Zu Mantua in Banden

Gedanken zum Land Tirol

Immer wieder Tirol – jetzt in der Corona-Zeit kommt es zu „Vorfällen“, die dazu führen, dass Tirol „anders“ gesehen wird, oder gar behandelt werden soll. Von Abschottung, Isolierung etc. ist schon die Rede.

Da ich (lange zurückliegende) Ahnen in (Süd-)Tirol habe, interessiert mich das Geschick dieses Bundeslandes besonders, obwohl ich mich nicht besonders oft dort aufgehalten habe. Dennoch, es gab Verwandte in Maurach am Aachensee, mehrere Sommerurlaube – mit der Familie von Freunden im Ötztal, Bergsteigen mit der Jugendgruppe des Alpenvereins und diverse Schiurlaube z.B. in Hintertux, aber auch in z.B. auf der Seiser Alm in Südtirol.

Als Jugendliche haben mich z.B. die Sagen aus der Gegend interessiert, so die von Frau Hitt:  

In uralten Zeiten lebte eine mächtige Riesenkönigin, Frau Hitt genannt, und wohnte auf den Gebirgen über Innsbruck, die jetzt grau und kahl sind, aber damals voll Wälder, reicher Äcker, und grüner Wiesen waren. Auf eine Zeit kam ihr kleiner Sohn heim, weinte und jammerte, Schlamm bedeckte ihm Gesicht und Hände, dazu sah sein Kleid schwarz aus, wie ein Köhlerkittel. Er hatte sich eine Tanne zum Steckenpferd abknicken wollen, weil der Baum aber am Rande des Morastes stand, so war das Erdreich unter ihm gewichen und er bis zum Haupt in den Moder gesunken, doch er hatte sich noch glücklich herausgeholfen. Frau Hitt tröstete ihn, versprach ihm ein neues schönes Röcklein und rief einen Diener, der sollte weiche Brosamen nehmen und ihn damit reinigen. Kaum aber hatte dieser angefangen mit der heiligen Gottesgabe also sündlich umzugehen, so zog ein schweres, schwarzes Gewitter daher, das den Himmel ganz zudeckte und ein entsetzlicher Donner schlug ein. Als es wieder sich aufgehellt, da waren die reichen Kornäcker, grünen Wiesen und Wälder und die Wohnung der Frau Hitt verschwunden und überall war nur eine Wüste mit zerstreuten Steinen, wo kein Grashalm mehr wachsen konnte, in der Mitte aber Stand Frau Hitt, die Riesenkönigin, versteinert und wird so stehen bis zum jüngsten Tage.

Aber schauen wir doch einmal ganz kurz in die Geschichte dieses Landes.

Da tritt gleich der Ötzi auf. Das Gebiet von Tirol ist seit Jahrtausenden besiedelt. Die ersten Siedler lebten als Jäger und Sammler bis sich um etwa 4000 v. Chr. der Ackerbau durchsetzte. Tirol verfügte schon früh über eine Bergbaukultur.

Schon in der Antike wurde das Gebiet von den Römern erobert und das Territorium erstreckte sich in drei Provinzen: Rätien, Noricum und Venetia et Histria. Aus der Verbindung von Vulgärlatein und lokaler Sprache entstand das noch heute gesprochene Ladinisch. Tirol profitierte zu dieser Zeit vor unter anderem durch die Errichtung von befestigten Straßen. Als Siedlungsgebiet war Tirol für die Römer aber nicht attraktiv. Auch die Völkerwanderung hinterließ in Tirol ihre Spuren, es kamen die westgermanischen Franken (Bajuwaren, Langobarden) und die Ostgoten. Aus dem Osten breitete sich slawische Bevölkerung aus.  

