Nichts ist einfach mit diesem Sch…-Virus

Nur damit Sie wissen, mit welcher Pharmafirma die EU jetzt so ihre Schwierigkeiten hat

AstraZeneca ist ein internationaler Pharmakonzern, der 1999 aus der schwedischen Astra AB und der britischen Zeneca PLC entstand. Zeneca war 1993 aus der Pharmasparte des britischen Chemieunternehmens Imperial Chemical Industries entstanden. Der Hauptsitz ist in Cambridge, die Entwicklungs- und Forschungsabteilung sitzt im schwedischen Södertälje südlich von Stockholm. AstraZeneca verfügt über 70.600 Mitarbeiter und ist einer der größten Arzneimittelhersteller weltweit.

Es werden ca. 30 unterschiedliche Medikamente erzeugt.

Die Hauptstandorte von AstraZeneca befinden sich in den USA, Großbritannien, Schweden, China, Japan, Spanien, Deutschland, Frankreich sowie Russland und China.

Im Jänner 2021 kündigte AstraZeneca an, weniger Corona-Impfstoff auszuliefern als vereinbart, die Europäische Union drohte mit möglichen rechtlichen Schritten. Nach Einschätzung von Europa-Parlamentariern hatte jedoch zuvor die EU-Kommission als Verhandlungspartei beim Vertrag über die Bestellung des Impfstoffs möglicherweise Fehler gemacht und so dem Konzern ermöglicht, in bestimmten Situationen unter Berufung auf Teile des Vertrages die Liefermenge zu kürzen. Die EU-Kommission habe vielleicht schlechter verhandelt als die Vertreter des Vereinigten Königreichs, dessen Impfstofflieferungen zur gleichen Zeit offenbar nicht gekürzt werden. Allerdings gibt es eine vertragliche Vereinbarung zwischen der Kommission und AstraZeneca, die nicht nur einen genauen Lieferplan mit den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zum Gegenstand hat, sondern auch vorgibt, dass das Unternehmen seit Oktober den Impfstoff auf Halde vorproduzieren musste. Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach EU-Angaben nur 31 Millionen ankommen. Den angegebenen Grund – Probleme in der Lieferkette – will die EU nicht gelten lassen.

Laut AstraZeneca könnte es zwei bis drei Monate dauern, bis Impfstoff im geplanten Umfang an die EU geliefert wird. Die Lieferschwierigkeiten könnten die Impfkampagnen in den 27 Ländern weiter in Verzug bringen, was in den Mitgliedsstaaten Kritik auslöste. In der EU wird der Impfstoff in Belgien und den Niederlanden produziert. Dort ist bei einer Anlage leider der Output sehr niedrig. Und AstraZeneca sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen verpflichtet. Man habe nur einen „best effort“ zugesagt, sich also im besten Sinne zu bemühen. In Großbritannien habe es anfangs auch Schwierigkeiten gegeben. Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor jenem mit Brüssel geschlossen. Eine „Best-Effort“-Klausel gibt es zwar in dem EU-Vertrag, weil der Impfstoff bei Vertragsabschluss noch nicht entwickelt oder zugelassen gewesen war, heißt es in EU-Kommissionskreisen. „Best Effort“ beziehe sich auf einen Erfolg der Impfstoffentwicklung und -zulassung. Wenn der Impfstoff zugelassen wird, dann sind aber die vereinbarten, auch die vorproduzierten Mengen zu liefern.

Für heute am Abend (Mittwoch, 27. Jänner 2021) wurde AstraZeneca nun zu einem Krisentreffen geladen. Die EU hatte im August bis zu 400 Millionen Impfdosen von AstraZeneca bestellt und nach eigenen Angaben 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt. Nach Darstellung der EU-Kommission hätte AstraZeneca seit Oktober auf Vorrat produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der Zulassung in der EU bereitsteht.

Fragezeichen gibt es aber noch, ob dieser AstraZeneca Impfstoff für ältere Menschen freigegeben wird. Experten der EU-Arzneimittelagentur EMA prüfen derzeit die Daten der klinischen Tests und wollen am Freitag eine Zulassungsempfehlung abgeben. Es wird aber nicht ausgeschlossen, dass dieser Impfstoff auf bestimmte Altersgruppen begrenzt werden könnte.

Inzwischen sind Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen.

Ich warte auf meinen Impftermin und hoffe, den (altersmäßig) richtigen Stoff und gleich drei Wochen nachher auch die zweite Dosis desselben Impfstoffes verimpft zu bekommen.

Nichts ist einfach mit diesem Sch…-Virus

Diesmal eine ENTwarnung

Eine sehr liebe Verwandte rief mich an, um mich zu warnen. Es gäbe eine Bande, die käme zu Häusern und Wohnungen von älteren Damen. Sie bieten Masken an – wenn man sie hereinbittet, schlagen sie vor, gleich diese Maske zu probieren. Diese Maske wäre aber präpariert. Worauf dieser Dame dann schlecht würde, worauf einer dieser Grupp sie betreut, während die anderen die Wertsachen in der Wohnung einpackten.

Erst nachdem die Gruppe wieder weg ist und es der Dame wieder besser geht, würde sie merken, was da passiert ist und was alles fehlt.

Meine Verwandte erzählte mir, sie hätte es von zwei unterschiedlichen sehr verlässlichen Freudinnen gehört. Und weil ich ja in Sachen verbrecherischen Betrug meine Erfahrung hätte, erzähle sie mir das.  Und sie fügte noch hinzu, vielleicht kannst Du’s in Deinem Blog veröffentlichen.

Nachdem es niemandem, den auch meine Verwandte persönlich kennt, passiert ist, war ich ein wenig skeptisch. Angst verbreiten ist ja nicht gerade mein Ziel.

Und ich fragte nach, bei der Polizei. Auch dort erklärte man mir, man kenne dies, aber es passiert nicht wirklich, sondern zirkuliert – als Urban Legend.

Also, lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, es werden demnächst keine netten Personen zu Ihrer Tür kommen, die Ihnen Masken andrehen wollen. Und sollten Sie’s doch tun, dann war das doch keine Urban Legend, aber lassen Sie die Leute auf keinen Fall herein.

Diesmal eine ENTwarnung

Der permanente „Bad Hair Day“

und seine Konsequenzen

Sehr geehrter Her Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

Kopie an den Herrn Bundeskanzler

Auf die Gefahr hin, dass Sie mich für oberflächlich, unsolidarisch, etc. halten, möchte ich doch eine Bitte aussprechen. Sollten Sie den Lockdown über den 8.Februar 2021 hinaus verlängern, dann nehmen Sie bitte die Friseure aus.

