Ein nostalgisches Filmerlebnis

Hallo Dienstmann

Ich geb’s ja zu: Hallo Dienstmann ist eine anspruchslose Komödie, aber ich habe sie schon früher, zusammen mit meinem Mann gesehen. Dieser – und sein Bruder – konnten endlos und herzlich lachen über die Dahlie für die Amalie… Diese Verwechslungskomödie (gestern auf ORF III) wurde von einigen grandiosen Schauspielern gespielt, die – so schein es mir, zu mindestens auch ihre „Hetz“ dabei gehabt haben, das ist besonders erkennbar aus der Szene mit der schweren Kiste. Drehbuch und Regie wurde von dem für derartige leichte Komödien begnadeten Franz Antel übernommen.

Paul Hörbiger ist mir aus grandiosen Rollen im Burgtheater, wie aber auch aus anderen seichten, weinseligen Filmen bekannt. Und der grantelnde Hans Moser ist jedenfalls – in diesem, aber auch anderen Filmen und Theaterstücken z.B. in der Josefstadt bekannt, dass er einfach ein geniales Unikat war. Aber auch in den Nebenrollen war der Film grandios besetzt – die Annie Rosar, meist leider nur in Nebenrollen zu sehen, spielte hier die mütterliche Schwester von Hans Moser. Susi Nicoletti, mimte vortrefflich die maliziöse, immer noch in ihren geschiedenen Mann verliebte Ehefrau. Ein Kabinettstück.

Dabei weiß ich, dass jungen Menschen diese meine verklärte Sicht auf die Schauspieler meiner Zeit völlig fremd ist. Wie ich neulich mit meinem Enkel auf dem Zentralfriedhof bei den Ehrengräbern der vergangenen Mimen stand, konnte er nur seinen Kopf schütteln.

Kurz zum Inhalt (für alle jene Jüngeren, die den Film noch nicht gesehen haben und ihn wahrscheinlich auch nicht sehen werden):

Der Musikprofessor Ferdinand Godai geht als Dienstmann Nr. 106 auf einen Maskenball, auf dem er seine geschiedene Frau Susi trifft, die ihn zurückhaben will. Auf demselben Ball flirtet der Pianist Alexander Lischka mit Hansi Scheidl und stellt sich ihr als Sohn eines angesehenen und einflussreichen Diplomaten vor. Am nächsten Morgen holt der Dienstmann Anton Lischka Gaby Brandstätter vom Südbahnhof ab. Da das Gepäck Gabys zu viel für Lischka ist, engagiert dieser kurzerhand den bereits stark angeheiterten Godai, der sich in einem nahegelegenen Wirtshaus zum Frühschoppen befindet, und gemeinsam transportieren sie die Koffer und Kisten nach Hause. Dort kämpfen beide mit einer großen Holzkiste (eine der berühmtesten Szenen der österreichischen Filmgeschichte). Godai wird in Gabys Wohnung vom Schlaf übermannt und verliert seine Zigarettendose. Am nächsten Tag tritt Gaby Brandstätter ihre Stelle im Konservatorium als Assistentin Godais an, erkennt ihn aber zunächst nicht als den falschen Dienstmann. Daraufhin entspinnt sich um die verlorene Zigarettendose ein amüsantes Katz-und-Maus-Spiel, in dessen Rahmen Lischka bemerkt, dass er einem falschen Dienstmann aufgesessen ist. Er schwört furchtbare Rache. Susanne Godai sieht die Romanze zwischen Godai und Gaby mit Sorge und beginnt eine Intrige, an deren Ende sie selbst als Verliererin dasteht. Bei der Semesterschlussaufführung – das Singspiel „Hallo Dienstmann“ steht auf dem Programm – kann der „Dienstmann“ vor Lampenfieber nicht auftreten und Godai muss seine Rolle übernehmen. Lischka, der der Hauptdarstellerin Hansi Blumen überreichen soll, stürmt auf die Bühne, um den falschen Dienstmann dingfest zu machen. Nachdem der Irrtum aufgeklärt wurde, singen beide das berühmte Schlusslied „Hallo Dienstmann“.

Aber ich hab drüber nachgedacht, was nun den Reiz dieses Films für mich ausmacht. Vieles – höchst unbedeutendes – wurde gezeigt, wie es früher – also in meiner Jugend – halt so war. Das Telephon mit den Wählscheiben, das Telephonhüttl (darüber habe ich früher schon einmal geschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2017/12/), die allgegenwärtigen Uniformen von diversen Beamten, die handgezogenen Wagen im Straßenverkehr … Aber auch das Rauchen in allen Lebenslagen und von allen Bevölkerungsschichten (eine Tabatiere spielt ja eine zentrale Rolle in den Film – und mein Vater benütze auch noch so ein Ding, diverse – ich glaube silberne  – derartige Objekte kugeln auch noch irgendwo bei mir herum) wäre heute zum Glück ein völliges Tabu. Auch das Schwipserl hat (ich meine: zum Glück) seinen Charme verloren, da im Autoverkehr von allen mir bekannten Jugendlichen das Alkoholverbot striktest eingehalten wird. Die gnadenlose „Moral“, die damals herrschte – das verliebt Paar ist eine Nacht im Konservatorium eingesperrt, und er singt ihr ein umgetextetes Schlaflied, ist anderen Verhaltensweisen gewichen.

Dennoch, es war ein bisserl meine Jugendzeit, die in dem Film – sehr verschönt – abgebildet wurde, und das macht nostalgisch. Probleme, die es damals reichlich gab, wurden komplett ausgeblendet, nur ein bissel merkt man von der doch noch herrschenden gesellschaftlichen Hierarchie, wenn man das Verhalten des Friseurehepaare, des Dienstmannes und seiner Schwester im Vergleich zu den Herren des Konservatoriums wahrnimmt.

Aber – gut und unbeschwert unterhalten, ja das hab ich mich dennoch, und das war doch eigentlich die Absicht dieses Films: oder nicht?

Ein nostalgisches Filmerlebnis

2 Gedanken zu “Ein nostalgisches Filmerlebnis

  1. Ich liebe unbeschwere Unterhaltung, sei es im Theater, als Film oder als Buch. Es gibt Probleme genug auf der Erde, die man beim Genuss einfach ausblenden kann – und das auch tun sollte. Es muss nicht jeder Roman, jedes Theaterstück, jeder Film problembehaftet sein. Sich einfach berieseln lassen – das tut so gut!

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