Im Museum, aus anderer Sicht

Das Kunsthistorische

Neulich, in der Kunstkammer, hatte ich Objekte gesehen, von denen ich annahm, dass sie meinem 9-jährigen Enkel interessieren/gefallen könnten. Es sind diese wunderbaren Objekte, die die Tafeln der Fürsten zierten, die sich, nach Aufziehen, nicht nur bewegen konnten, sondern Musik machen, schießen, Augen rollen etc. etc. konnten. Und man sieht diese Objekte nicht nur statisch in einer Vitrine stehen, sondern man kann auch den jeweiligen Mechanismus in einem Video sehen; die Bildschirme sind dort in die Sitzgelegenheiten eingebaut. Das wollte ich meinem Enkel zeigen, der sehr geschickt z.B. seine Kugelbahnen baut – warum sollten ich nicht auch die so gennannten Kugeluhren interessieren.

Mir war ein wenig flau zu Beginn des Ausflugs, würde er das alles „alt und fad“ finden? Ich wollte ihn völlig „frei“ in dieser Kunstkammer herumgehen lassen, ihn höchstens auf das ein oder andere aufmerksam machen und wenn’s ihm fad würde, sofort umdrehen und wieder gehen. Es kam anders, vielleicht auch weil ein weiterer Enkel, 19 Jahre, der ja bei mir wohnt, beschlossen hatte, auch mitzugehen.

Wir ließen den Neunjährigen auf alles zusteuern, das ihn interessierte, da lasen wir ihm dann die angebrachten Texte vor. Und wir versuchten, ihm die Objekte auch zu erklären. Viele Darstellungen kommen ja aus der griechischen Mythologie – der 19Jährige war wirklich gut und konnte daher vieles erklären und „G’schicht’ln“ dazu erzählen. Denn ohne Kenntnis der Mythologie und der Bibel ist ein Museum eigentlich unverständlich.

Selbstverständlich interessierten die beiden diese mechanischen „Tischdekorationen“ – zur Saliera erzählten wir ihre „Raubersg’schicht“. Und als wir dann am Ende angelangt waren – dort waren einige Säle gesperrt, war der Neunjährige wirklich enttäuscht.  Wir versprachen, wieder zu kommen.

Aber das Museum verlassen wollte er eigentlich nicht, In die Gemäldesammlung getraute ich mich nicht, mit ihm zu gehen – er war von der Architektur und der Ausstattung des Hauses sehr beeindruckt. Als ich einen Folder über ein „Treasure Hunt“ für Kinder im Museum fand, hielt er den Nächstkommenden an, und fragte danach. Man erklärte ihm, dass es jetzt überhaupt keine Veranstaltungen gäbe, keine Führungen und kein Café, aber nach einer Lockerung würde alles wieder zur Verfügung stehen – wann, naja, das wissen wir halt alle nicht.

Die Buben sausten noch das Stiegenhaus hinauf, um die Plastik dort anzusehen – Theseus und Minotaurus, und die Architektur umfassend zu bewundern – ich wartete, Siegensteigen ist nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung.  Aber noch bestand großes Interesse des Neunjährigen an ausgestellten Objekten. Also begaben wir uns in die Ägyptische Sammlung. Die Pyramiden brachten uns auf die Sieben Weltwunder – mein größerer Enkel erinnerte sich an fast alle (aber er hat ja die Maura erst kürzlich hinter sich), wir versuchten dem „Kleineren“ das Alter dieser Pyramiden klarzumachen, gar nicht so einfach. Auch war es schwer, ihm die Dimensionen zu erläutern. Die Hieroglyphen fand er recht interessant. Und die Särge im nächsten Raum faszinierten ihn wieder, wir versuchten die ägyptischen Begräbnisritualer zu erläutern, die Einbalsamierung. Wir erklärten ihm die diversen Götter mit ihren Tierköpfen. Wir zeigten ihm eine Karte des Nil, und versuchten ihm die Rolle des Nil für Ägypten zu erklären. Der “Größere“ erläuterte auch die Sozialstruktur – anhand der Malereien an den Wänden und den Unterschied zwischen den „starren“ Darstellungen der Ägypter und der dynamischen der Griechen – bei denen wir kurz begannen hineinzuschauen.

Dann allerdings wurden wir aufgefordert, das Museum zu verlassen. Auf eine „Nachts im Museum“, wie es im Film gezeigt wurde, wollten wir uns dann doch nicht einlassen. Kurz besuchten wir noch das Museumsshop, wo ich das Interesse des Knaben am Turmbau von Babel festgestellt habe – also demnächst zu Breughel.

Hinterher im Maria Theresien Park mit dem vielen zurecht geschnittenen Buchsbaum Hecken spielten die beiden noch Fangerl, der Bewegungsdrang nach so viel Herumgestehe war eindeutig. Mir wurde erklärt, dass dieser Park jetzt Zwidemu hieße, den Jugendliche als Treffpunkt erwählt hatten. Und weil so viel von Mythologie die Rede gewesen ist, zogen wir noch zum inneren Burgtor, um die die Heldentaten des Herakles zu bewundern. Der Größere konnte fast jeder Statuengruppe die Heldentat des Herakles zuordnen.

Dass wir beim Rückweg von dort unbedachterweise noch durch den Burggarten gegangen sind, erwies sich als Fehler, denn wir fanden uns eingesperrt. Der Kleinere wollte Hilfe mobilisieren, aber die Polizei, in dem Auto, das er diesbezüglich aufgehalten hatte, erklärte sich als unzuständig, und ich sah mich nicht in der Lage über einen Zaun zu klettern. Naja, meine beiden starken Enkel hoben den Zaun auf und ich konnte drunter durchschlüpfen. 

Ende gut, alles gut. Sogar noch ein kleines Abenteuer war bei dem Ausflug dabei.

Im Museum, aus anderer Sicht

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