Fastengedanken – soll ich verzichten?

Jetzt ist Fastenzeit – nein, nicht heute, heute ist Sonntag und damit Fasten unterbrochen.

Fasten, darunter verstehen viele Menschen Verweigerung von Nahrungsmitteln, bestimmten Nahrungsmitteln, zum Zwecke eines gesunden Lebens, zum Zwecke einer schöneren Figur, einer besseren Haut etc. Viele wissen es gar nicht mehr, oder wollen es gar nicht wissen, dass jetzt Fastenzeit ist, was Fastenzeit ist oder was der ursprüngliche Sinn der Fastenzeit ist.

Fasten gibt es nicht nur im christlichen Glauben, Fasten gibt es auch im Islam – Sie wissen schon, kein Essen, kein Trinken untertags – während des gesamten Monats.

Aber woher kommt unsere 40 tätige Fastenzeit – vom Aschermittwoch bis Ostern? Im Neuen Testament (Matthäus) kann man lesen: „Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden.  Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.“

Was heißt aber „versucht werden“? „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.  Jesus aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“.

Also geht es auch um „Essen“. Aber Fasten bedeutet für mich viel eher „verzichten“, auf etwas, das mir lieb und teuer ist – und das muss nicht die Cremeschnitte, das Punschkrapferl sein, das kann der Verzicht auf den Kauf eines besonders verlockenden Schnäppchens sein, das könnte, wenn nicht gerade gelockerter Lockdown wäre, der Besuch eines Theaters sein, der Abend im Restaurant mit Freunden…

Eine „Versuchung“ tritt an uns heran. Eine Versuchung ist der Anreiz oder die Verleitung zu einer Handlung, die reizvoll erscheint, jedoch unzweckmäßig ist, einer sozialen Norm widerspricht bzw. verboten ist. Sie kann sich auf alle Arten von Tun oder Lassen (Handlungen oder Unterlassen) beziehen. Die begangene Handlung kann Reue und Schuldgefühle auslösen. Die Versuchung kann in dem Gegenstand der Begierde als solchem oder in der Art seiner Präsentation liegen oder durch andere Personen hervorgerufen werden, die durch Verführungskünste in Versuchung führen (z. B. Schmeicheln, Bitten, Anleiten, Anstiftung, Anpreisen, Erwecken von Neugier, Einsatz von Autorität, Erzeugen von Angst, Drohung mit Verlust oder Manipulation). Also so betrachtet ist auch Werbung „Verführung“!

Die wohl bekanntesten Stellen der Bibel, an denen von der Versuchung die Rede ist, sind der im 1. Buch Mose beschriebene Sündenfall durch Adam und Eva, die Versuchung Ijobs durch den Teufel und die bereits oben erwähnte Versuchung Jesu.

Adam und Eva lebten im Garten Eden. Dort wird Eva von der Schlange überredet, trotz Gottes Verbot vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Diese Schlange wird in der christlichen Tradition oft auf den Teufel bezogen. Die im Essen der verbotenen Frucht zum Ausdruck kommende Abkehr von Gottes Geboten gilt sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Religion als Ungehorsam gegenüber Gott, wie auch die Rebellion des Teufels gegen diesen. In der biblischen Erzählung zeugt Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies mit Eva Kain, Abel und Set[CC1] .

Ijob oder Hiob bezeichnet eine biblische Person, einen Gerechten aus dem Land Uz, die meisten von uns kennen ihn aus der Verwendung von “Hiobsbotschaft“. Gott (JHWH) prüft Ijobs Treue mit schwerem Leiden und rechtfertigt ihn zuletzt. Ijob lebt mit seiner Frau und zehn Kindern als wohlhabender Mann im unbekannten Land Uz. Er wird als frommer Mann geschildert. Satan meint nun Gott gegenüber, Ijob sei nur solange fromm, wie er in angenehmen Verhältnissen lebe und schlägt vor, Ijobs Gottesfurcht auf die Probe zu stellen. Gott lässt den Verlust allen Besitzes Ijobs zu sowie den plötzlichen Tod seiner zehn Kinder. Ijob nimmt die Schicksalsschläge an, ohne Gott zu verfluchen. Satan lässt nicht nach und verlangt, dass er Ijobs Gesundheit schädigen darf. Ijob meint dazu nur: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ Weil Ijob in all seinem Leid, seiner Armut und seiner Trauer seinem Gott dennoch die Treue hielt, erlöst Gott ihn von der Krankheit und segnet sein weiteres langes Leben.

Nun auch wir werden laufend „versucht“. Und jede Versuchung stellt uns vor eine Entscheidung – sollen wir der Versuchung nachgeben oder sollen wir standhaft bleiben. Aus welchen Gründen wir nun standhaft bleiben, oder auch nicht, können durchaus unterschiedlich sein – aber ich meine, wir sollten auch in kleinen Dingen – wenn’s geht – unserem Gewissen folgen. Wesentlich erscheint mir, die Entscheidung bewusst zu überlegen und auch an die möglichen Konsequenzen der Handlung für uns selber – als auch für andere – zu bedenken.

Was wäre gewesen, wenn Eva auf den Apfel verzichtet hätte, wenn Kann den Abel nicht erschlagen hätte, wenn Jesus den Stein in Brot verwandelt hätte, weil der Hunger doch so groß gewesen ist?  


 [CC1]

Fastengedanken – soll ich verzichten?

4 Gedanken zu “Fastengedanken – soll ich verzichten?

  1. Statt Versuchung kann man im Neuen Testament (inklusive Vaterunser) auch „Prüfung, Bewährung“ übersetzen. Damit fallen schon mal „Tentation“ als Duftwasser und als Schokolade weg und auch „die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“. Und die Adversität wird aufgebrochen: die kleinen Bewährungsproben des Alltags werden dann zum Training für kommende Aufgaben.

    Die Rahmenerzählung des Hiob-Buches finde ich kalt und zynisch.

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