Als eine als CoV- „Spaziergang“ getarnte Demonstrationen die Stadt unsicher machte

Denn Demonstrationen waren dieses Wochenende weitgehend verboten

Heute wollte ich meinen täglichen Spaziergang machen, ja ich wollte wirklich spazieren gehen, meine Lieblingsstrecke – Burggarten – Heldenplatz – Volksgarten – durch die Burg – zurück in den Burggarten. Aber ganz so hat das nicht geklappt, ich hätte es ja wissen müssen, denn pausenlos kreisten Hubschrauber über die Gegend (eigentlich würde ich gerne einmal in so einem Hubschrauber sitzen und Wien von oben betrachten).  Außerdem hörte man eher pausenlos die Sirenen der Polizeiautos.

Zuerst stellte ich fest, dass das Tor, das Burggarten und Heldenplatz verbindet – geschlossen war. Ich schaute zum Ring hinaus und traute meinen Augen nicht, es hat ausgesehen, als ob eine Belagerung stattfinden würde, wirklich eine unübersehbare Menge von Polizei-Einsatzwagen stand dort und sperrte den Ring ab. Vom Maria-Theresien-Park tönten laute Sprechchöre (was sie riefen war unverständlich, später las ich „wir sind das Volk“). Mein Plan, den Ring entlang zu gehen, funktionierte auch nicht. Die Straßenbahnen fuhren nicht, und auch für den Autoverkehr schien der Ring gesperrt zu sein. Das ist aber leider jetzt gar nicht so unüblich. So etwas hatte ich schon lange nicht in Wien gesehen: die Menschen kletterten auf die Zäune entlang des Rings, um besser sehen zu können. Vor mir herrschte wogendes Gedränge. Ich drehte sofort um, begab mich wieder in den doch recht friedlichen Burggarten, wo Menschen, Junge und Alte, Familien mit und ohne Kinder durchaus „abständlich“ und gelassen spazieren gingen. Nur manche trugen Masken (ich schon). Es war nicht besonders kalt, es war überhaupt nicht windig und die Sonne schien – zwar ein wenig verschleiert, aber doch – ideales Spätwinterwetter zum Spazierengehen.

Nun musste ich feststellen, dass auch der Weg vom Burggarten in die Burg gesperrt war und einige nette Polizisten dort standen. Also drehte ich mich um und ging in die Stadt – es tat mir ein bissel leid, weil ich gerne in der Sonne spazieren gegangen wäre, aber das wurde durch diese Demonstranten, die sich sichtlich über das Demonstrationsverbot hinweggesetzt hatten, verhindert.

In der Stadt war „business as usual”, es schaute nicht sehr nach „Lockdown“ aus, denn eigentlich waren ziemlich viele Leute unterwegs – z.B. in der Kärntnerstraße, in den Nebengassen war es sehr ruhig.  Die Hubschrauber kreisten auch schon seltener und man hörte kaum mehr laute Sirenen der Polizei. Erst als ich nach einer knappen Stunde wieder nach Hause gekommen bin, die Sonne hatte sich schon ziemlich verschleiert, las ich, was sich eigentlich abgespielt hatte.

Wie bereits beschrieben sind am Freitag 17 Demonstrationen angemeldet worden, 15 davon wurden untersagt. Die FPÖ kündigte daraufhin kurzerhand an, selbst eine Versammlung für den Sonntag anzumelden und so gegen das Demo-Verbot zu demonstrieren. Allerdings wurde am Samstag auch diese Versammlung untersagt. Die Polizei begründete dies mit erwarteten „Gesetzwidrigkeiten in großem Ausmaß“ und drohte im Falle des Zuwiderhandelns mit der Auflösung der Versammlung und Strafen von bis zu 720 Euro.  Zahlreiche Menschen kündigten daraufhin an, trotzdem in die Stadt zu einem „Spaziergang“ zu kommen.

Zuallererst ärgerte mich die Tatsache, dass die Demonstranten zu einem CoV- „Spaziergang“ aufgerufen hatten. Eigentlich war es ja verboten gewesen, heute zu demonstrieren, dennoch kamen an die 5000 – auf den Ring beim Maria-Theresien-Platz. Eigentlich wollten die Menschen zum Parlament ziehen, aber die Polizei hatte ihnen den Weg versperrt. Als sich die Menschen Richtung Oper bewegen wollten, sperrte die Polizei auch diesen Weg ab.  Die Demonstranten waren am Ring eingekesselt (an so genannte Kesselschlachten kann ich mich nur aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern). Da weder Masken getragen noch Abstände eingehalten wurden und die Stimmung zunehmend aggressiv wurde hatte die Polizei die Auflösung binnen 15 Minuten verlangt. Die Polizei war von Hunden begleitet. Der Aufforderung, den Ring in Kleingruppen zu verlassen, kamen die „Spaziergänger“ vorerst nicht nach, sie zogen weiter am Ring hin und her. Unterdessen zogen dann doch  rund 1.000 Menschen über die Mariahilfer Straße in Richtung Westbahnhof. Zur gleichen Zeit lösten sich die Polizeiketten am Ring auf, die Demonstranten konnten losziehen. Tausende weitere Menschen marschieren nun ebenfalls die Mariahilfer Straße entlang, Polizei war dabei weiterhin nur vereinzelt präsent.

Kurzzeitig war es auch zu einem Handgemenge zwischen Demonstrations-Teilnehmern und Polizei gekommen, dieses war jedoch nach wenigen Minuten unter Kontrolle.

Noch, so scheint es mir, ist das alles halbwegs friedlich verlaufen aber die Vorstellung, dass in Zukunft ein Anti-Corona-Maßnahmen-Mob die Stadt terrorisiert, erschreckt mich. Und unter diesem „Deckmantel“ vereinen sich verschiedenste Gruppierungen, die eigentlich den Sturz der Regierung anstreben.  Und politischen Wirrwarr – in Corona-Zeiten – sollten wir uns eigentlich nicht leisten. Die Pandemie ist arg genug, wir müssen die Situation nicht noch politisch verschlimmern!

Als eine als CoV- „Spaziergang“ getarnte Demonstrationen die Stadt unsicher machte

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