Diese Wahl mag Ihnen seltsam vorkommen, hat aber folgenden Grund: Für viele von uns – Männer und auch Frauen – wirkt sich ein Zeitraum von 9 Wochen ohne Friseur sehr negativ aus. Wir sehen ungepflegt aus. Selbst wenn man das Haus nicht verlassen soll und/oder im Home-Office sitzt, ungepflegt will doch keiner/keine aussehen. Ja es gibt Ausnahmen: Damen mit langen Haaren, solche mit ungefärbten Haaren, aufsteckbaren Haaren etc.

Aber es gibt den „Bad-Hair-Day“, der in „normalen“ Zeiten nur hin und wieder auftritt, jetzt aber zum Dauerzustand geworden ist. Ich kenne leider kein deutsches Äquivalent dieses Ausdrucks, das erste Mal bin ich bei der Berichterstattung über den Wahlkampf von Hillary Clinton drüber gestolpert. Was bedeutet „Bad- Hair-Day“?  Die Haare wollen sich nicht der gewünschten Frisur anpassen. Man hat das Gefühl schrecklich auszusehen.

Und die Konsequenz davon: die Menschen sind am Bad-Hair-Day meist unleidlich für ihre Umgebung. Ich höre von den Konsequenzen des Lockdowns wie auch z.B. Zunahme der psychischen Störungen; Kein Wunder, wenn ein Teil der Bevölkerung permanent am Bad-Hair-Dy leidet und die Umgebung tyrannisiert, angrantelt etc.  

Und in diesen Zustand haben Sie uns mit dem Lockdown dauerhaft gebracht. Ich höre schon die Einwände:  lieber gesund und graupert als krank und prächtig frisiert. Aber es muss ja keine Alternative sein. Es gibt meines Erachtens ausreichende Sicherheitskonzepte für Friseure.

Eine Öffnung bei den Friseuren würde die Stimmung in der Bevölkerung erheblich verbessern, einerseits jene der vom Bad-Hair-Day Betroffenen, also der Grauperten selber, aber auch aller von den schlechten Launen der Grauperten Betroffenen – also sicher eines Großteils der österreichischen Bevölkerung.

Vielen Dank für die Berücksichtigung dieses Wunsches aus der Bevölkerung

Untertänigst

Ihre

XL, wie ein g’rupfter Uhu aussehend

Der permanente „Bad Hair Day“

Home-Office – Konseqenzen und Erfordernisse

Vielleicht sagen manche von Ihnen, dass es mir – als Pensionistin – nicht zusteht, über „Home-Office zu kommentieren, da ich ja nicht davon betroffen bin. Ganz so stimmt dieser Vorwurf nicht, denn womit beschäftige ich mich denn? Ich schreibe täglich meine meist zwei Geschichten – zu Hause an meinem Computer. Aber sicher ist das etwas anderes, da ich es ja freiwillig tue und mich auch niemand dafür bezahlt.

Home-Office hat durch die derzeitige Pandemie einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Home-Office ist über manche Menschen einfach „hereingebrochen“. In manchen Firmen hat es Home-Office auch schon vorher gegeben. Dort gab es auch genaue Regelungen über das wer, wann, wie oft etc. Und diese damaligen Mitarbeiter hatten schon einen Firmen-Laptop, den sie nach Hause mitnehmen konnten und der eben für die Arbeit reserviert war. Sie hatten ein Firmentelephon. Es gab genaue Regelungen, wann sie zu Hause verfügbar sein mussten und unter welchen Umständen sie innerhalb welchen Zeitraumes ins Büro kommen mussten. Aber das waren Regelungen einzelner Firmen mit ihren Mitarbeitern. Diese Regelungen waren zwischen der Firmenleitung und wahrscheinlich dem Betriebsrat ausgearbeitet worden.

Die Notwendigkeit von zu Hause zu arbeiten ist aufgrund der Pandemie für viele „Werktätige“ existentiell geworden – auch ohne Voraussetzungen. Und Home-Office ist in Österreich gesetzlich nicht geregelt und wirft daher in der Praxis zahlreiche Fragen auf.

Ein gesetzliches Recht darauf, von zuhause aus zu arbeiten, besteht nicht. Kein Arbeitnehmer kann das Home-Office einfordern, auch nicht, wenn noch so gute Gründe dafürsprechen (z.B. Betreuungspflichten). Die Erlaubnis, auch von zuhause zu arbeiten, könnte im Dienstvertrag geregelt werden – was nur selten vorkommt. Vielmehr ist dort in der Regel der Unternehmenssitz als Arbeitsort vorgesehen, und dort hat sich der Arbeitnehmer auch einzufinden. Diese Situation hat sich verändert, jetzt ist es staatlicherseits gewünscht, dass Menschen von zuhause aus arbeiten.

Regelt man nämlich nichts, gilt der Rest vom Dienstvertrag – vom vereinbarten Arbeitsort abgesehen. Das heißt u.a., dass dort vereinbarte fixe Arbeitszeiten auch bei der Arbeit zuhause einzuhalten sind. Freilich spricht nichts dagegen, für den Home-Office Tag andere Arbeitszeiten zu vereinbaren, weil z. B. der Arbeitnehmer mangels Wegzeiten früher zu arbeiten anfangen kann. Es muss bedacht werden, dass der Arbeitgeber über kein Zutrittsrecht zum individuellen Home-Office verfügt. Dennoch muss der Arbeitgeber den „Tele-Bildschirmarbeitsplatz“ ergonomisch gestalten und dem Stand der Technik und den ergonomischen Anforderungen entsprechende Bildschirmgeräte (z.B. Monitore, Tastaturen, Drucker, Scanner) mit einer benutzerfreundlichen Software zur Verfügung stellen. Arbeitstische und –sessel müssen aber nicht vom Unternehmen kommen.

Schwierig sind sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer völlig flexible Arbeitszeiten – das muss aber in Pandemiezeiten möglich sein, denn nicht immer sind alle Haushalte mit je einem Arbeitsplatz für jedes Familienmitglied (besonders Kinder) ausgestattet. Völlig flexible Arbeitszeiten machen z.B. die Berechnung von Überstunden unmöglich.

Die Arbeitszeiten sind grundsätzlich auch zu verzeichnen, wenn sie zuhause geleistet werden, und auch die gesetzlichen Maximalgrenzen der Arbeitszeit (pro Tag / pro Woche / im 17-Wochen-Zeitraum) müssen eingehalten werden.

