Meine erste Pressekonferenz

(leider als Galionsfigur des „Ausgeraubt-Werdens)

Es war die erste Pressekonferenz meines Lebens – dazu musste ich 85 Jahre alt werden. Derartiges ist mir bei keinem der 8 Bücher, die ich geschrieben habe, gelungen. Leider war der Anlass mein „Raubüberfall“, denn aufgrund meiner Blogeinträge „Warnung“ wurde ich zur Galionsfigur dieser leider sehr üblichen „Raubersg’schicht“. Und ich war „dafür“, denn die Zielsetzung war die Warnung anderer, dass sie nicht auch diesem Verbrechen zum Opfer fallen.

Aufgeregt war ich eigentlich nicht, sondern doch ein wenig dankbar für die Abwechslung im trägen Dahinfließen des Lockdowns. (Gestört hat mich nur, dass ich halt „friseurlos“ ziemlich graupert war). Ich hab‘ zur Abwechslung auch wieder einmal nachgedacht, was ich anziehen sollte etc.  

Ich wurde von einem Polizeibeamten abgeholt (meine Familie hat bemerkt, „die Leuten werden glauben, Du bist verhaftet worden), das Blaulicht lag am Boden. (Ich hab‘ mir immer schon gewünscht – so wie man das im Fernsehen sieht – ein Auto zu fahren, bei dem man bei Bedarf das Blaulicht anbringen kann – natürlich war der Bedarf weder beim Hin- noch beim Zurückfahren gegeben).

Ich wurde vom Auto (das innerhalb des Gebäudes der Landespolizeidirektion Wien am Schottenring) parken konnte – die Parkplatzmisere in der Gegend kenne ich noch, als ich in der Gegend, anfänglich bei der Creditanstalt, später dann Bank Austria gearbeitet hatte – abgeholt und zum Festsaal „geleitet“. Aber bald wieder abgeholt um noch an einer „Ablaufbesprechung“ mit Kaffee und Kuchen (der Nussstrudel hat köstlich ausgeschaut, aber da war ich dann doch zu aufgeregt, um zu essen) teilzunehmen.

Ein wenig einschüchternd ist es dann schon, wenn man vorne am Podium sitzt – Corona-bedingt mit Plexiglasscheiben vorne, davor eine Reihe von Kameras und dahinter doch eine Menge von weit auseinandersitzenden Personen.  Aber wenigstens konnte man die bis dahin getragene Maske abnehmen.

Interessiert habe ich zugehört, wie über diese Täter und den Erfolg sie zu verhaften berichtet wurde, Daten und Ziffern – wobei gerade bei dieser Art des Verbrechens große Dunkelziffern angenommen werden. Es wurde betont, wie wichtig die Information über den Ablauf derartiger „Raubzüge“ wäre, damit andere Menschen in Zukunft nicht diesen Tricks zum Opfer fielen. Es wurden die Summen geschätzt, die bei diesen Raubzügen erbeutet wurden, die mich zum Staunen brachten.

Genau wurde auch erläutert, was man sicher nicht tun dürfe, nämlich während des Gespräches mit dem Verbrecher (ich sehe mich nicht genötigt „mutmaßlich“ dazu zu sagen) über die Zifferntaste den Polizeinotruf anzurufen. Geraten wurde, zuerst den angeblichen Polizisten nach der Dienstnummer und seiner Dienststelle zu fragen. Dann aufzulegen und die angegeben Dienststelle der Polizei anzurufen. Naja, hinterher ist man dann immer g’scheiter!

