Asche aufs Haupt

Diese Woche war bekanntlich Aschermittwoch! Menschen, die eine Sünde begangen hatten, trugen in früheren Zeiten von diesem Tag an bis zum Osterfest ein Bußgewand, sie wurden mit Asche bestreut und symbolisch aus der Kirche hinausgeworfen. In den nächsten 40 Tagen sollten die Sünder innerlich bereuen und Buße tun, bevor die christliche Gemeinde sie am Gründonnerstag wieder in ihren Kreis aufnahm.

Heutzutage beschränkte sich die Zeremonie damit, dass Priester den Gläubigen ein Aschenkreuz auf die Stirne malten. Aber wie vieles ist es in Corona-Zeiten anders! Also, man bekam kein Aschenkreuz auf die Stirn, sondern es wurde Asche in Kreuzform auf das Haupt gestreut. Seltsam, es hat sich ganz anders angefühlt, als das Aschenkreuz.

Asche ist ein fester Rückstand aus der Verbrennung organischen Materials, also von fossilen Brennstoffen, Biokraftstoffen oder Lebewesen wie Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie entsteht aus dem anorganischen Teil der verbrannten Substanz und besteht somit aus Mineralstoffen.

Asche gilt als Zeichen der Trauer, Buße und Umkehr. Der graue Verbrennungsrückstand symbolisiert aber, vor allem im christlichen Zusammenhang, ebenso den Neuanfang und die seelische Reinigung. Wer „Asche auf sein Haupt“ streut, der will sich selbst anklagen, will zeigen, dass er etwas bereut und auch bedauert. Den Brauch der allgemeinen Aschebestreuung gibt es seit dem 11. Jahrhundert nach Christus: Priester oder Diakon zeichnen jedem Christen, ob Sünder oder nicht, am Aschermittwoch ein Kreuz aus geweihter Asche auf die Stirn. Bis jetzt! Nun wird die Asche wieder gestreut.

Schon im Alten Testament kommt das Asche -Streuen vor: Als Amnon nämlich seine eigene Schwester vergewaltigte, warf die vergewaltigte Tamar Asche auf ihr eigenes Haupt und zerriss ihr Kleid. Zudem legte sie ihre Hand auf das Haupt und ging laut schreiend davon (aus 2. Samuel 13, 19). Etwas später: Tamar klagt sich selber dafür an, dass sie von ihrem Bruder vergewaltigt wurde!? Sie streut sich Asche aufs Haupt um anzuzeigen, dass sie es einsieht, dass es nicht die Schuld ihres Vergewaltigers ist, dass sie vergewaltigt wurde? Schon einen Satz später kann Absalom die ganze Aufregung nicht verstehen und spielt die Vergewaltigung als Bagatelle herunter: Nun, meine Schwester, schweig still; es ist dein Bruder, und nimm die Sache nicht so zu Herzen. (2. Samuel 20). Ganz passt dieses Verhalten nicht in unser heutiges Frauenbild!

Einer der späteren Propheten, Daniel, verbreitete zudem einen ähnlichen Brauch: „Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche.“ (Daniel 9, 3)

Im Altertum gab es den Brauch, sich in Trauerzeiten die Asche der verstorbenen Verwandten auf Kopf und Gewänder zu streuen, um so seiner Trauer entsprechenden Ausdruck zu verleihen. Römischer Feldherren in vorchristlicher Zeit setzten sich nach einer Niederlage vor ein Lagerfeuer und streuten zum Zeichen ihrer Schande Asche auf ihr Haupt.

Man sagt, dass es auch Sitte in heutigen arabischen Ländern ist, sich Asche aufs Haupt zu streuen.

Holzasche aus der Verbrennung von naturbelassenem, also nicht chemisch behandeltem Holz kann als Dünger in Landwirtschaft und Gartenbau verwendet werden. Früher wurde Asche auch zum Streuen von vereisten Gehwegen verwendet. In der Not kann Holzasche auch als natürliche Zahnpasta verwendet werden, ich hoffe aber, dass diese Notsituation bei mir nicht eintritt. Holzasche wurde als Reinigungsmittel (Aschenlauge), zur Seifenherstellung und im Spätmittelalter als Flussmittel zur Glasherstellung verwendet. Die Inka verwendeten Holzasche, um Mais für den Menschen bekömmlich zu machen. Der Stamm der Huaorani in Ecuador verwendet Asche zur Körperhaarentfernung. Keine Verwendung findet normale Asche auf der sogenannten „Aschenbahn“, dort wird vulkanische Asche verwendet.

Einer meiner Lieblingskäse, der Morbier, ist mit einer Schicht Pflanzenasche durchzogen (ich gebe zu, ich habe das bisher für Schimmel gehalten). Wir alle lieben das Aschenlied des Aschenmannes in Ferdinand Raimunds 1826 uraufgeführten Zaubermärchen Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär.

Aschenmann oder Aschenträger ist eine historische Berufsbezeichnung. Im Wien des 18. und 19. Jahrhunderts war das Heizen mit Holz gebräuchlich. Das führte zu Verbrennungsrückständen in Form von Holzasche. Diese wurde von Aschenmännern mit einer Krücke aus dem Ofen oder Herd geholt und in eine hölzerne Butte, die sie auf dem Rücken trugen, gefüllt. Meist handelte es sich um Personen aus unteren sozialen Schichten, die das Einsammeln der Asche besorgten. Neben Krücke und Holzbutte trugen sie eine Schürze (Fürtuch) und einen Hut mit breitem Rand. Ein Einkommen erzielten sie durch den Verkauf der gesammelten Holzasche an Seifensieder und Leinwandbleicher.

Und jetzt: gehen Sie nicht in Sack und Asche, sondern genießen Sie diese geschenkten Frühlingstage!“

Asche aufs Haupt

6 Gedanken zu “Asche aufs Haupt

    1. Verhörer bei Kindern und Jugendlchen sind gar nicht so selten. Ich habe mir bei dem Wort „gewährleisten“ immer ein Gewehr vorgestellt, ein Freund verstand am Heiligen Abend beim „Stille Nacht Singen“ owilacht (oh,wie lacht) gar nicht … Und Palmkatzerln – naja, dier können schon missverstanden werden …

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s