Bei fixen Arbeitszeiten ist es nicht gestattet, zwischendurch 15 Minuten Hausarbeit zu machen. Bei Gleitzeit ist das vorstellbar, muss dann aber als Pause festgehalten werden. Das ist eine harsche Regelung für Haushalte im Homeoffice mit (schulpflichtigen) Kindern

Die Professionalität der Arbeit darf freilich nicht leiden. Dazu gehört auch, für die Geheimhaltung betrieblicher Daten zu sorgen. Familienangehörigen oder Besuchern darf es nicht möglich sein, durch einen schnellen Blick auf den beruflichen Laptop Firmeninterna oder Betriebsgeheimnisse von Kunden zu erhaschen. Fernzugriffe auf Firmendaten müssen gesichert sein. Wer für die EDV-Wartung zuständig ist, ist ein weiterer Punkt, auch wer die privaten Betriebskosten (WLAN, Strom etc.) bezahlt. Üblich sind Pauschalen für den Aufwandersatz – sie müssen gleich hoch oder höher sein als der tatsächliche Aufwand. Dass in Österreich auch im Home-Office die Beibehaltung des Pendler Pauschales vorgesehen ist, erscheint mir ziemlich unlogisch.

Aber selbst wenn alle diese Grundvoraussetzungen stimmen, treten nun während dieser doch schon lange dauernden Pandemie weitere Probleme auf. Den arbeitenden Menschen fehlt der außerhäusliche Arbeitsplatz, die persönliche Kommunikation mit den anderen Kollegen, aber auch die fixen Arbeitszeiten, die klaren Urlaubszeiten. Manche empfinden das Homeoffice als einen Einbruch in ihre Privatsphäre.  Neue Umgangsformen mussten erlernt werden – Zoom-Etiquette, und der Arbeitsplatz musste gegen „Störungen“ durch Kinder und Haushalt abgegrenzt werden. In relativ kleinen Wohnungen mit Mehr-Personen-Haushalten ist das schwierig bis undurchführbar. Manche Mitarbeiter klagen über Zoom-Müdigkeit. Und ein Zoom-Meeting kann kein persönliches Treffen ersetzen. Denn dort gibt es immer Kaffeepausen, man geht miteinander Mittagessen, dabei können viele Zwistigkeiten problemlos aus dem Weg geräumt werden Das ist bei Zoom halt leider nicht möglich.

Es kommen noch weitere Überlegungen dazu: Viele haben in dieser Zeit ihre Jobs verloren, diejenigen, die ihn behalten konnten, haben manchmal den nun Arbeitslosen gegenüber ein schlechtes Gewissen. Andere fürchten um ihren Job und arbeiten gerade m Home-Office umso mehr.

Erforderlich wäre eine allgemein geregelte E-Work-Life Balance. Eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit ist auch beim Home-Offe zu ziehen. Es ist noch viel zu tun, denn Home-Office bleibt, es muss ordnungsgemäß gesetzlich geregelt werden, aber auch Betriebsvereinbarung werden notwendig sein, um für alle ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen – Pandemie hin oder her!  

Home-Office – Konseqenzen und Erfordernisse

Gedanken zur Neuen, aber auch zur (alten) Seidenstraße

Es tut mir so leid, dass wir die „früher“ angebotene Reise „die Seidenstraße“ nicht unternommen haben.

Man bemüht sich die Seidenstraße wiederherzustellen. Es gibt verschiedene mehr oder weniger effektive Bemühungen. Allerdings scheinen bei diesen Planungen wirtschaftliche Interessen einerseits und Machtausdehnungsideen andererseits dahinter zu stehen.

Aber die „alte“ Seidenstraße war letztlich dann doch so viel mehr als nur ein Handelsweg. Als Seidenstraße bezeichnet man ein altes Netz von Karawanenstraßen, dessen Hauptroute den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien verband. Die Bezeichnung geht auf den im 19. Jahrhundert lebenden deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen zurück, der den Begriff 1877 erstmals verwendet hat.

Diese 6.400 Kilometer lange Route begann in Xi’an und folgte dem Verlauf der Chinesischen Mauer, passierte die Taklamakan-Wüste, überwand das Pamirgebirge und führte über Afghanistan in die Levante; von dort wurden die Handelsgüter dann über das Mittelmeer verschifft. Nur wenige Kaufleute reisten auf der gesamten Route, die Waren wurden eher gestaffelt über Zwischenhändler transportiert.

Ihre größte Bedeutung erreichte das Handels- und Wegenetz zwischen 115 v. Chr. und dem 13. Jahrhundert n. Chr. Mit dem allmählichen Verlust römischen Territoriums in Asien und dem Aufstieg Arabiens in der Levante wurde die Seidenstraße zunehmend unsicher und kaum noch bereist. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Strecke unter den Mongolen wiederbelebt; unter anderen benutzte sie zu der Zeit der Venezianer Marco Polo, um nach Cathay (China) zu reisen. Allerdings war die Route auch einer der Hauptwege, über die Mitte des 14. Jahrhunderts Pestbakterien von Asien nach Europa gelangten und dort den Schwarzen Tod verursachten. Für die heutigen Pandemien benötigen wir allerdings keine Seidenstraße.

Auf der antiken Seidenstraße wurde in westliche Richtung hauptsächlich Seide, gen Osten vor allem Wolle, Gold und Silber gehandelt. Nicht nur Kaufleute, Gelehrte und Armeen nutzten ihr Netz, sondern auch Ideen, Religionen. Ganze Kulturkreise haben einander befruchtet und wanderten auf den Routen von Ost nach West und umgekehrt: hierüber kamen z. B. der Nestorianismus (aus dem spätantiken Römischen Reich) und der Buddhismus (von Indien) nach China. An dieser Seidenstraße wurde z.B. Aristoteles übersetzt und reiste dann in den Osten, Papier – so notwendig für Aufzeichnungen – kam aus China in den Westen. Das indische, mathematische Konzept der „Null“ revolutionierte das Rechnungswesen der gesamten Welt. An der Seidenstraße lagen die alten Zentren der gesammelten Wissenschaften: in Bagdad, Buchara und Samarkand. In Zentralasien entwickelte sich eine dem Klima angepasste Architektur, aber dort forschten auch Astronomen und viele andere Wissenschaftler. Schließlich kamen die Drei Weisen des Weihnachtsgeschehens auch aus dem Morgenland. Einer der dort Forschenden war Abu Ali al-Husein ibn Sina, bei uns weithin bekannt als Avicenna – er beeinflusste auch die europäische Medizin noch bis ins 18. Jahrhundert. In diesem 11. Jahrhundert in Zentralasien lebte auch al Biruna, der als Erster den genauen Umfang der Erde errechnet hatte.

