Der Laie und die Politik

Oder muss ich schon Laiin sagen?

Geht es Ihnen auch so: Sie hören, Sie sehen ein Interview, im Radio, im Fernsehen, und der Interviewte antwortet partout nicht auf die gestellten Fragen, sondern spricht von etwa ganz anderem. Gute Interviewer bohren nach, weniger gute machen einfach mit ihrer Frageliste weiter. Und der Befragte kann sich hinterher die Hände reiben und stolz drauf sein, „was er/sie alles angebracht“ hat, meist sind es die partei-intern bekannten Stehsätze, die unsereinem bereits zu Hals heraushängen.

Gute Befragte können ihre Antwort so formulieren, dass sie nicht wie Stehsätze klingen und dennoch keine Antwort auf die gestellten Fragen geben, und schlechte, geben halt nur den nichtssagenden Stehsatz von sich.  Mich macht diese – derzeit weit verbreitete – Taktik ziemlich wütend. Wir Staatsbürger, Wahlvolk, wie auch immer man uns auch bezeichnen will, werden nicht gerne für Trotteln gehalten.

Neulich, bei einem Gespräch, das auch dieses Thema streifte, wurde mir erklärt, dass dieses Verhalten „gelehrt“ wird. Es gibt einen Begriff dafür, wie immer abgekürzt auf drei Buchstaben: NLP. Ich musste leider mein komplettes Unwissen zur Schau stellen:  NLP steht für das Neuro-Linguistische Programmieren und ist eine Sammlung von Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung psychischer Abläufe im Menschen, die unter anderem Konzepte aus der klientenzentrierten Therapie, der Gestalttherapie, der Hypnotherapie und den Kognitionswissenschaften sowie des Konstruktivismus aufgreift. Na Bumm!

NLP wurde in den 1970er Jahren innerhalb des Human Potential Movements entwickelt. NLP wurde als „das Studium über die Struktur subjektiver Erfahrung“ definiert. Ursprüngliches Ziel der NLP-Entwickler war es, die Wirkfaktoren erfolgreicher Therapie herauszufinden und an andere weitervermitteln zu können. Sie vermuteten, dass es sich bei den Wirkfaktoren vor allem um die kommunikativen Fähigkeiten und Verhaltensweisen der Therapeuten selbst handelt und nicht primär um die gewählte fachliche Ausrichtung.

Die meisten NLP-Anwender und -Verbände betrachten dagegen NLP weder als Wissenschaft noch als eine Form der Psychotherapie, sondern als ein Modell menschlichen Lernens und menschlicher Kommunikation. Es gehört heute neben der Transaktionsanalyse, dem Psychodrama, der themenzentrierten Interaktion und einigen anderen Verfahren zu den am weitesten verbreiteten Methoden der Kommunikations- und Verhaltenstrainings auf dem Weiterbildungsmarkt. Die Werkzeuge des NLP werden vor allem außerhalb des akademischen Lehrbetriebes weiterentwickelt und laufend ergänzt.

Was das jetzt alles mit dem Nichtbeantworten im Interview Fragen zu tun hat, ist nicht so einfach zu ergründen – aus den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen. Bei diesem Training geht es um die Stärkung innerer Ressourcen, ein Schwerpunkt besteht in die Aufarbeitung der Vergangenheit des Klienten (im konkreten Fall des Politikers) mit besonderem Augenmerk auf Veränderungsarbeit in den kritischen Bereichen (Interventionen, z. B. HistoryChange, Neuprägung). Ressourcenstärkung dient zur Überwindung von Problemen, Schwellenängsten, Blockaden oder Störungen. Der Klient kann mit Hilfe von NLP-Formaten auch in eine leichte Trance (ohne bewusstseinserweiternde Elemente) geführt werden und in dieser Entspannung innere Bilder oder Gefühle betrachten. Das hängt vom Ziel der Intervention und von den vorhandenen Ressourcen der Beteiligten (Berater und Klient) ab. Die wichtigsten Bestandteile im laufenden Prozess sind die Autosuggestion, das Dissoziieren, das Ankern und das Reframing.

Das Instrumentarium kann sich für manipulative Veränderungen beim Klienten eignen, die diesem nicht bewusst sind. NLP befasst sich im weitesten Sinn mit menschlicher Kommunikation und kann als eine auf stetige Weiterentwicklung angelegte Methodensammlung angesehen werden. Anhänger dieser Sichtweise betrachten NLP als eine Vielzahl einzelner, voneinander abgegrenzter Handlungsanweisungen (sogenannter NLP-Formate) für die Arbeit mit Menschen in Veränderungssituationen. Andere NLP-Anwender sehen weniger die Methoden und die Formate im Vordergrund, sondern die konstruktivistische Sicht auf Kommunikation und die lösungsorientierte Herangehensweise des NLP.

NLP nimmt für sich in Anspruch, umfassend anwendbare Werkzeuge für die unterschiedlichsten Probleme zur Verfügung zu stellen. Als Grundannahme dient die Auffassung, dass es ein sogenanntes „subjektives Wahrheitsempfinden“ gibt.

Wenn ich das alles halbwegs richtig verstehe, ich bin kein Fachmann – oder soll ich Fachfrau sagen – auf dem Gebiet, geht es einerseits darum, dass die Politiker in dieser Methode ausgebildet wurden, aber und besonders darum, die Methoden der Kommunikation für ihre „Klienten“ also das Wahlvolk anzuwenden.

Geübte Politprofis meinen, sie können an der Haltungs- und Sprechweise der Politiker erkennen, ob diese NLP geschult sind oder nicht. Sie meinen auch, dass es Politiker einer bestimmten Partei sind, die dieser Schulung unterzogen wurden. Soweit bin ich noch lange nicht. Wahrscheinlich setze ich auch Ehrlichkeit bei anderen voraus und erwarte sicher nicht „manipuliert“ zu werden.  Aber wahrscheinlich bin ich zu harmlos. Aber denken kann ich mir schon, dass eine derartige Schulung, NLP zusammen eingesetzt mit Message Control zu den gleichförmigen Nicht-Antworten mancher (vieler) Politiker bei Befragungen führen kann.   

Also: passen wir auf!

Der Laie und die Politik

2 Gedanken zu “Der Laie und die Politik

  1. Ich finde die nichtssagenden Anworten von Politikern höchst ärgerlich. Ich wünschte mir, dass die Interviewer da mehr nachbohren würden. Sie sollten die Frage so oft wiederholen, bis sie eine aussagekräftige Antwort erhalten haben.

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