Es geht leider nicht mehr so wie früher.

Das ist zuweilen ziemlich enttäuschend und frustrierend. Ich versteh‘ schon, dass ich alt bin, dass mein Kurzzeitgedächtnis miserabel funktioniert, und ich sehr oft auf Suche bin, einfach weil ich vergessen habe, wohin ich etwas gelegt habe.

Ich rede jetzt nicht von Problemen mit Zähnen, mit Haaren etc., die sind ja bekannt. Ich bin auch langsam geworden, bei allem was ich tue. Ich werde sehr schnell müde, egal was ich tue, ob schreiben, spazieren gehen oder einkaufen gehen. Etwas Tragen ist unangenehm, es fühlt sich immer wie Schleppen an, mein Kreuz tut mir dabei ziemlich weh – jetzt sind leider meine Mitbewohner in der WG nicht da und können nicht mit mir einkaufen gehen.

Dabei muss ich dankbar sein, wir können jetzt den gesamten Samstag einkaufen, nicht wie früher, wo ab 13 Uhr „tote Hose“ war. Ich wüsste auch, wo ich am Sonntag Lebensmittel einkaufen kann, nur tue ich das nur in Ausnahmsfällen, wobei frische Kipferln am Sonntag früh schon ein besonderer Luxus sind. Ich weiß, dass diese  Bequemlichkeit zulasten der Angestellten in den Geschäften geht, die sicher auch gerne zu Hause wären.

Solange meine Mitbewohner nicht da sind, werde ich halt öfter einkaufen gehen, damit die Schlepperei nicht zu arg wird, das ist aber wieder eine Zeitfrage. Sie werden sich fragen, was bei einer alten Frau ein Zeitproblem ist – naja, es ist schon ein selbstgewähltes Problem. Ich bilde mir halt ein, täglich mindestens zwei Geschichterln schreiben zu müssen (neuerdings: Ausnahme am Sonntag – da ist Ruhetag, außer mir wäre sonst fad, und ich schreibe lieber). Es gibt so viel, worüber ich glaube berichten zu müssen, wozu ich gerne „meinen Kren dazu geben“ (hochdeutsch: dazu Stellung nehmen) möchte.

Aber nach jeder geschriebenen Geschichte muss ich mich ausruhen. Ich habe da so einen „Ausruhsessel“, da kann man die Füße heben(lassen) und die Lehne zurückfahren lassen und zum Buch greifen. Zeitungen muss ich leider bei einem Tisch lesen. Und nach dem Einkaufen – also Schleppen – muss ich mich auch hinlegen.

Und wenn ich keinen „guten Tag“ habe, schleiche ich auch beim Spazierengehen herum, meide jedes „Bergerl“ und bin spätestens nach einer Stunde erschöpft. Zum Glück habe ich aber auch gute Tage, da kann ich dann selbstverständlich munter fürbass schreiten, und das durchaus auch länger aufrechterhalten.  Und ob es gute oder schlechte Tage sind, das ist leider „wetterabhängig“. Wetterwechsel spüre ich im Voraus – und die finden derzeit recht oft statt. Also ich wünsche mir halt längerfristiges stabiles (Hoch-)druckwetter.  Nebel und Nieselwetter bedrücken mich, mir ist es lieber, wenn die Sonne scheint.

Aber ein weiteres Altersproblem besteht darin, dass ich manchmal – also eher öfter als seltener – in der Nacht nicht gut schlafen kann. Wenn ich mich also ziemlich lange herumgewälzt habe, greife ich zu dem Buch, wenn es spannend ist, lese ich dann lang – bis ich halt müde genug bin. Aber – mit Ausnahme des Wochenendes (da herrscht „self-ending sleep“) ratscht dann doch der Wecker um 7.28 Uhr. Und dann bin ich untertags wieder müde. Oje. Wenn ich mittags nicht kurz schlafen kann, bin ich nachmittags „nicht zu gebrauchen“.

Und wenn ich schlecht geschlafen habe, dann nicke ich gerne vor dem Fernseher ein wenig ein. Meist sind weder die Nachrichten noch das sonstige Programm interessant genug, um mich davon abzuhalten. Früher, als mein Mann noch lebte, da habe ich mich immer gewundert, wenn er regelmäßig vor den Fernseher eingeschlafen ist, jetzt passiert das mir! Schande!

Und noch etwas – mir fällt derzeit das Alleinsein, also der Lockdown schwerer, als im Frühjahr. Aber andererseits gibt es jetzt die Apotheken, die gratis testen, und es sind wirklich schon viele in Wien, ganz in meiner Nähe, also werde ich mich halt öfter testen lassen, um dann wieder vermehrt mir liebe Menschen treffen zu können.

Und jetzt hoffe ich auf einen Vorteil meines hohen Alters: ich hoffe bald geimpft zu werden. Freunde von mir – etwas älter als ich – haben schon ihre Impftermine bekommen. Ich habe jedenfalls nicht „Hochrisiko“ bei der Anmeldung angegeben, vielleicht verzögert das den Impftermin etwas. Obwohl „Vorerkrankungen“ könnte ich durchaus nennen, die waren aber bei der on-line-Anmeldung nicht gefragt.

Ich hoffe, ich klinge nicht zu weinerlich, denn eigentlich geht’s mir gut und ich bin für mein derzeitiges Leben dankbar.

Es geht leider nicht mehr so wie früher.

2 Gedanken zu “Es geht leider nicht mehr so wie früher.

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