Um 1600 war diese große Zeit vorbei. Als die europäischen Kolonialisten im 19. Jahrhundert diese Gegenden zu unterwerfen begannen, wanderten die Zeugnisse früherer Zeiten nach in die Bibliotheken von St. Petersburg und London.

Anfang September 2013 hielt der chinesische Staatspräsident Xi Jinping während einer Tour durch Zentralasien an der kasachischen Nasarbajew-Universität eine in China vielbeachtete Rede, auf der er das Projekt „One Belt, one Road“ ankündigte. Zielrichtung sind die Türkei und Europa sowie der Großraum Eurasien.  Im Oktober 2013 kündigte Xi auf einer Südostasienreise den Aufbau einer neuen „maritimen Seidenstraße“ an, mit Zielrichtung Südostasien und den ASEAN-Staaten. Am 24./25. Oktober 2013 betonte Xi auf einem Arbeitstreffen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) die Aufwertung regionaler Wirtschaftskooperationen – dies kann als eigentlicher Beginn des Projekts betrachtet werden.

Am 7. und 8. September 1998 fand in Baku eine Konferenz über die „Wiederherstellung der historischen Großen Seidenstraße“ statt. Zum Abschluss unterzeichneten Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Rumänien, Tadschikistan, die Türkei, die Ukraine und Usbekistan eine „Multilaterale Vereinbarung über den internationalen Transport und die Entwicklung eines europäisch-kaukasisch-asiatischen Korridors“.

Ergänzend oder parallel dazu gibt es das Projekt: Verkehrskorridor Europa-Kaukasus-Asien (Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia, kurz TRACECA). Es ist ein Verkehrs- und Kommunikationsprojekt, das Europa und Mittelasien verbinden soll. Es soll wie das umgangssprachlich gleichnamige Projekt One Belt, One Road als „Neue Seidenstraße“ die west-östlichen Verbindungen und Wege der historischen Großen Seidenstraße wiederbeleben. Das Projekt entstand nach einem Vorschlag des damaligen georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse. Die Kommission der EU initiierte daraufhin im das Projekt TRACECA. Zunächst geschah wenig und erst im Jahr 1997 erhielt TRACECA neuen Schwung. Parallel und ergänzend zu TRACECA initiierte die EU das Projekt INOGATE (INterstate Oil and GAs Transportation to Europe), welches auf die Gas- und Öl-Pipelines Zentralasiens abzielte. Dieses Projekt wurde 2016 eingestellt.

Mögen all diese modernen Entwicklungen nicht nur der Wirtschaft dienen, sondern auch – wie die alte Seidenstraße zeigt – zum Austausch von Ideen, die beide Seiten befruchten und letztlich nicht zur Konkurrenz, sondern zur friedlichen Zusammenarbeit dienen.

Gedanken zur Neuen, aber auch zur (alten) Seidenstraße

Eine Leseempfehlung

Bücher von Monaldi und Sorti

Die Altphilologin Rita Monaldi und der Musikwissenschafter Francesco Sorti schreiben historische Romane. Beide wurden in Rom geboren. Rita Monaldi (* 1966), promovierte in Altphilologie, sie hat sich auf die Geschichte der Religionen spezialisierte, ihr Mann Francesco Sorti (* 1964), in Musikwissenschaft, er hat sich vor allem für die Zeit des Barocks begeistert und sich auf das 17. Jahrhundert spezialisiert.

 Ihr erster Roman „Imprimatur“ war ein internationaler Bestseller, und „Imprimatur“ und „Secretum“ wurden in 26 Sprachen übersetzt. Das Ehepaar lebt mit ihren beiden Kindern in Rom und Wien.

Vielleicht bin ich spät dran, mit meiner Leseempfehlung, und Sie haben diese Bücher schon längst gelesen, wenn nicht: für alle historisch Interessierten sind sie eine wahre Fundgrube von faszinierenden Fakten, verwirrenden Handlungssträngen und faszinierenden fiktiven – aber auch echten Persönlichkeiten.

Ich stoße auf Bücher oft aufgrund ihres Titels: Titel wie Imprimatur, Secretum, Veritas „locken“ mich einfach vor allem, wenn ihnen historische Fakten zugrunde liegen.  Diese Romane sind ein Abenteuer, auf das man sich einlassen muss (sie sind lang und sie sind umfangreich). Die beiden Autoren haben insgesamt 10 Romane geschrieben. In den drei oben erwähnten Büchern spielt Atto Melani (* 1626, † 1714), italienischer Kastrat, Diplomat, Schriftsteller und Spion des Sonnenkönigs Ludwig XIV., eine zentrale Rolle.

Während ihrer jahrelangen Recherchen für den ersten Teil, Imprimatur, fanden Monaldi und Sorti eine Schrift Melanis an Ludwig XIV., welche unter dem Titel Die Geheimnisse der Konklaven und die Laster der Kardinäle herausgegeben wurde. Eine der maßgeblichen Entdeckungen der beiden Autoren waren die Zusammenhänge zwischen Papst Innozenz XI. und Wilhelm III. (auch Wilhelm von Oranien), bei denen ersterer den protestantischen Wilhelm im Krieg gegen den Sonnenkönig Ludwig den XIV. sowie den englischen König Jakob II. (auch James II.), einen gefestigten Katholiken, unterstützt hat. Die Veröffentlichung des ersten Buches, in der diese Zusammenhänge beschrieben und mit Dokumenten belegt wurden, war zudem zeitlich nah zu dem Prozess der Heiligsprechung Innozenz’ XI., die durch die Veröffentlichung des Buches abgebrochen wurde, da dieser durch die finanzielle Unterstützung von Wilhelm III. den protestantischen Glauben in England festigte und den katholischen stark schwächte.

Man sollte diese Bücher aufmerksam lesen, es ist nicht immer einfach, bei der Vielzahl von Personen, die immer wieder vorkommen, und in verschiedenen Teilen des Buches neuerlich eine Rolle spielen (wobei man sich halt an ihre früheren Verhaltensweisen erinnern sollte.) Manche werden nur einmal genannt (mit ausnehmend skurrilen Namen) und kommen nie wieder vor. Aber es geht nicht nur um Personen, es werden die genauen Wege beschrieben, die verschiedene Personen gegangen, gefahren oder geritten sind. Man könnte beispielsweise Rom anhand dieser Beschreibungen entdecken. Aber es gibt auch viele, viele andere zeitgenössische Fakten, die erläutert werden, z.B. die Speisenfolge bei den großen Festen, die Kleider, die die Menschen trugen – die Materialien aus denen sie gefertigt waren, die Farben die damals modern waren. Aber auch die Gartengestaltung des Barocks wird im Detail beschrieben, welche Pflanzen damals gezüchtet wurden, auch wer diese Künste entwickelt hat. Durch die Beschreibung bestehender und jetzt schon zu Ruinen gewordenen Palästen meint man sie förmlich mit eigenen Augen zu sehen.

