Ein Ausstellungsbesuch und ein Stadtbummel (bevor‘s kalt wird)

Gerhard Richter und die Attraktion des Dorotheums

 Jö, geht’s mir gut. Ich war heute in einer Ausstellung. Ich war im Kunstforum Wien und habe mir die Gerhard Richter Ausstellung angeschaut, sie war schon lange auf meinem Programm gestanden, aber dann ist etwas dazwischengekommen – Sie wissen schon – Corona, Lockdowns etc.

Aber heute war es endlich soweit. Vorsichtshalber habe ich vorher die Öffnungszeiten geprüft, um dann nicht vor verschlossenen Türen zu stehen.  Diese Ausstellung hat mich wirklich positiv überrascht.  Ich mag schon das neoklassizistische Gebäude an der Freyung 8, Ecke Renngasse 2. Es wurde von 1914 bis 1921 als Bankgebäude für die Österreichische Creditanstalt für Handel und Gewerbe errichtet. 1980 befand sich das Gebäude im Besitz der Länderbank, die gerade ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Aus Anlass dieses Jubiläums wurden in den leerstehenden ehemaligen Kassenhallen erstmals Ausstellungen gezeigt. Dieses kulturelle Provisorium wurde zu einer dauerhaften Einrichtung – unter dem Namen Länderbank-Kunstforum, geleitet von Klaus Albrecht Schröder (mittlerweile Direktor der Albertina). Architekt Gustav Peichl erhielt 1988 den Auftrag zum Umbau des Kunstforums, die Wiedereröffnung fand im März 1989 statt. Bald darauf benannte der neue Eigentümer, die Bank Austria, die Einrichtung in Bank Austria Kunstforum um. Von Ende 1992 bis Anfang 1993 wurde nochmals umgebaut und die Ausstellungsfläche verdoppelt, da die Räumlichkeiten dem großen Besucherandrang nicht mehr gerecht geworden waren.

Gerhard Richter (* 9. Februar 1932 in Dresden) ist ein deutscher Maler, Bildhauer und Fotograf. Er war von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke zählen auf dem Kunstmarkt zu den teuersten eines lebenden Künstlers. Richter wuchs in Ostdeutschland, wurde dort ausgebildet und schuf dort seine ersten Werke. 1961 flohen Gerhard Richter und seine Frau über West-Berlin nach Westdeutschland, seine in der DDR geschaffenen Kunstwerke musste er zurücklassen, teilweise soll er sie noch vor seiner Abreise verbrannt haben. Wandbilder, die er dort gemalt hatte, wurden nach seiner Flucht übermalt. Richter lebte seit 1983 in Köln. Er lehrte in Düsseldorf bis 1993. Richter gab im September 2020 bekannt, den Pinsel aus der Hand zu legen, und beschloss damit sein Werk als Maler im Alter von 88 Jahren.

Zu Beginn der 1960er Jahre benutzte Gerhard Richter erstmals Fotografien als Vorlagen für Gemälde, ein Verfahren, das er danach regelmäßig anwandte. Es handelt sich dabei um beiläufige Motive aus Zeitungs- und Illustriertenausschnitten (später auch auf eigenen Aufnahmen beruhend), die er abmalend vergrößerte, überwiegend in Grau-Weiß auf die Leinwand übertrug und damit überhöhte. Richter selbst kommentierte eines dieser und ähnliche Werke so: „Es demonstriert die Zahllosigkeit der Aspekte, es nimmt uns unsere Sicherheit, weil es uns die Meinung und den Namen von einem Ding nimmt, es zeigt uns das Ding in seiner Vieldeutigkeit und Unendlichkeit, die eine Meinung und Ansicht nicht aufkommen lässt.“ Diese dem Fotorealismus nahe Methode ist durch eine verwischt wirkende Unschärfe gekennzeichnet, die den Realismus der Vorlagen verfremdet.

Bilder mit landschaftlichen Motiven stellen eine eigenständige Werkgruppe dar und nehmen eine herausgehobene Stellung in Richters Gesamtwerk ein – und darum geht es auch hauptsächlich in der Ausstellung im Kunstforum. Neben zahlreichen Ölgemälden werden auch Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Objekte ausgestellt, die das Thema „Landschaft“ von den 1960er-Jahren bis heute reflektieren. Dabei werden sowohl bekannte Hauptwerke, als auch Arbeiten präsentiert, die selten oder noch nie öffentlich zu sehen waren. Eine „Sehnsucht“ und den „Traum nach klassischer Ordnung und heiler Welt“ drückt Richter in zahlreichen atmosphärischen Landschaftsbildern aus, die an die Kunst Caspar David Friedrichs erinnern.

Ich war fasziniert und überwältigt. Besonders die unterschiedlichen Farben des Himmels, des Wassers, des Eises sind grandios. Die Bilder strömen Ruhe und Gelassenheit – also nicht alle – für mich aus.

Es waren doch viele Menschen in dieser Ausstellung, leider manche (meist ältere) Herrschaften, die halt ihr Kommentare untereinander etwas lautstark abgegeben haben. Und es gibt Sitzgelegenheiten, das ist für mich wichtig, weil mir der Rücken nach absehbarer Betrachtungszeit weh tut. Wenn ich dann das alles sitzend betrachten kann, habe ich umso mehr Freude dran.

Ich kann Ihnen nur empfehlen: gehen Sie hin und sehen und erleben Sie es selbst.  

Dann bin ich noch durch die Stadt nach Hause gegangen, diesmal waren bei Vuitton ziemlich viele Leute angestellt. Es ist schon etwas anderes, wenn zumindest die Geschäfte offen haben und man nicht nur windowshoppen kann.  Ich weiß, dass ich gar nichts brauche. Aber, als ich dann vergnügt durchs Dorotheum geschlendert bin und mir die Silbersachen angeschaut habe – da war dann ein Kerzenleuchter! Naja, man kann nicht immer nur diszipliniert sein. Jedenfalls passt er wunderbar dorthin, wo er jetzt seinen neuen Platz gefunden hat – finde ich!

Ein Ausstellungsbesuch und ein Stadtbummel (bevor‘s kalt wird)

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