Im Mittelalter gehörten weite Teile Tirols zum Herzogtum Bayern. Die Christianisierung erfolgte durch die Bischöfe von Brixen und Trient. 1027 trennte Kaiser Konrad II. zur Sicherung der wichtigen Brennerroute das südlich angrenzende Bistum Trient vom italienischen Reichsteil (dem ehem. Königreich der Langobarden) ab und gliederte es dem deutschen Reichsteil ein. Im Laufe des 12. Jahrhunderts gelang es den Grafen von Tirol, einem bayerischen Adelsgeschlecht, im südlichen Teil des Herzogtums ausgehend von Schloss Tirol bei Meran und dem Vinschgau mit der Grafschaft Tirol ein eigenes Territorium zu schaffen und im 13. Jahrhundert anerkennen zu lassen.

Die Grafen von Tirol erweiterten aber ihr Land bald auf Kosten der Bischöfe und konkurrierender Adelsfamilien und machten sich von ihnen wie auch vom bayerischen Herzog unabhängig. 1363 vermachte Margarete Maultasch von Tirol, ihr Land im Einvernehmen mit den Landständen ihrem nächsten Verwandten, dem Habsburger Rudolf, dem Stifter. Unter den Habsburgern hatte das Gebiet große strategische Bedeutung, da es nicht nur an vielen wichtigen Alpenpässen Anteil hatte, sondern auch eine Landbrücke in ihre alemannischen Besitzungen darstellte. 1406, im Zuge der habsburgischen Erbteilungen, wurde es wieder zu einer eigenen Herrschaft, in der die Landstände, zu denen in Tirol auch die Großbauern gehörten, bedeutende Mitspracherechte hatten. Friedrich IV. verlegte seine Residenz nach Innsbruck.

1500 fielen mit dem Stammland der Görzer auch Lienz und das Pustertal an das Haus Habsburg und wurden mit Tirol vereinigt (strategische Landbrücke von Wien nach Mailand). Innsbruck wurde Residenz des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. Die Reformation fand auch in Tirol ursprünglich zahlreiche Anhänger. Im Jahre 1525 geriet Tirol in den Sog der deutschen Bauernkriege. Unter Kaiser Ferdinand I. begann die Gegenreformation.

1349 kam der europaweit grassierenden „Schwarzen Tod“ nach Tirol. Der Bevölkerungsverlust wurde durch Zuwanderung aus dem heutigen Slowenien ausgeglichen. Tirol blieb vom Dreißigjährigen Krieg fast vollständig verschont; 1703 stießen im Spanischen Erbfolgekrieg die bayerischen Soldaten nach Tirol vor, um sich mit den verbündeten Franzosen dort zu vereinigen. 1796/97 griffen die Franzosen zum ersten Mal Tirol an und besetzten einige Ortschaften, wurden jedoch von den Tiroler Schützen vertrieben.

1809 entlud sich der Widerstand gegen die bayerische Politik im Tiroler Volksaufstand, der von Andreas Hofer, Josef Speckbacher und Pater Joachim Haspinger angeführt wurde.

Während des Ersten Weltkrieges verlief die Gebirgsfront von 1915 bis 1918 an der südlichen Grenze Tirols. 1919, im Friedensvertrag von St. Germain, kam das Gebiet südlich des Brenners an Italien.

Durch die Machtergreifung der Faschisten in Italien, der Nationalsozialisten in Deutschland und den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vertieften sich die Gräben zwischen Nord- und Südtirol weiter. Im Abkommen zwischen Hitler und Mussolini wurde die Grenze am Brennerpass besiegelt, wobei mit der Option in Südtirol eine Umsiedlung der deutschsprachigen Südtiroler geplant war, die jedoch wegen des Krieges nur partiell durchgeführt wurde.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg (die Besatzungsmach in Tirol war Frankreich) blieb die Teilung Tirols bestehen – die Grenzziehung des Friedensvertrages von St. Germain existiert bis heute. im Zuge der europäischen Integration erlangten das österreichische Bundesland Tirol und die italienische autonome Provinz Südtirol wieder eine gewisse Zusammengehörigkeit (Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino).

Große österreichische Persönlichkeiten sind mit Tirol verbunden, wir sollten halt jetzt nicht nur Ischgl und Jochberg etc.  sehen. Es ist halt derzeit bitter, dass die Wirtschaft des Landes so stark mit dem internationalen Tourismus zusammenhängt.  

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