COVID-Testen in nobler Umgebung

Schloss Neugebäude, das Juwel von Simmering

 Ganz wie geplant, lief der heutige Tag dann doch nicht ab. Kaum, dass wir uns Richtung “Alter Jüdischer Friedhof“ in Gang gesetzt hatten, fiel meinem Enkel ein, dass er sich eigentlich testen lassen wolle, bevor er etwas später seine Freunde treffen sollte. (Das machen sie immer so, alle lassen sich testen, die einander treffen wollen.) Wir gingen langsam zur Haltestelle um in die Stadt zu fahren und mein Enkel wollte unterwegs bei einer der Apotheken aussteigen, die gratis COVID-Tests anbieten. Da stieß er auf die Teststraße im Neugebäude, die nun gar nicht weit vom Zentralfriedhof entfernt liegt. Da ich schon immer neugierig auf das Neugebäude war, und es noch nie aufgesucht hatte, beschloss ich gleich, ihn zu begleiten, und da ich noch diese Woche einen Zahnarzt Termin habe, mich auch gleich dort testen zu lassen. Mein Enkel meldete uns an und wir machten uns auf den Weg, vorbei an der Feuerhalle, am Tierfriedhof, den ich auch noch nie besucht hatte und anschließend an einer G’stetten, wie man sie in Wien nur mehr sehr selten findet, entlang eines Wäldchens. Das war ein sehr hübscher Spaziergang in der Sonne.  Dann stießen wir auf die Straße, die direkt zum Schloss Neugebäude führte. Schloss Neugebäude ist ein von Kaiser Maximilian II. in Auftrag gegebenes manieristisches Schloss im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering. Der Legende nach wurde es an jener Stelle errichtet, an der während der Ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 die Zeltburg Sultan Süleymans stand.

An der Jahreswende 1568/69 begannen im heutigen Simmering die Vorarbeiten zu einem der bedeutendsten Baudenkmäler der Renaissance. Eine Stunde Kutschenfahrt von Wien entfernt plante Kaiser Maximilian II. ein Gesamtkunstwerk: Ein Schloss der Superlative, orientiert an der Antike und gleichzeitig an den modernsten Vorbildern Italiens, umgeben von farbenprächtigen Gärten mit Springbrunnen und Wasserkaskaden, Tierzwinger und   einem Ballspielhaus für das mondäne “Jeu de Paume” – die frühe Form von Tennis.

Die bereits um 1570 vollendeten Blumenbeete waren in komplizierten, teppichartigen Mustern angelegt, hier blühten kostbare Pflanzen, die erst wenige Jahre zuvor aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa gekommen waren, wie Tulpen und Flieder. Für die wissenschaftliche Betreuung der Gärten hatte Kaiser Maximilian den berühmten Botaniker Carolus Clusius nach Wien berufen. Maximilian selbst war sehr an Botanik interessiert, seine große Liebe galt der Beschäftigung mit der Natur und es ist über ihn überliefert, dass er oftmals zum Vergnügen in seinen Gärten tatkräftig mitarbeitete.

Doch Maximilians großer Traum wurde jäh unterbrochen. Sein plötzlicher Tod 1576, aber auch die leeren Staatskassen und die drohende Gefahr aus dem Osmanischen Reich ließen sein Lebenswerk ins Stocken geraten und schließlich unvollendet zurück.

Maximilians Schloss, das bald in Vergessenheit geriet, bekam keinen Namen mehr und wurde fortan nur noch Newes Gepaeu – Neugebäude genannt. Nur ein Tiergarten an der Ostseite des Schlosses, der Löwenhof, sollte noch an den Kaiser erinnern. Als Liebhaber exotischer Tiere hatte er bereits 1552 in seinem nahegelegenen Jagdschloss Ebersdorf eine Menagerie gegründet.

Hier war auch der erste, legendäre Elefant von Wien, ein Geschenk des Königs von Portugal, untergebracht. Dieser Tiergarten bestand zu einem großen Teil aus Raubkatzen und wurde nach dem Tod des Kaisers weitergeführt. Im 17. Jahrhundert wurde er ins Neugebäude übersiedelt, wo noch bis in die 1780er Jahre einzelne Löwen lebten.

Die folgenden Jahrhunderte lasteten wie ein böser Fluch auf dem Schloss. Unwetterkatastrophen, Kuruzzeneinfall und der Plan Maria Theresias ein Schiesspulverdepot für das Militär einzurichten, fügten dem Schloss schweren Schaden zu. Maria Theresia hatte wenig Sympathie fürs Neugebäude, ihr Interesse galt allein Schloss Schönbrunn und dessen Umbau. Dafür beauftrage sie 1774 den Hofarchitekten Hetzendorf von Hohenberg im Schloss Neugebäude die Säulen der Nordfassade abzunehmen und auf der Gloriette wieder aufzustellen. Die verbliebenen Tiere aus dem Tiergarten kamen, mit Ausnahme der Raubkatzen, die Maria Theresia verabscheute, in den 1752 fertiggestellten Schönbrunner Tiergarten. Mit diesem massiven Eingriff war aus dem einstmals prächtigen Schloss Neugebäude eine Ruine geworden.

Auch im 20. Jahrhundert kam das Schloss nicht zur Ruhe. Der drohende Abriss, die Einquartierung verschiedener Gewerbebetriebe, die Nutzung im zweiten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie zur Herstellung von Panzermotoren und schließlich der Plan, in den alten Mauern ein Fußballstadion zu errichten hätten beinahe den endgültigen Untergang gebracht.

Schwerstens angeschlagen ging es nun ins neue Jahrtausend, das endlich die Wende in eine glücklichere Zeit bringen sollte. Das Interesse an Schloss Neugebäude war seit den archäologischen Grabungen in den 1980er Jahren geweckt worden. Schon lange Zeit davor hatte die kunsthistorische Fachwelt die überregionale Bedeutung des Schlosses erkannt und dessen Erhalt und Sanierung gefordert.  Nun war endlich diese Forderung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelang und hatte auch die Unterstützung der Politik erreicht. Ab 2001 wurde das Schloss schrittweise gesichert, revitalisiert und schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Heute gibt es dort ein buntes und breit angelegtes Veranstaltungsprogramm, vom Ostermarkt über den Sommer im Schloss bis hin zum Jahresausklang mit Adventzauber und Perchtenlauf, mit Kinderprogramm, Kabarett, Livemusik, Gastronomie und Schlossführungen. All das möchte Kinder und Erwachsene einladen im wahrhaft kaiserlich – historischen Ambiente den Alltag hinter sich zu lassen.

Und jetzt? Jetzt ist dort eine Teststraße der Gemeinde Wien eingerichtet. Also es ging alles sehr flott und freundlich vor sich. Es ist der Samariterbund, der die Tests abwickelt. Die Räumlichkeiten sind sehr stilvoll, wo das alles abläuft, teilweise stehen noch alte Möbel – etwas versteckt herum.

Ein Ausflug, auch ohne Impfung, zum Schloss Neugebäude lohnt allemal!

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