Obwohl die „Helden“ der Bücher aus den allerhöchsten Kreisen kommen, Könige, ihre Berater, Mitglieder ihres Hofes etc., Päpste, Kardinäle wird auch das „gemeine Volk“ (z.B. die Bediensteten in den Palästen, auch Hebammen und ihre Funktion) aber auch der kriminelle Untergrund (korrupte Spirren in Rom) und Reliquienfälscher in ihrer Lebensweise beschrieben.  Man meint Fiktion zu lesen, es stellt sich aber dann meist heraus, dass es sich um handfeste historische Fakten handelt.

Fasziniert habe ich gelesen, durch welche Dokumentenfälschungen der Spanische Erbfolgekrieg (der Spanische Erbfolgekrieg war ein Kabinettskrieg zwischen 1701 und 1714, der um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wurde. Karl II. starb kinderlos am 1. November 1700. Kurz davor hatte er einen französischen Kandidaten zum Erben eingesetzt, Philipp V.) ausgelöste wurde, und wie man einander das Amt des Oberhirten der Katholischen Kirche zugeschoben hat – und welche Versprechungen dafür gegeben worden waren. So „heilig“ waren die Kirchenmänner damals gar nicht, und das Papstamt zu ergattern, ermöglichte auch, die eigene Familie mit hohen (bestbezahlten) Ämtern zu versorgen.

Ich war echt erstaunt über die Fakten die in diesen Büchern dargestellt werden, und ihre farbenfrohen Darstellungen. Eine Lesefreude!

Eine Leseempfehlung

Wir hatten es früher leichter – glaube ich

ein paar Gedanken zur sozialen Mobilität

Wie bereits in meinem ansonsten sehr wenig zur Nachahmung empfohlenen Blogeintrag gestern angedeutet, hatten wir – während unseres Gespräches – das Gefühl, dass die soziale Mobilität, über die Jahre geringer geworden ist. Soziale Mobilität bezeichnet die Bewegung von Einzelpersonen oder Gruppen zwischen unterschiedlichen sozio-ökonomischen Positionen. Beispielsweise bringt die Veränderung des Berufs oder der Stellung im Berufsleben Veränderungen im sozialen Beziehungsraum mit sich, die sich im Aufstieg oder Abstieg darstellen, bezogen auf eine gedachte Ordnung von sozialer Klasse oder sozialer Schichtung.

Wir hatten einfach das Gefühl, dass die soziale Durchlässigkeit während unserer Lebenszeit geringer und schwieriger geworden ist. Da mich diese Fragen doch sehr bewegen, habe ich versucht das Gefühl zu bestätigen oder zu widerlegen.

Das habe ich z.B. gefunden:

Nachkommen aus Familien, die zu den zehn Prozent mit den niedrigsten Einkommen zählen, brauchen in Österreich im Schnitt voraussichtlich fünf Generationen lang, um das Durchschnittseinkommen zu erreichen. Schlechtverdiener haben geringere Aufstiegschancen, Gutverdiener ein niedrigeres Absturzrisiko als früher.

Nicht überall ist die Durchlässigkeit zwischen oben und unten so gering wie hierzulande. In Dänemark, dem positiven Spitzenreiterland, braucht der soziale Aufstieg vom untersten Zehntel bis zum Durchschnittseinkommen nur zwei statt der eingangs zitierten fünf Generationen in Österreich, das schlechter als der OECD-Schnitt liegt. Die Mehrheit der westeuropäischen Staaten schneidet besser ab.

Die Wahrscheinlichkeit für Kinder von Führungs- und Fachkräften, einmal selbst in derartigen Positionen tätig zu sein, ist 3,3-mal höher als für Arbeiterkinder. Wer in einem Haushalt mit mehr als hundert Büchern aufgewachsen ist, erfreut sich heute über ein doppelt so hohes Nettovermögen, als wenn die Eltern maximal zehn Bücher besessen haben.

Und das habe ich mir überlegt:

In der Nachkriegszeit fehlte eine gesamte Generation von (hauptsächlich) Männern, die entweder im Krieg oder in der Gefangenschaft umgekommen waren. Im Wiederaufbau gab es viele offene Stellen, die von den wenigen in Anspruch genommen werden konnten. In diesem Zusammenhang gab es noch ein weiteres Problem: Während und nach dem Krieg musste viele Frauen für ihre abwesenden Männer einspringen. Aber durch die Rückkehr der Männer aus der Gefangenschaft wurden viele Frauen zurück an den „Herd“ gedrängt (nicht immer mit ihrem Einverständnis).

Es fehlten in der Nachkriegszeit große Teile der ehemaligen „A-Schicht“, das waren die einerseits die Geflohenen (dieser Trend zu Flucht der jüdischen Bevölkerung setzte in den dreißiger Jahren ein) sowie die Opfer des Holocausts. Dazu kam noch ein weiterer Aspekt: nach dem Krieg zeigte sich Österreich recht unwillig, die Vertriebenen und Ausgewanderten – die gerne zurückgekommen wären, wieder aufzunehmen. Diese bauten sich dann in ihren Aufnahmeländern ihre neuen Existenzen auf, in denen viele von ihnen sehr erfolgreich waren. Das kann man z.B. auch an Nobelpreisträgern erkennen, die zwar z.B. jetzt Amerikaner oder Israelis waren, aber noch in Österreich geboren worden waren und ihre Ausbildung absolviert hatten.

Damit fehlte ein großer Teil der „A-Schicht“, in die dann junge Akademiker in der Nachkriegszeit relativ leicht nachstoßen konnten, die allerdings nicht immer die Qualifikationen der Vertriebenen aufwiesen (siehe oben: zum Buchbestand). Diese Personengruppe war sehr jung in die Spitzenpositionen von Wirtschaft und Politik aufgestiegen und besetzte diese lange. Denn häufiger Jobwechsel war in diesen Zeiten nicht gefragt.

Der „Gap“ (z.B. in der Bezahlung) zwischen den obersten und untersten Einkommensschichten ist wesentlich größer geworden. Durch die Automatisierung und später Digitalisierung sind heute auch viele der „erfolgversprechenden Einstiegsposten“ weggefallen. Für gewisse schlecht bezahlte Jobs werden fast ausschließlich ausländische Arbeitskräfte rekrutiert.

