Eine Leseempfehlung

Bücher von Monaldi und Sorti

Die Altphilologin Rita Monaldi und der Musikwissenschafter Francesco Sorti schreiben historische Romane. Beide wurden in Rom geboren. Rita Monaldi (* 1966), promovierte in Altphilologie, sie hat sich auf die Geschichte der Religionen spezialisierte, ihr Mann Francesco Sorti (* 1964), in Musikwissenschaft, er hat sich vor allem für die Zeit des Barocks begeistert und sich auf das 17. Jahrhundert spezialisiert.

 Ihr erster Roman „Imprimatur“ war ein internationaler Bestseller, und „Imprimatur“ und „Secretum“ wurden in 26 Sprachen übersetzt. Das Ehepaar lebt mit ihren beiden Kindern in Rom und Wien.

Vielleicht bin ich spät dran, mit meiner Leseempfehlung, und Sie haben diese Bücher schon längst gelesen, wenn nicht: für alle historisch Interessierten sind sie eine wahre Fundgrube von faszinierenden Fakten, verwirrenden Handlungssträngen und faszinierenden fiktiven – aber auch echten Persönlichkeiten.

Ich stoße auf Bücher oft aufgrund ihres Titels: Titel wie Imprimatur, Secretum, Veritas „locken“ mich einfach vor allem, wenn ihnen historische Fakten zugrunde liegen.  Diese Romane sind ein Abenteuer, auf das man sich einlassen muss (sie sind lang und sie sind umfangreich). Die beiden Autoren haben insgesamt 10 Romane geschrieben. In den drei oben erwähnten Büchern spielt Atto Melani (* 1626, † 1714), italienischer Kastrat, Diplomat, Schriftsteller und Spion des Sonnenkönigs Ludwig XIV., eine zentrale Rolle.

Während ihrer jahrelangen Recherchen für den ersten Teil, Imprimatur, fanden Monaldi und Sorti eine Schrift Melanis an Ludwig XIV., welche unter dem Titel Die Geheimnisse der Konklaven und die Laster der Kardinäle herausgegeben wurde. Eine der maßgeblichen Entdeckungen der beiden Autoren waren die Zusammenhänge zwischen Papst Innozenz XI. und Wilhelm III. (auch Wilhelm von Oranien), bei denen ersterer den protestantischen Wilhelm im Krieg gegen den Sonnenkönig Ludwig den XIV. sowie den englischen König Jakob II. (auch James II.), einen gefestigten Katholiken, unterstützt hat. Die Veröffentlichung des ersten Buches, in der diese Zusammenhänge beschrieben und mit Dokumenten belegt wurden, war zudem zeitlich nah zu dem Prozess der Heiligsprechung Innozenz’ XI., die durch die Veröffentlichung des Buches abgebrochen wurde, da dieser durch die finanzielle Unterstützung von Wilhelm III. den protestantischen Glauben in England festigte und den katholischen stark schwächte.

Man sollte diese Bücher aufmerksam lesen, es ist nicht immer einfach, bei der Vielzahl von Personen, die immer wieder vorkommen, und in verschiedenen Teilen des Buches neuerlich eine Rolle spielen (wobei man sich halt an ihre früheren Verhaltensweisen erinnern sollte.) Manche werden nur einmal genannt (mit ausnehmend skurrilen Namen) und kommen nie wieder vor. Aber es geht nicht nur um Personen, es werden die genauen Wege beschrieben, die verschiedene Personen gegangen, gefahren oder geritten sind. Man könnte beispielsweise Rom anhand dieser Beschreibungen entdecken. Aber es gibt auch viele, viele andere zeitgenössische Fakten, die erläutert werden, z.B. die Speisenfolge bei den großen Festen, die Kleider, die die Menschen trugen – die Materialien aus denen sie gefertigt waren, die Farben die damals modern waren. Aber auch die Gartengestaltung des Barocks wird im Detail beschrieben, welche Pflanzen damals gezüchtet wurden, auch wer diese Künste entwickelt hat. Durch die Beschreibung bestehender und jetzt schon zu Ruinen gewordenen Palästen meint man sie förmlich mit eigenen Augen zu sehen.

Obwohl die „Helden“ der Bücher aus den allerhöchsten Kreisen kommen, Könige, ihre Berater, Mitglieder ihres Hofes etc., Päpste, Kardinäle wird auch das „gemeine Volk“ (z.B. die Bediensteten in den Palästen, auch Hebammen und ihre Funktion) aber auch der kriminelle Untergrund (korrupte Spirren in Rom) und Reliquienfälscher in ihrer Lebensweise beschrieben.  Man meint Fiktion zu lesen, es stellt sich aber dann meist heraus, dass es sich um handfeste historische Fakten handelt.

Fasziniert habe ich gelesen, durch welche Dokumentenfälschungen der Spanische Erbfolgekrieg (der Spanische Erbfolgekrieg war ein Kabinettskrieg zwischen 1701 und 1714, der um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wurde. Karl II. starb kinderlos am 1. November 1700. Kurz davor hatte er einen französischen Kandidaten zum Erben eingesetzt, Philipp V.) ausgelöste wurde, und wie man einander das Amt des Oberhirten der Katholischen Kirche zugeschoben hat – und welche Versprechungen dafür gegeben worden waren. So „heilig“ waren die Kirchenmänner damals gar nicht, und das Papstamt zu ergattern, ermöglichte auch, die eigene Familie mit hohen (bestbezahlten) Ämtern zu versorgen.

Ich war echt erstaunt über die Fakten die in diesen Büchern dargestellt werden, und ihre farbenfrohen Darstellungen. Eine Lesefreude!

Eine Leseempfehlung

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