Lehren aus der Ausstellung „Wenn aus Lebensmitteln Müll wird“.

Im Naturhistorischen Museum in Wien

Wir waren im Naturhistorischen Museum; da es ja nicht weit von mir liegt, sind wir zu Fuß hingegangen, es hat leicht genieselt – aber derartiges stört mich eigentlich nicht besonders. Die Ausstellung, die wir uns ansehen wollten, hat den Titel „Wenn aus Lebensmitteln Müll wird“.

Eindrucksvoll, und mit viel Zahlenmaterial unterlegt, wird einem ziemlich drastisch gezeigt, was man im Grunde ohnedies schon lange weiß: es werden viel zu viele Lebensmittel weggeworfen. Die Darstellung beginnt am Ursprung: wenn die Früchte, das Gemüse, nicht den Anforderungen genügt, dann wird es gar nicht „mitgenommen“, sondern gleich wieder eingeackert. Bereits da beginnt Gutes bereits zum Müll zu werden.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es unvorstellbar, genießbare Lebensmittel wegzuwerfen. Das hat sich inzwischen radikal geändert. Schätzungen zufolge landet mindestens ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion auf dem Müll, mit drastischen sozialen und ökologischen Folgen. Und dabei sollte nicht vergessen werden, dass das „nur“ ein Problem der ersten Welt ist – denn weltweit wird weiterhin gehungert. Die Unterernährung und der Hunger werden in der Ausstellung unserer Wegwerfwelt nicht gegenübergestellt – würde vielleicht den Rahmen dieser Darbietungen sprengen.  

In Ländern mit hohem Einkommen hingegen sind Lebensmittelverluste zumeist auf die Normen des Handels oder die Sorglosigkeit der Konsumenten zurückzuführen. Hier kann man sich Lebensmittelverschwendung einfach leisten! Können wir das wirklich? In jedem österreichischen Haushalt landen jährlich bis zu 133 Kilogramm an genussfähigen Lebensmitteln im Müll. Das entspricht einem Wert von 250 bis 800 Euro!

Aber es sind nicht nur wir, die Konsumenten, die gnadenlos wegwerfen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum, umgangssprachlich oft als Ablaufdatum bezeichnet, ist nur einer von vielen Faktoren für den Verlust von Lebensmitteln. Zumeist bleiben sie über dieses Datum hinaus genießbar (Jogurt, habe ich gestern gelernt, bis zu 3 Monate – ungeöffnet!), doch der Handel entsorgt die Ware in der Regel bereits vor diesem oft zu knapp bemessenem Datum, um Platz für Neues zu schaffen. In Ländern mit geringem Einkommen gehen Lebensmittel oft wegen mangelhafter technischer Ausstattung bei der Ernte, während der Lagerung oder beim Transport verloren, beispielsweise infolge einer unterbrochenen Kühlkette.

Das Recht auf Nahrung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Gleichzeitig belastet die Herstellung von Nahrungsmitteln die natürlichen Ressourcen der Erde. Ein Drittel aller Klimagase stammt aus der Lebensmittelerzeugung. Eine bloße Halbierung des Lebensmittelmülls würde ebenso viele Klimagase sparen, wie eine Stilllegung jedes zweiten Autos. Die Verschwendung von Lebensmitteln werden wir uns bald nicht mehr leisten können! Drastisch wird uns in der Ausstellung vor Augengeführt, welche Konsequenzen unser Fleischverzehr hat – im Vergleich zu Nahrung mit z.B. Reis und/oder Gemüse.

Die Jungen in meiner Familie haben schon recht, wenn sie darauf bestehen, dass vegetarisch gelebt wird. Ganz schaffe ich es ja noch nicht, aber meine Fleischverzehr habe ich drastisch eingeschränkt. Wir haben uns auch überlegt, wie noch immer so viele Schweine in Österreich produziert werden – aber ich glaube, dass das auf unseren Verzehr von Wurstwaren zurückzuführen ist und weniger unsere Lust auf Schweinsbraten und Stelzen.

Es wird auch gezeigt, warum noch immer so viele Tiere nicht artgerecht gehalten werden: sehr viel dieser Billigware geht in die Produktion von Fertiggerichten, die wir alle ganz gern (in meinem Fall eher selten) essen. Kindern ist heutzutage die Mikrowelle vertrauter als die Bratpfanne.

Ja, wir wissen es: aber dennoch wird uns in der Ausstellung wieder vor Augen geführt, wieviel Müll wir produzieren. Ich weiß, welche Konsequenzen es hat (und hab gleich wieder daran gedacht, dass unser österreichischer Müll aus Malaysia wieder zurückgekommen ist) aber wie ich ihn wirklich vermeiden soll, weiß ich auch noch nicht. Ich verwende keine Plastikflaschen, aber da sind die vielen “Plastikg’schirrln“ in denen das „heikle“ Obst verpackt wird, ja, lose verpackt – das war einmal. Aber wenn jetzt der „bedienungslose“ Supermarkt kommt (im Zuge der Digitalisierung), dann wird wohl alles verpackt sein müssen. Über diese Probleme sollten wir alle nachdenken.

Dann kommt noch der Transport vieler Güter, die uns selbstverständlich sind. Ich bin noch nicht bereits, selbst nach Besuch dieser Ausstellung, ganz auf Produkte aus „Übersee“ zu verzichten. Aber ich weiß, wir müssen verstärkt auf die Arbeitsbedingungen in Ländern achten, aus denen wir Lebensmittel verzehren. Ich mag auch Lebensmittel, die man nicht das ganze Jahr über bekommt – wie z.B. Bärlauch, oder Pilze. Aber andererseits, auf alles zu verzichten, das nicht aus der eigenen Region kommt, das fällt mir schwer. Auf manches könnte man warten – wie z.B. den Marchfelder Spargel. (Jetzt wird z.B. Spargel aus Südamerika angeboten).

Nicht zu vergessen, es wird auch – am Rande – vorgeführt, wie sehr wir derzeit unsere Böden durch Verbauung belasten.

Ja, wir müssen alle unser Konsumverhalten ändern, für das Klima, für unsere Umwelt, für unsere Kinder und Enkel, ja, auch für unsere Geldbörse.  Ich glaube, dass viele, die diese Ausstellung besuchen (und es waren nicht wenige gestern) vieles bereits wissen, aber es drastisch vor Augen geführt bekommen, die Konsequenzen sehen, den Umgang zu erkennen – das sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Vielleicht sind noch Aspekte dabei, die Sie selbst nicht gekannt haben und die sie jetzt „zur Umkehr von ihren – schlechten – Gewohnheiten“ bringen.

Die Ausstellung ist lohnend und dann können Sie (und Ihre Kinder) gleich viele der Schätze des Naturhistorischen Museums genießen und vieles dabei spielerisch lernen.

Lehren aus der Ausstellung „Wenn aus Lebensmitteln Müll wird“.

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