Hier kann ich dem Duden leider nicht folgen

Verabschiedung vom generischen Maskulinum

Ich lese, dass sich der Duden vom „generischen Maskulinum“ verabschiedet. Nun, als „Schreibende“ ist der Duden für mich „maßgebend“. Ob ich ihm bei diesem Schritt wirklich folgen will – ich glaube nein.

Warum geht es überhaupt: das „generische Maskulinum“ ist die Regel oder Gewohnheit, dass die Benutzung des grammatischen Maskulinums, gerade im Plural, keine Festlegung auf ein biologisches Geschlecht bedeutet. Konkret: wenn ich sage, ich gehe zum Bäcker, dann ist eine bestimmte Berufsgruppen oder Institutionen gemeint und nicht einzelne Personen, ob männlich oder weiblich.

Selbstverständlich ist es ein berechtigtes Anliegen, dass auch Frauen sprachlich „sichtbarer“ werden. Das ist jahrhundertelang nicht geschehen. Auch bei uns kam das erst im 20. Jahrhundert langsam in Gang. Da liegt noch sehr viel im Argen, es ist aber auch schon viel erreicht worden.

Aber die Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten wurden dadurch nicht unbedingt gefördert. Aber ich will mir vom Duden auch nicht vorschreiben lassen, in Zukunft Worte wie Bösewichtin oder Gästin zu verwenden.

Die dritten Geschlechtsidentitäten, werden durch diese Maßnahme komplett ausgeblendet! Im Grunde wären geschlechtsneutrale Formulierungen eine ganz sinnvolle Alternative, Personen mit anderen Geschlechtsidentitäten auch mit zu meinen und einzubeziehen.

Für mich ist „der Arzt“ halt noch immer nicht nur eine männliche Person.

Der Duden ist der einzige Wörterbuchverlag heute. Mein Mann hatte für „jede Gelegenheit“ einen Duden zu Hand, er hat ihn auch konsultiert. Er war für die Sprache wie eine Bibel. Und wir brauchen sprachliche Orientierung und möchten uns und unseren Sprach- und Schreibgebrauch dann auch wiederfinden. Das heißt nicht, dass man nicht auch neue Entwicklungen anstoßen kann, aber dieses Normierende und der Versuch, Dinge vorzuschreiben, die sich eigentlich entwickeln müssen, das hat schon bei der Rechtschreibreform nicht geklappt – nach vielfältiger Kritik der Schreibgemeinschaft.

Kann man überhaupt wissen, wie sich die Genderthematik sprachlich weiter entwickeln wird?  Und es gibt Rechtschreibprobleme, die gar nichts mit der „Genderei“ zu tun haben. Schülerinnen und Schüler möchten sich gar nicht so sehr mit der Genderthematik auseinandersetzen, und die Lehrer und Lehrerinnen auch nicht. (Und dieser Satz erscheint mir schon überlastet.) Saubere Orthographie ist primär gefragt.

Kürzlich habe ich sogar darüber gelesen, dass die Grammatik im Deutschen ein System struktureller Gewalt gegen Frauen ist. Aber Dazu ein andermal!

Vorläufig werde dich  das generische Maskulinum weiter verwenden, sorry Duden.

Hier kann ich dem Duden leider nicht folgen

6 Gedanken zu “Hier kann ich dem Duden leider nicht folgen

  1. Auf einer lokalen Nachrichtenseite tauchte das Wort „Radfahrende“ statt Radfahrer und Radfahrerinnen. Ich fragte mich, wie das denn mit Fußgängern zu handhaben ist. Wären das denn „Fußgehende“?

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    1. Ich bin ein Prediger, auch wenn ich gerade schweige. Und ich bin ein Autofahrer und Fleischesser, auch wenn ich gerade mit leeren Mund und völlig gesättigt in meinem Wohnzimmer sitze. Auch während des Autofahrens oder im Schlaf bin ich ein Leser.
      Die Partizip-Präsens-Formulierung wäre in den genannten Fällen Unsinn. Ebenso wie die Ausein ander Schreibung, die dazu führt, daß man heute schreiben soll: vier allein Stehende sitzen gesellig beieinander. Purer Nonsens, ganz und gar auf dem Niveau von „dunkel war’s, der Mond schien helle“ – aber das passiert, wenn sich Politiker und andere Weltverbesserer entschließen,die Sprache zu verändern, um auf diese Weise den neuen Menschen zu erschaffen.

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