Ich wurde aufgefordert, über meine eigenen Erlebnisse an diesem Tag zu berichten (ich habe sie damals in meinem Blog ziemlich genau beschrieben:

https://christachorherr.wordpress.com/2020/09/29/warnung-teil-1/

https://christachorherr.wordpress.com/2020/09/29/warnung-teil-2/

Auch über die international verfügbaren Tools – die auch Verbrechern zur Verfügung stehen haben wir gesprochen – wie Herold, wo wir alle mit unseren Telephonnummern stehen, über Google-Earth, wo man sich über die Lage von Wohnhäusern ein Bild machen kann. Und außerdem haben die meisten von uns noch Namen am Tor angebracht, dass uns Freunde (in baldiger Zukunft) wieder bequem besuchen werden können.

Aber dennoch fällt es mir dann doch schwer, immer wieder drüber zu reden, einzugestehen, wie machtlos ich mich gefühlt habe, wie sehr ich „fremdgesteuert“ war, obwohl ich mich immer wieder fragte, ob das nicht alles ein Schwindel wäre.  Überhaupt, so die Kontrolle über mich selbst zu verlieren war – besonders hinterher betrachtet, ein erschreckendes Ergebnis dieses Vorfalles. Ein bissel ein unbescheidener Vergleich ist mir auch noch eingefallen – Trump konnte trotz seiner evidenten Unfähigkeit und seiner Fehltritte dennoch die Hälfte der US-Wählerschaft dazu bringen, ihn wiederzuwählen. Wir sind – auch als Gesellschaft – manipulierbar und wir sollten uns dessen bewusst sein, sollte wieder einmal ein fähiger Manipulator (Populist) auftreten. Ich gebe zu, ich genier‘ mich noch immer, dass MIR das passieren konnte (obwohl mir allseits versichert wird, dass ich das nicht sollte).

Es kamen noch Fragen, die aber meist nicht an mich gerichtet waren. Die an mich gerichteten, habe ich anfangs nicht gut verstanden.  Daran war ich leider wieder selber schuld, da ich in der Früh vergessen hatte, meine Hörgeräte anzulegen. Und – mit den Masken muss man schon sehr artikuliert sprechen, dass man gut verständlich bleibt.

Dass mich nachher noch der Landespolizeipräsident Wien auf einen Kaffee eingeladen hat, hat mich sehr gefreut und geehrt. Und bei den dazu servierten Punschkrapferln konnte ich nicht nein sagen.

Hoffentlich nützt diese Veranstaltung und verhindert, dass diesen Verbrechern noch mehr Leute in die Falle gehen. Beruhigender Weise ist diese Version des Raubens geringer geworden. Aber leider sind die Verbrecher schlau und erfinden immer weitere, unterschiedliche Arten, die Menschen um ihr Erspartes zu bringen.

Also bitte, seien Sie vorsichtig.   

Meine erste Pressekonferenz

6 Gedanken zu “Meine erste Pressekonferenz

  1. Man liest ja oft von diesen schrecklichen Dingen und im Internet wird immer wieder gewarnt, besonders dann, wenn falsche Identitäten irgendwo aufgetaucht sind. Sie, Frau Chorherr, kennen sich mit dem Internet aus, sind eine gebildete Dame und interessieren sich für viele Dinge. Trotzdem sind sie auf den Trick hereigefallen. Was ist aber mit all den älteren Menschen, die kein Internet haben, die die Warnungen nicht lesen? Die sind doch auch gefährdet.
    Sie haben über ihr Erlebnis im Blog berichet. Aber erreicht das viele gefährdete Personen? Meine Mutter hatte kein Internet, aber ihre Tageszeitung, die ja auch über solche Vorkommnisse schreibt. Meine Mutter hat viele Jahre allein gelebt. Die letzten Jahre aber im Seniorenheim, da ist die Gefahr wohl sehr gering auf böse Menschen hereinzufallen.Das hat mich immer beruhigt.

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    1. Ja, gerade darum hat die Polizei diese Pressekonferenz (mitsamt Video) gemacht, um die Geschichte in die Zeitungen, ins Fernsehen zu bringen (ist ja auch erfolgt) um eine breitere Gruppierung der Bevölkerung vor diesen Machenschaften zu warnen.

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