Manchmal wundere ich mich

Was ich in der Washington Post so finde

Wieso, werden Sie fragen? Ich lese die Washington Post, na, nicht alles, aber sicher alles, wenn es Österreich betrifft. Ich finde heute (19. Februar 2021) einen Artikel, datiert mit 18. Februar 2021 unter den Generalthema „Climate Solutions“:  This Austrian ski resort is preparing for a snowless future – St. Corona is a model for ski resorts in the Alps that are transitioning to mountain biking, hiking and other tourist offerings that don’t depend on snow.

Darunter ein sehr hübsches, sommerliches Bild der Family Ski Area St. Corona am Wechsel, Austria. Zuerst frage ich mich, ob der Autorin dieses Artikels, Denise Hruby, der Name des Ortes nicht aufgefallen oder interessant erschienen ist. Denn soweit ich weiß, heißt die uns derzeit plagender Pandemie in den USA ebenfalls Corona. Ganz am Schluss, zeigt sie dann doch auf, dass Touristen nach St. Corona kämen, um das Ortsschild zu photographieren.

Weiters haben wir heuer einen ziemlich schneereichen Winter (wenn auch gleichzeitig einen Lockdown) aber auch das scheint dem der Autorin entweder nicht aufgefallen zu sein oder es ist irrelevant für die Leser.  Denn gerade heuer kann man in Österreich auch in den nicht „höher gelegenen Schigebieten“ trefflich Schifahren. Und von St. Corona am Wechsel weiß ich das sicher – aus erster Hand. Denn meine Urenkelin erfuhr dort vorige Woche ihre erste Schiausbildung, denn ihre Großeltern sind mit ihr jeden Tag (es gibt ja keine Übernachtungsmöglichkeiten) von Wien nach St. Corona gefahren, um ihr diese Ausbildung auch in Lockdown Zeiten zu ermöglichen.

Es stimmt, man kann nicht davon ausgehen, dass jedes Jahr ein schneereicher Winter sein wird, aber man sollte das Schifahren in diesen Orten dennoch nicht einfach abschreiben – meine ich.

Es wird darauf hingewiesen, dass Unterstützungen für Investitionen in den Wintertourismus bereits gestoppt worden wären, man sich seit 2015 an wärmere Winter aufgrund der Klimaänderung bereits gewöhnt hätte, und sich daher vom Schitourismus abwenden würde, selbst wenn man davon ausginge, dass ein Drittel der Österreicher Schifahrer wäre.

Schon im Sommer 2016, so berichtet die Autorin, wäre ein „Sommer-Toboggan“ eingerichtet worden, das besonders im „Corona-Sommer 2020“ von vielen Wienern genützt worden war, die Ferien in näherer Umgebung vorzögen. Seit den 1960 und 1970er Jahren hätte sich im gesamten Alpenbereich das Klima doppelt so stark erwärmt, als in den übrigen Regionen. (Ich kann diese Aussage der Autorin nicht nachprüfen), aufgrund dessen wäre sehr viel in Schneekanonen investiert worden. Selbst wenn sich die Durchschnittstemperatur um ca. 2° erwärmen würde, bedeutete das für ein Drittel der Schigebiete der Ostalpen das Ende des Schifahrens, denn der Schnee ob künstlich oder natürlich, würde sich nicht am Boden befestigen.  

Und St. Corona biete nun, so die Autorin – eine Blaupause für’s wirtschaftliche Überlegen niedriger gelegenen Orte, die dann auch beispielhaft angeführt werden. Mancherorts sieht man in Mountain-Biking eine Alternative zum Schifahren, aber man fürchtet die wilden Raser, die es unter diesen Sportlern auch gibt.  Aber es gibt auch andere Touristen, die gerne spazieren gehen, oder mit Elektrorädern fahren, Eltern mit kleinen Kindern, Kletterparks für mutige Jugendliche.

Jedenfalls, die Autorin traf auf Tourismus-Verantwortliche, die meinten, die Zeiten, in denen man auf ein Pferd setzen können, wären vorbei. Schifahren allein würde viele Orte nicht mehr retten können.

Ich stimme diesem Text ja weitgehend zu, aber jetzt – in Corona-Zeiten – wo internationales Reisen noch länger nicht möglich sein wird, einen (oder mehrere) sommerliche Ort vorzustellen, erscheint mir etwas seltsam. Sicher, dem Klimawandel zu trotzen, ist vorbildlich.  Aber vielleicht interessiert es manche Leute sogar jetzt.

Hoffentlich!  Ich wünsche jedenfalls St. Corona heuer eine lange Schisaison!

Manchmal wundere ich mich

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