Als ich in den Arbeitsprozess eingestiegen bin, war der Anteil der Frauen, die außerhäuslich arbeiteten erheblich geringer, als das heute der Fall ist, dennoch sind viele Jobs, die damals Frauen vorbehalten waren (Sekretärinnen, Datenerfasserinnen etc.)  zwischenzeitlich weggefallen. Damit ist grundsätzlich die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt viel ausgeprägter geworden. Frauen haben begonnen auch Männerberufe zu ergreifen.

Dann ist auch noch die Migration dazugekommen. Und wenn man liest, dass es in Österreich 5 Generationen dauert, bis ein Aufstieg möglich ist, zeigt sich das am besten bei den Zuwanderern. Jetzt erst kommen „Ex-Türken“, Ex-Bosnier“ in z.B. politische, wirtschaftliche, künstlerische Spitzenpositionen. Man braucht nur nachzurechnen, wann die Zuwanderung dieser Volksgruppen in unser Land begonnen hat: in den sechziger Jahren kamen die Jugoslawen und die Türken als Gastarbeiter.

Ich glaube schon, dass es meine Generation mit dem Aufstieg leichter hatte, als die heutige, wo aber zu bedenken ist, dass es für Frauen damals doch schwerer war, denn die gläserne Decke, die war damals noch aus Panzerglas.

Wir hatten es früher leichter – glaube ich

Ein fröhliches, wenn auch verbotenes dem Lockdown-ein-Schnippchen-schlagen

Ich muss gestehen – ich bin gestern ausgebüxt, ja ich habe dem Lockdown ein Schippchen geschlagen und habe einen Abend lang „Freiheit“ gespielt, also noch knapp vor der Verschärfung, die morgen beginnt.

Ja, also den zwei Meter Abstand – den kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, ich habe es heute, in der Stadt probiert, da war auf Gehsteigen noch nicht viel los.  Aber selbst da musste ich jedes Mal auf die Fahrbahn ausweichen. Und im Supermarkt sind doch die Wege noch viel enger als die Gehsteige in der Stadt. Da bleibt wirklich nur die Möglichkeit auch auf der Straße Maske zu tragen. (Dazu kommt das leidige Problem, dass wiederum die Brillen anlaufen …)  Der Abstand von zwei Metern ist – leider muss ich das sagen – eine irreale Forderung.

Ja, und was nun Masken betrifft, ich habe meine schon lange versprochenen zehn Stück noch immer nicht bekommen – aber morgen sollte ich sie tragen. Denn in den Supermärkten in meiner Umgebung gab es auch keine, während der letzten Tage. Die Koordination der Maßnahmen und Anordnungen scheint leider nicht (optimal) zu funktionieren.

Und nun zu meinem „Lockdownbruch“. Meine Freundin hat mich angerufen und gemeint, dass sie einen Tafelspitz kochen würde, und ob ich nicht Lust hätte …  Natürlich hatte ich Lust auf Tafelspitz (der ist ja für eine Person nicht wirklich zu kochen und meine vegetarischen Enkel lehnen so etwas höchst grundsätzlich ab, der Plachutta hat auch schon lange zu …) Gezögert mitmeiner Zusage habe wirklich nicht.

Ja, die Hand haben wir einander nicht gegeben und bei Tisch sind wir auch sicher einen Meter weit auseinandergesessen. Aber wie lustig es sein kann, wenn man wieder gemeinsam isst, das ein und/oder das andere Glas Wein trinkt, hat sich gestern gezeigt. Erst waren wir noch ernst und haben gesellschaftspolitische und Weltprobleme besprochen und natürlich auch gelöst. Dann aber hat der Mann meiner Freundin erzählt, dass er regelmäßig bei Euro-Millionen spielt aber noch nie die Millionen gewonnen hat.

Ab da sind wir haltlos geworden und haben uns überlegt, was wir mit einem Gewinn anfangen würden. Anfangs waren wir ausnehmend bescheiden, und haben festgestellt, dass wir den Gewinn eigentlich nicht brauchten und viel Geld nur Mühe brächte. Also wurden Anlagemöglichkeiten diskutiert. Aber gleich zu Anfang haben wir entschieden, dass ein erheblicher Teil dieses Lottogewinnes für unsere Kinder und Enkel reserviert wäre. Und da ich mehr Enkel und sogar Urenkel habe, müsste mein Gewinn eigentlich größer sein, damit uns jeweils gleich viel bleibe. Im Wesentlichen wollten wir für „angemessenen Wohnraum“ für unseren Nachwuchs sorgen.

Naja, und weil wir doch einer Generation angehören, die noch etwas „autoverliebt“ ist, nannte jeder von uns seine „Lieblingsmarke“. Der Mann meiner Freundin wünschte sich einen Rolls-Royce Ghost ohne Chauffeur, meine Freundin einen Maserati und ich einen Bentley.  

Aber dann ging es schon um Zweitwohnsitze. Keine von uns wünschte sich einen weit entfernten Ort, wie die Karibik, die Südsee oder die Seychellen oder Reunion, auch keine eigene Insel, nur Marbella (Spanien) war kurz im Gespräch. Aber wir fanden, dass die Grundsatzentscheidung in Spanien, dass kein Eigentümer über einen eigenen, für andere gesperrten Strand verfügen dürfe, eigentlich hinderlich. Also Marbella schied bald aus.

Da ein Zugang zum Wasser für uns wesentlich schien, und wir alle gerne in Österreich wohnen, entstand eine gewisse Diskussion ob es lieber Altaussee sein sollte oder aber ein großes Grundstück am Längsee, die Idee, die bald priorisiert wurde, da meine Freundin Kärntnerin ist. Außerdem war dafür die Nähe zu Italien ausschlaggebend, denn man müsste ja den Zugang zum samstäglichen Fischmarkt von Venedig nutzen. Da, spät aber doch, stellte sich heraus, dass man auch ein kleines Flugzeug brauchen würde, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Der Mann meiner Freundin malte sich gerade aus, wie er Gäste auf seinem Seegrundstück bewirten würde. Champagner würde es nicht geben (denn den trinkt keiner in dieser Familie gerne, auch keinen Prosecco.) Die erste Einsparung, die wir in unserer Vorstellung zugelassen haben! Aber den benötigte man dennoch für den Bürgermeister des Ortes in dem das Grundstück gelegen sein würde!  Als Vorspeise gäbe es sautierte Herrenpilze, in der Umgebung frisch gesammelt – mit Weißbrot. Als Hauptspeise gegrillte Fische, gemischt, jene aus dem See gefangen und die anderen aus Venedig eingeflogen und als Nachspeise – Salzburger Nockerln. Dazu müsste ein Chor aus der Umgebung heimische Lieder singen. Einig waren wir uns nicht über die Beilagen, aber die könnte man ja variieren.

