Home-Office – Konseqenzen und Erfordernisse

Vielleicht sagen manche von Ihnen, dass es mir – als Pensionistin – nicht zusteht, über „Home-Office zu kommentieren, da ich ja nicht davon betroffen bin. Ganz so stimmt dieser Vorwurf nicht, denn womit beschäftige ich mich denn? Ich schreibe täglich meine meist zwei Geschichten – zu Hause an meinem Computer. Aber sicher ist das etwas anderes, da ich es ja freiwillig tue und mich auch niemand dafür bezahlt.

Home-Office hat durch die derzeitige Pandemie einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Home-Office ist über manche Menschen einfach „hereingebrochen“. In manchen Firmen hat es Home-Office auch schon vorher gegeben. Dort gab es auch genaue Regelungen über das wer, wann, wie oft etc. Und diese damaligen Mitarbeiter hatten schon einen Firmen-Laptop, den sie nach Hause mitnehmen konnten und der eben für die Arbeit reserviert war. Sie hatten ein Firmentelephon. Es gab genaue Regelungen, wann sie zu Hause verfügbar sein mussten und unter welchen Umständen sie innerhalb welchen Zeitraumes ins Büro kommen mussten. Aber das waren Regelungen einzelner Firmen mit ihren Mitarbeitern. Diese Regelungen waren zwischen der Firmenleitung und wahrscheinlich dem Betriebsrat ausgearbeitet worden.

Die Notwendigkeit von zu Hause zu arbeiten ist aufgrund der Pandemie für viele „Werktätige“ existentiell geworden – auch ohne Voraussetzungen. Und Home-Office ist in Österreich gesetzlich nicht geregelt und wirft daher in der Praxis zahlreiche Fragen auf.

Ein gesetzliches Recht darauf, von zuhause aus zu arbeiten, besteht nicht. Kein Arbeitnehmer kann das Home-Office einfordern, auch nicht, wenn noch so gute Gründe dafürsprechen (z.B. Betreuungspflichten). Die Erlaubnis, auch von zuhause zu arbeiten, könnte im Dienstvertrag geregelt werden – was nur selten vorkommt. Vielmehr ist dort in der Regel der Unternehmenssitz als Arbeitsort vorgesehen, und dort hat sich der Arbeitnehmer auch einzufinden. Diese Situation hat sich verändert, jetzt ist es staatlicherseits gewünscht, dass Menschen von zuhause aus arbeiten.

Regelt man nämlich nichts, gilt der Rest vom Dienstvertrag – vom vereinbarten Arbeitsort abgesehen. Das heißt u.a., dass dort vereinbarte fixe Arbeitszeiten auch bei der Arbeit zuhause einzuhalten sind. Freilich spricht nichts dagegen, für den Home-Office Tag andere Arbeitszeiten zu vereinbaren, weil z. B. der Arbeitnehmer mangels Wegzeiten früher zu arbeiten anfangen kann. Es muss bedacht werden, dass der Arbeitgeber über kein Zutrittsrecht zum individuellen Home-Office verfügt. Dennoch muss der Arbeitgeber den „Tele-Bildschirmarbeitsplatz“ ergonomisch gestalten und dem Stand der Technik und den ergonomischen Anforderungen entsprechende Bildschirmgeräte (z.B. Monitore, Tastaturen, Drucker, Scanner) mit einer benutzerfreundlichen Software zur Verfügung stellen. Arbeitstische und –sessel müssen aber nicht vom Unternehmen kommen.

Schwierig sind sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer völlig flexible Arbeitszeiten – das muss aber in Pandemiezeiten möglich sein, denn nicht immer sind alle Haushalte mit je einem Arbeitsplatz für jedes Familienmitglied (besonders Kinder) ausgestattet. Völlig flexible Arbeitszeiten machen z.B. die Berechnung von Überstunden unmöglich.

Die Arbeitszeiten sind grundsätzlich auch zu verzeichnen, wenn sie zuhause geleistet werden, und auch die gesetzlichen Maximalgrenzen der Arbeitszeit (pro Tag / pro Woche / im 17-Wochen-Zeitraum) müssen eingehalten werden.

