Reiseerinnerungen – ohne Beschreibung von Sehenswürdigkeiten

Seltsam, was so von interessanten Reisen letztlich im Gedächtnis bleibt.

Manchmal kommen „Erinnerungsfetzen“ von früheren Reisen: wenn ich in einem Magazin Bilder von z.B. Lyon sehe. Dann fällt es mir wieder ein…

Mein Mann und ich hatten eine Flusskreuzfahrt auf der Rhone geplant.  Reisen war für uns damals selbstverständlich (wo sind die Zeiten!), aber nicht ganz einfach, da mein Mann behindert war und einen Rollstuhl benötigte. Also fuhren wir mit dem Autozug bis Feldkirch, mit dem Auto durch die Schweiz – bei herrlichem Wetter – und dann bis Lyon.

Dort hatten wir ein Hotel gebucht, das von der Kreuzfahrgesellschaft empfohlen worden war. Hinzuzufügen ist, dass die Reise vor dem Zeitalter der Navigationssysteme in Autos stattfand – also musste man sein Ziel mithilfe von Stadtplänen (etwas rudimentär von der Kreuzfahrgesellschaft geliefert) suchen.  Ich hatte mir (wie immer) genau überlegt, wie ich anfahren wollte, nur klappte das überhaupt nicht. Wir waren plötzlich mitten in der verwinkelten Stadt, es war heiß, es war viel Verkehr und relativ bald wurde es sinnlos weiter „zu kreisen“. Wir hatten es eigentlich nicht eilig, denn das Schiff legte erst am nächsten Tag zu Mittag ab, aber ich wurde(leider) ziemlich hektisch. Ich parkte das Auto, ob es dort erlaubt war oder nicht, scherte mich wenig, denn mein Mann blieb im Auto sitzen. Ich machte mich vorerst einmal zu Fuß auf, um das Hotel zu finden – oder einen genaueren Stadtplan zu kaufen. Ich wollte eigentlich nur ganz kurz „weg“ sein, ließ Handtasche – und damit das damals och altmodische Handy, mit dem man nur telephonieren konnte – im Auto (nicht sehr schlau). Ich probierte es mit Fragen an Passanten – das funktionierte überhaupt nicht.  Ich war „reisemäßig“ bekleidet (Jeans und Leiberl), etwas abgehetzt und die Leute hielten mich wohl für eine Bettlerin – vielleicht war mein Französisch auch zu sehr „eingerostet“. Ich irrte ziemlich verzweifelt herum, ein Geschäft, indem ich einen Plan kaufen könnte fand ich nicht, ebenso suchte ich vergeblich nach einer Touristeninformationsstelle. Nachdem ich mich nun auch zu Fuß fast verlaufen hätte, nahm sich endlich eine junge Frau meiner am. Sie selbst kannte das Hotel nicht, konnte aber mit den Straßennamen der Adresse etwas anfangen, also fanden wir nach einiger Zeit gemeinsam das Hotel.

So, jetzt galt es noch das Auto wieder zu finden, da ich mir in meiner Hektik natürlich den Straßennamen des Parkplatzes nicht gemerkt hatte. Getreulich begleitete mich die junge Französin, bis wir auch meinen verstörten Mann und das Auto wiederfanden. Er war schon ganz verzweifelt gewesen, da meine Suche so lang gedauert hatte. Da sein Französisch wesentlich besser war, als meines, hatte er einem Polizisten auch erklären können, warum das Auto in einer Verbotszone geparkt war.

Die junge Dame setzte sich zu uns ins Auto, dirigierte mich aus der verwinkelten Stadt hinaus auf die Uferstraße der Rhone, von wo man ganz einfach zum Hotel abbiegen konnte. Naja, ein klassisches „gewusst wie“. Wir ließen uns dann erschöpft und für ein Mittagessen reichlich verspätet im Restaurant nieder, die junge Dame hatte leider unsere Einladung mit uns zu essen abgelehnt.

Problemlos fanden wir am nächsten Tag das Schiff, konnten unser Zeug dorrt verladen und das Auto auf dem für „Kreuzfahrer“ vorgesehen Parkplatz hinterlassen. Die Flussreise Rhone-Saône war wirklich großartig, mit vielen interessanten Ausflügen, „Millimeterarbeit“ des Kapitäns bei den vielen Schleusen, für mich leicht verstörend die vielen (Atom-)Kraftwerke, das Abräumen des Decks, wenn man unter einer Brücke durchfuhr.  Bei Arles drehten wir um und fuhren den ganzen Weg zurück mit einem „Schlauferl“ die Saône hinauf bis nach Tournus.

Und dann landeten wir wieder in Lyon. Da man das Schiff schon sehr früh verlassen musste, packten wir nur unser Gepäck ins Auto und machten uns zu Fuß/mit Rollstuhl auf den Weg in die Stadt, diesmal wollten wir doch (unhektisch) ein paar Sehenswürdigkeiten anschauen. Aber zuvor war Zeit für ein Frühstück. Wir ließen uns in einem Café nieder (saßen selbstverständlich auf der Straße) bestellten einen Kaffee auf französische Art zubereitet und ich nahm das zu Croissant. Mein Mann lehnte das Croissant erst einmal ab, kostete aber dann bei mir. Was soll ich Ihnen sagen, wir verdrückten miteinander 3 köstliche Croissants. Nie wieder habe ich solche Croissants gegessen, wie damals (ich lehne auch alles ab, was bei uns so unter diesem Namen verkauft wird.)  Sehenswürdigkeiten und Museen beschäftigten uns den ganzen Tag. Aber für den Abend hatte mein Mann schon vorher einen Tisch für uns zwei in einem renommierten Feinschmeckerlokal reserviert, schließlich waren wir doch in Lyon. Ich kann mich nicht genau erinnern, was wir gegessen haben. Mein Mann hatte selbstverständlich crustacés bestellt – und die kommen halt in ihrer Schale. Da war nun wieder ich gefordert, das erforderliche Werkzeug lag ja neben dem Teller – ich mühte mich redlich, aber an einer kleinen Schnecke scheiterte ich. Mein Mann – Sie wissen schon, mit dem besseren Französisch, bat den Kellner mir zu helfen. Mit tiefer Befriedigung nahm ich wahr, dass auch er nichts aus dem verschlungenen Gehäuse herausbrachte.

All das ist mir eingefallen, als ich ein Bild von Lyon in einem Reisemagazin sah – und das ist mir viel intensiver im Gedächtnis geblieben als viele der wunderbaren Sehenswürdigkeiten dieser Reise. Leider!

Reiseerinnerungen – ohne Beschreibung von Sehenswürdigkeiten

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