Dabei widmeten wir uns der Suppe – mit Grießnockerl UND Leberknödeln. Hierauf dem gekochten Rindfleisch mit Apfelkren und Sauce Tartare, sowie hinreißendem Erdäpfelschmarrn und Blattspinat.  Die Nachspeise war ein innen weicher Schokoladekuchen mit Schlagobers – eine Monstersünde.

Für das nächste Mal vereinbarten wir die Produktion von gebackenen Apfelradeln – wie meine Freundin sagt – oder Apfelscheiben.

An so einem Abend merkt man erst, was einem so laufend abgeht. Und ich meine sicher nicht das im Lotto gewonnene Geld für Extravaganzen.  Hoffentlich haben wir alle bald wieder die Möglichkeit zu fröhlichen Zusammentreffen …

Ein fröhliches, wenn auch verbotenes dem Lockdown-ein-Schnippchen-schlagen

Hinterher sind wir immer g’scheiter

Sind Menschenleben-Retten und Wirtschaftswachstum unüberbrückbare Gegensätze?

In Österreich, aber auch in allen anderen Ländern Europas gibt es Impfpläne. Die basieren- selbstverständlich – auf den Lieferzusagen von den „zertifizierten“ (also zugelassenen) Pharmafirmen.

Und jetzt, da wackeln diese Zusagen, es können (?) weniger Dosen Impfstoff geliefert werden, als zugesagt. Na, infolgedessen wackeln unsere Impfpläne und unserer Träume von der baldigen Freiheit – jetzt sind wir ziemlich enttäuscht. Ich gebe zu, dass es mich stört, dass wir alle abhängig von diesen Pharmafirmen sind. Als ich bei einem Freund darüber geklagt habe, meinte er nur lakonisch: das ist eben Kapitalismus. Er hat natürlich recht. Aber ist es z.B. in Russland oder China so anders? Und dass dort Kapitalismus herrscht, kann man diesen Ländern nicht gerade vorwerfen.

Andererseits: denken wir nur ein kleines Weilchen zurück! Wie haben wir gezittert und gebangt, ob bald ein Impfstoff entwickelt worden wäre, der dieser Pandemie ein Ende setzen könne. Ich gebe zu, dass wir auch gemeint hätten, Sputnik würden wir uns nicht aufschwatzen lassen. Aber kaum waren die Impfstoffe in Europa (Großbritannien etwas früher) zugelassen worden, wurden zugesagte Lieferungen gekürzt. Sollte das den Preis hinauftreiben? Da fällt mir doch gleich das Gerücht ein, dass Israel – an vorderster Front der COVID-Bekämpfung – angeblich mehr für den Impfstoff bezahlt hätte, um rechtzeitig mehr zu bekommen. Wir in Europa (zum Glück einmal wenigstens gemeinsam) teilen uns „den Rest“?

Andererseits lese ich allenthalben, wie Corona dem Kapitalismus zusetzt. Die Reaktion etwa der allermeisten Staaten und Regierungen auf das Virus war eher eine Reaktion in bestehenden Denkmustern und oft eine Regression. Die Rückkehr der nationalistischen Egoismen fällt darunter, eine existenzielle Gefahr für Europa, aber auch die eher mechanischen und stumpfen Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen: ein Lockdown, der generell notwendig ist, aber womöglich nicht in dieser Form; eine Antwort eher des 20. Jahrhunderts auf eine Frage des 21. Jahrhunderts.

Sind Menschenleben wichtiger als die Wirtschaft? Wer sagt, dass das die Alternativen sind? Der Markt hat sich in vielen Bereichen zu einer Kraft entwickelt, die dem Menschen entgegensteht, anstatt ihm zu dienen und zu helfen.  Erforderlich wären differenziertere Maßnahmen gewesen, wie früheres Testen, großer internationale Datenaustausch, Bottom-up-Lösungen, also breite Einbindung der Zivilgesellschaft und der Bürger vor allem Einsatz verfügbarer technologische Mittel Ich bezeichne es als Schande, dass es keinen internationalen Impfpass gibt!). Das hätte vielleicht zu präziseren Lösungen geführt, aber auch zu einer anderen demokratischen Legitimation der erforderlichen Maßnahmen.

Die Legitimation der gegenwärtigen Maßnahmen dagegen wird, so scheint es, zunehmend mühsam aufrechterhalten. Viele Menschen wollen sich einfach nicht mehr daranhalten, und nicht wenige demonstrieren dagegen.  Zwar gibt es sie noch, die erforderliche Disziplin. Aber dem Lockdown entspricht ja einem, mir nicht sehr erfreulichen Menschenbild: Wir sind nicht in der Lage, selbstständig vernünftig zu handeln, wir sind unmündige Untertanen, die man streng führen muss.  Das ist die Annahme, die dieser Maßnahme zu Grunde liegt. Dieses Misstrauen mag begründet sein oder hoffentlich auch nicht, daraus ergeben sich aber bestimmte letztlich spezifisch politische Konsequenzen.

Dieser Staat, der lange harte Lockdowns verordnet und verordnen kann, muss stark gedacht werden, um die Sicherheit zu garantieren zu können.  Es ist ein Staat, der sich durch seine Autoritäten zeigt, die Polizei etwa, ein Staat, der getrennt gedacht ist vom Bürger. Es ist in vielem der Staat der Vergangenheit. Und was benötigt wird, und was auch auf Grund dieser Erfahrungen geschaffen werden sollte, wäre ein neuer Staat, mit neuer Machtverteilung, neuen technologischen Möglichkeiten, größerem Vertrauen, dezentralisiert, transparent, partizipatorisch, gerecht. Wäre er dann auch weniger von der Pharmaindustrie abhängig?

Wir – das Volk – sehen ein, dass in einer Pandemie, innerhalb derer z.B. neue Mutationen auftreten, „Planungssicherheit“ (die wir uns doch alle so wünschen) nicht gewährleistet werden kann. Aber es sind nicht nur die erforderlichen Maßnahmen (die von wenigen „erarbeitet wurden“), die uns zuweilen ziemlich undemokratisch (also uns in unserer Freiheit beraubend) erscheinen, es ist die Kommunikation, die einfach nicht auf Augenhöhe erfolgt ist. Wir wurden sehr oft einfach als dumm verkauft. Der Staat und der Bürger werden noch immer getrennt gedacht, selbst vorhandene Technologie wird nicht früh und aktiv genug (und oft recht „patschert“) eingesetzt, um Prozesse transparent zu gestalten, weil eben nicht auf die Ressourcen der Einzelnen zurückgegriffen wird, sondern in der „Logik des Apparates“, damit hierarchisch gearbeitet, gedacht und kommuniziert wird. Es kam bei allen diesen Maßnahmen eher zu einer Gesundheits-Sicherheits-Überwachungs-Methode, verbunden mit einer Einschränkung von Freiheitsrechten. Dass dabei Wachstum eine wesentliche Rolle spielt und auf Umwelt herzlich wenig Rücksicht genommen wird, ist zusätzlich zu beklagen.  