Bei fixen Arbeitszeiten ist es nicht gestattet, zwischendurch 15 Minuten Hausarbeit zu machen. Bei Gleitzeit ist das vorstellbar, muss dann aber als Pause festgehalten werden. Das ist eine harsche Regelung für Haushalte im Homeoffice mit (schulpflichtigen) Kindern

Die Professionalität der Arbeit darf freilich nicht leiden. Dazu gehört auch, für die Geheimhaltung betrieblicher Daten zu sorgen. Familienangehörigen oder Besuchern darf es nicht möglich sein, durch einen schnellen Blick auf den beruflichen Laptop Firmeninterna oder Betriebsgeheimnisse von Kunden zu erhaschen. Fernzugriffe auf Firmendaten müssen gesichert sein. Wer für die EDV-Wartung zuständig ist, ist ein weiterer Punkt, auch wer die privaten Betriebskosten (WLAN, Strom etc.) bezahlt. Üblich sind Pauschalen für den Aufwandersatz – sie müssen gleich hoch oder höher sein als der tatsächliche Aufwand. Dass in Österreich auch im Home-Office die Beibehaltung des Pendler Pauschales vorgesehen ist, erscheint mir ziemlich unlogisch.

Aber selbst wenn alle diese Grundvoraussetzungen stimmen, treten nun während dieser doch schon lange dauernden Pandemie weitere Probleme auf. Den arbeitenden Menschen fehlt der außerhäusliche Arbeitsplatz, die persönliche Kommunikation mit den anderen Kollegen, aber auch die fixen Arbeitszeiten, die klaren Urlaubszeiten. Manche empfinden das Homeoffice als einen Einbruch in ihre Privatsphäre.  Neue Umgangsformen mussten erlernt werden – Zoom-Etiquette, und der Arbeitsplatz musste gegen „Störungen“ durch Kinder und Haushalt abgegrenzt werden. In relativ kleinen Wohnungen mit Mehr-Personen-Haushalten ist das schwierig bis undurchführbar. Manche Mitarbeiter klagen über Zoom-Müdigkeit. Und ein Zoom-Meeting kann kein persönliches Treffen ersetzen. Denn dort gibt es immer Kaffeepausen, man geht miteinander Mittagessen, dabei können viele Zwistigkeiten problemlos aus dem Weg geräumt werden Das ist bei Zoom halt leider nicht möglich.

Es kommen noch weitere Überlegungen dazu: Viele haben in dieser Zeit ihre Jobs verloren, diejenigen, die ihn behalten konnten, haben manchmal den nun Arbeitslosen gegenüber ein schlechtes Gewissen. Andere fürchten um ihren Job und arbeiten gerade m Home-Office umso mehr.

Erforderlich wäre eine allgemein geregelte E-Work-Life Balance. Eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit ist auch beim Home-Offe zu ziehen. Es ist noch viel zu tun, denn Home-Office bleibt, es muss ordnungsgemäß gesetzlich geregelt werden, aber auch Betriebsvereinbarung werden notwendig sein, um für alle ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen – Pandemie hin oder her!  

Home-Office – Konseqenzen und Erfordernisse

2 Gedanken zu “Home-Office – Konseqenzen und Erfordernisse

  1. Sehr geehrte Frau Professorin,

    ich möchte Ihnen zu Ihrem sehr gelungenen Artikel recht herzlich gratulieren. Ich selbst arbeite in der UNIDO in Wien, wo dieses Thema glücklicherweise ziemlich genau geregelt ist.

    Mein Vater, Botschafter i.R. Dkfm. Dr. Rudolf Bogner (*1935, ein Maturakollege von Otto Chorherr, dem jüngeren Bruder Ihres Herrn Gemahl, am Akademischen Gymnasium in Wien) bat mich, Ihnen seine beste Grüße zu übermitteln.

    Hochachtungsvoll, Mag. Markus Bogner

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    1. Vorerst danke für Ihre freundlichen Worter. Ich selbst kenne Ihren Vater recht gut, wir haben gemeinsam an der WU studiert und er ist dann nach mir nach Nancy gekommen, um sich „europäisch“ weiterzubilden. Leider haben wir einander ein wenig aus den Augen verloren – lebt er noch im Burgenland? Ich lasse ihn jedenfalls allerherzlichst grüßen. Für eine dirkete (ev. telephonische) Kontaktaufnahme wäre ich sehr dankbar.
      Alles Gute und beste Grüße

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