Wie’s so zugeht, in der Stadt, der Sammler Ferdinand II

Nur kurz: es ist schon wieder Wirbel in der Stadt. Pausenlos fliegen- laut knatternd – die Hubschrauber über unsere Innere Stadt, überall sieht man „Grüppchen“, die sich wahrscheinlich von Demonstrationen abgespalten haben und nur drauf warten, sich wieder irgendwo zu sammeln, dazwischen Polizei, viel Polizei, zu Fuß und in umherfahrenden Mannschaftswagen, mit Blaulicht und Folgetonhorn. Dazwischen viele Schnäppchenjäger, lange Schlangen vor manchen Geschäften. Wenige Leute – heute ist ja Faschingssamstag, man könnte es fast vergessen – sind verkleidet. Eine Blumenhandlung zeigt an, dass sie morgen – am Valentinstag – offen haben werde. In diesen Zeiten vergisst man Fasching und St. Valentin – wenn man nicht grad daran erinnert wird. Viele Spaziergänger essen und trinken … (in meiner Jugend galt es extrem „unpassend“, auf der Straße zu essen oder zu trinken – naja jetzt bleibt einem ja nichts anderes übrig). Eigentlich sollte man am Wochenende die Stadt meiden, aber was soll man tun, wenn man hier wohnt und auch seine Einkäufe her tätigen muss (kein Auto).

Aber jetzt – nach diesem Ausflug – zum eigentlichen Thema. Wie berichtet, streifte ich gestern durch die Kunstkammer: und begegnete Ferdinand II: Erzherzog von Österreich (* 14. Juni 1529; † 24. Jänner 1595) aus dem Hause Habsburg war von 1564 an Landesfürst (gefürsteter Graf) von Tirol.

Ferdinands II. größte Bedeutung liegt vor allem auf der Kunstgeschichte. Als humanistisch gebildeter Kunstfreund legte er schon in seiner Zeit als Statthalter von Böhmen die Basis zur berühmten Ambraser Sammlung. Diese bedeutende Harnischsammlung, Kunst- und Wunderkammer, Porträtgalerie und Bibliothek waren von hohem Wert; und der Erzherzog verschuldete sich auch dafür. Seine Sammlung galt neben jener von Kaiser Rudolf II. oder von Kurfürst August von Sachsen als eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Ferdinands II. Sammlungen sind heute überwiegend Teil des Kunsthistorischen Museums und befinden sich auf Schloss Ambras Innsbruck (Rüstkammern, Kunst- und Wunderkammer, Sammlung gotischer Skulpturen, Habsburger Porträtgalerie) sowie in Wien im Haus am Ring (Kunstkammer, Gemäldegalerie, Münzkabinett) und der Neuen Burg (Hofjagd- und Rüstkammer, Weltmuseum Wien, Sammlung alter Musikinstrumente) zu sehen. Andere Teile gelangten etwa in die Österreichische Nationalbibliothek oder das MAK – Museum für angewandte Kunst.

Kunsthistorisch kann Ferdinand II. als der Begründer des systematischen Sammlungswesens gelten. Sein eigens für seine Sammlungen errichtetes Museum (Unterschloss von Schloss Ambras) ist das einzige noch erhaltene Museumsgebäude der Renaissance, in dem sich bis heute Sammlungsteile an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort erhalten haben und immer noch ausgestellt sind: Schloss Ambras Innsbruck ist in dieser Hinsicht das älteste Museum der Welt. Zudem ist seine Kunst- und Wunderkammer überhaupt die einzige noch am Ort erhaltene Kunstkammer der Renaissance. Besondere kulturhistorische Bedeutung kommt Ferdinand II. auch als Ausrichter großer repräsentativer Turniere und höfischer Feste zu. Nicht zuletzt war er der erste Fürst der Renaissance, der sich den kostspieligen Luxus einer eigenen Hofglashütte leistete. Die Handschriftensammlung seiner Bibliothek wurde 2018 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Er war aber nicht nur Sammler, sondern auch Regent, Feldherr – und Ehemann. Er wurde 1547 von seinem Vater an die Spitze der Verwaltung des Königreichs Böhmen gestellt und residierte für 20 Jahre als Statthalter in Prag. Er leitete 1556 einen Feldzug gegen die Türken in Ungarn. Als ständiger Stellvertreter des Königs sorgte er für die Einschränkung der Rechte der böhmischen Stände und höhere Steuereinnahmen, um die Schulden der Habsburger bei den Fuggern aus dem Schmalkaldischen Krieg abzuzahlen.

Seit 1557 war er heimlich mit Philippine Welser (1527–1580), der Tochter eines Patriziers aus Augsburg, vermählt, die ihm mehrere Kinder gebar. Die Ehe wurde von Kaiser Ferdinand I. 1561 unter der Bedingung der Verschwiegenheit genehmigt; erst 1576 bestätigte Papst Gregor XIII. die Ehe im Zusammenhang mit der Ernennung von Philippines und Ferdinands Sohn Andreas zum Kardinal und entband die Eheleute vom Gelübde der Geheimhaltung. Es war eine morganatische Ehe.

Nach dem Tod seines Vaters Kaiser Ferdinands I., 1564, erhielt Ferdinand II. gemäß dem väterlichen Testament die Herrschaft über Tirol und die Vorlande (Vorarlberg, Breisgau, Burgau und andere). Er blieb auf Wunsch Maximilians II. aber noch bis 1567 als böhmischer Statthalter in Prag.

Bereits zu Lebzeiten seiner ersten, kränklich gewordenen Gemahlin Philippine hatte er 1573 um die Hand seiner siebenjährigen Nichte Anna Caterina von Gonzaga, einer Tochter des Herzogs Wilhelm von Mantua und der Eleonore von Österreich, anhalten lassen. Nach dem Tode seiner ersten Ehefrau Philippine 1580 heiratete er am 1. Mai 1582 in Mantua seine Nichte Anna Caterina Gonzaga. (Ferdinands II sittlichen Ausschweifungen waren weit über die Grenzen Tirols bekannt).

Erzherzog Ferdinand starb am 24. Jänner 1595. Wegen der ausgehandelten Erbfolge waren seine Söhne erster Ehe sowie seine Töchter zweiter Ehe nicht erbberechtigt, und so kam Tirol nach seinem Tod wieder an die beiden anderen habsburgischen Linien.

Ein besonders sympathischer Mensch dürfte er ja nicht grad gewesen sein, wenn man sich den Lebenslauf so anschaut, aber das heutige Österreich verdankt ihm dennoch sehr viel.

Wie’s so zugeht, in der Stadt, der Sammler Ferdinand II

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