Lernen wir bitte alle miteinander aus dieser Situation, lassen wir unsere Regierungen nicht gleich wieder in alte (leider halt vertraute) Muster zurückfallen, sondern fordern und implementieren wir eine echte demokratische Zukunft, seien wir nicht Untertanen, sondern mündige Bürger, jetzt da wir doch g’scheiter geworden sind.

Hinterher sind wir immer g’scheiter

Was haben Antisemitismus und Migrationshintergrund miteinander zu tun

Wenn ich so lese und höre, fällt mir manches auf. Einerseits soll in unserem Land eine nationale Strategie gegen Antisemitismus entwickelt werden. Andererseits empfiehlt in Deutschland eine Kommission der Bundesregierung, das Wort „Migrationshintergrund“ aus dem Amtsgebrauch zu streichen. Für mich scheinen das zwei Seiten einer Medaille zu sein. Es geht um Definitionen von „Wir und/oder die Anderen“. Es geht um Rassismus, der in jeder Form in jedem Land eliminiert werden sollte. Und haben wir nicht auch in den USA die eindrucksvolle Bewegung „Black Lives Matter“ gesehen.

Keine dieser Bewegungen ist neu. Der Antisemitismus ist in Europa ein uraltes Phänomen, das sich von den Pogromen des Mittelalters bis hin zum Holocaust entwickelte, und mehr oder minder latent ist er noch immer zu finden. Auch in den USA gab es den Antisemitismus, noch zu Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als z.B. Juden nicht in renommierte Service-Clubs aufgenommen wurden. Und es gibt ihn auch, den arabischen Antisemitismus, der neuerdings seine Quellen im Israel-Palästina Konflikt hat, aber auch schon viel, viel älter ist und auf Mohammed und die Juden in Medina zurückgeht. Und in arabischen Ländern der Vergangenheit mussten sich Juden (wie auch Christen) „kenntlich machen“ (meist durch Kleidung) und waren einer Reihe von Schikanen ausgesetzt. Sie und die Christen waren so genannte Dhimmis, Bürger mit geringeren Rechten. Und dieser arabische Antisemitismus wurde durch die Migration von uns importiert.

Wenn selbst in den USA, das seit jeher ein Einwanderungsland war und ist, Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe unausrottbar zu sein scheinen – steht Europa diesbezüglich erst am Anfang. Hier gibt es viele „Nationalstaaten“, die in vielen Fällen ethnisch und religiös einheitlich zu sein bestrebt waren. Dieses Ziel ist selten erreicht worden.  Ich darf in unserem eigenen Land an die Ortstafelstreitereien erinnern, die noch gar nicht so lange zurückliegen. Und viele europäische Länder sehen sich noch immer nicht gerne als „Einwanderungsländer“, wenn auch ihre Geburtenraten laufend sinken.  

Allerdings gerade Wien als Metropole eines Vielvölkerstaates war in der Vergangenheit immer „Einwanderungsgebiet“, da brauchen wir gar nicht weit in die Vergangenheit blicken, mit wessen Hilfe wurde denn die Ringstraße, die Semmeringbahn etc. erbaut? Das waren z.B. zumeist Tschechen und Italiener – und das liest man heute noch im Telephonbuch (sofern man über ein solches noch verfügt und nicht schon längst auf die on-line Variante umgestiegen ist). Und unter diesen Zuwanderern gab es auch Muslime, wenn auch nicht in besonders großer Zahl, denn Bosnien wurde spät ebenfalls in die Habsburgermonarchie eingegliedert.

Dann kamen die Einwanderungswellen nach dem Zweiten Weltkrieg: die ersten waren die so genannten Gastarbeiter – von denen man annahm, dass sie eben nur „Gäste“ waren, die zum Arbeiten gekommen waren, die aber das Land nachdem diese Lücke nicht mehr bestehen würde, verlassen würden. Naja, da täuschten sich alle.  Sie blieben und ihre Familien kamen nach. „Wir“ kümmerten uns nicht um sie. Wir sorgten nicht für Integration, wir sorgten nicht, dass sie unsere Sprache lernten, dass sie unsere Lebensweise kennenlernten. Sie lebten zwar nicht in Ghettos aber doch „getrennt“ von der Mehrheitsgesellschaft. Ich erinnere mich gut: Uns half einer dieser Türken beim Mähen in unserem Garten. Wenn wir die Familie zum Zahlen besuchten, gab es keine Sessel, sondern man saß am Boden, und es lief – ein türkischer Film oder das türkische Fernsehen. Man war sehr gastfreundlich uns gegenüber, auch wenn wir uns auch die Schuhe ausziehen mussten bevor wir ihre Wohnung betraten. Der türkische Kaffee war köstlich und sehr stark.  Aber die Kommunikation war mühsam – ob beiderseitiger mangelnder Sprachkenntnisse (da mussten die Kinder aushelfen). Damals redete man noch nicht von „Migrationsproblemen“.

Auch war die erste Moschee in Wien noch kein Problem, denn die wurde ja für die Angestellten der hier ansässigen Internationalen Organisationen erbaut. Später waren es dann geplante Moscheebauten und Kulturzentren, die zu Brennpunkten der Auseinandersetzungen wurden. Und es war besonders eine Partei, die gegen „die Zuwanderung“ vehement Stellung bezog. Wir erinnern uns alle an die Wahlkampfsprüche wie „Daham statt Islam“.

Und wie das immer so geht, begann damals dann auch die Problematik der Benennung.  Die anfängliche Verwendung des Wortes “Tschusch“ war sehr bald verpönt und man begann diese Zuwanderer Menschen mit Migrationshintergrund zu bezeichnen. Aber das war auch schwierig: denn wie weit geht denn „Migrationshintergrund“ zurück, wie viele Generationen?  Und es geht ja nicht nur um die Ethnien es geht auch um die Religion, den Islam. Und dann kam der Islamismus!

Mir gefällt es, wenn jetzt auch Wetterphänomene mit arabischen Namen versehen werden sollen: ich freu‘ mich auf das nächste Aischa-Hoch und das Mohammed-Sturmtief.

Wir haben alle noch einen weiten Integrations-Weg zu gehen, und grad jetzt bekommt unsere Integrationsministerin ein Baby!

Was haben Antisemitismus und Migrationshintergrund miteinander zu tun