strand verfügen dürfe, eigentlich hinderlich. Also Marbella schied bald aus.

Da ein Zugang zum Wasser für uns wesentlich schien, und wir alle gerne in Österreich wohnen, entstand eine gewisse Diskussion ob es lieber Altaussee sein sollte oder aber ein großes Grundstück am Längsee, die Idee, die bald priorisiert wurde, da meine Freundin Kärntnerin ist. Außerdem war dafür die Nähe zu Italien ausschlaggebend, denn man müsste ja den Zugang zum samstäglichen Fischmarkt von Venedig nutzen. Da, spät aber doch, stellte sich heraus, dass man auch ein kleines Flugzeug brauchen würde, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Der Mann meiner Freundin malte sich gerade aus, wie er Gäste auf seinem Seegrundstück bewirten würde. Champagner würde es nicht geben (denn den trinkt keiner in dieser Familie gerne, auch keinen Prosecco.) Die erste Einsparung, die wir in unserer Vorstellung zugelassen haben! Aber den benötigte man dennoch für den Bürgermeister des Ortes in dem das Grundstück gelegen sein würde!  Als Vorspeise gäbe es sautierte Herrenpilze, in der Umgebung frisch gesammelt – mit Weißbrot. Als Hauptspeise gegrillte Fische, gemischt, jene aus dem See gefangen und die anderen aus Venedig eingeflogen und als Nachspeise – Salzburger Nockerln. Dazu müsste ein Chor aus der Umgebung heimische Lieder singen. Einig waren wir uns nicht über die Beilagen, aber die könnte man ja variieren.

Dabei widmeten wir uns der Suppe – mit Grießnockerl UND Leberknödeln. Hierauf dem gekochten Rindfleisch mit Apfelkren und Sauce Tartare, sowie hinreißendem Erdäpfelschmarrn und Blattspinat.  Die Nachspeise war ein innen weicher Schokoladekuchen mit Schlagobers – eine Monstersünde.

Für das nächste Mal vereinbarten wir die Produktion von gebackenen Apfelradeln – wie meine Freundin sagt – oder Apfelscheiben.

An so einem Abend merkt man erst, was einem so laufend abgeht. Und ich meine sicher nicht das im Lotto gewonnene Geld für Extravaganzen.  Hoffentlich haben wir alle bald wieder die Möglichkeit zu fröhlichen Zusammentreffen …

Ein fröhliches, wenn auch verbotenes dem Lockdown-ein-Schnippchen-schlagen

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