Eleonore von Aquitanien (Teil 2)

Kriegsjahre in Frankreich, Kreuzzug, Eheannulierung, Heirat mit Heinrich Plantagenet

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März habe ich begonnen über die faszinierende Eleonore von Aquitanien zu berichten (https://christachorherr.wordpress.com/2021/03/04/eleonore-von-aquitanien-teil-1/)

Die Kriegszüge Ludwig VII, selbst wenn sie der Erweiterung des Territoriums von Eleonore dienen sollten, verliefen nicht immer besonders glücklich, z.B. die Rückeroberung der Grafschaft Toulouse.   Er legte sich auch mit dem Papst an und wurde prompt exkommuniziert. Dann kam es zum Kriegszug gegen die Champagne; zu den erklärten Kritikern des Kriegszuges in der Champagne gehörte auch Bernhard von Clairvaux. Der Nachfolger von Papst Innozenz, Papst Coelestin II., hob zwar die Exkommunikation von Ludwig auf, die Gesundheit des Königs war durch all diese Auseinandersetzungen angegriffen – Ludwig ließ sich die Haare wie die eines Mönches scheren, begann einfache Kleidung in mönchsgrauer Farbe zu tragen, fastete drei Tage in der Woche und verbrachte Stunden des Tages im Gebet. Nun wurde auch die Rechtmäßigkeit der Ehe zwischen Eleonore und Ludwig hinterfragt.

Am 1. Dezember 1145 erließ Papst Eugen III. eine Bulle, in der er König Ludwig und alle Christen Frankreichs aufforderte, den Glaubensgenossen im Heiligen Land zu Hilfe zu eilen. Eine ähnliche Bulle richtete sich an den römisch-deutschen König Konrad III., denn 1144 hatte Emir Imad ad-Din Zengi die Grafschaft Edessa erobert, einen der vier ursprünglichen Kreuzfahrerstaaten. Am Ostersonntag, dem 31. März 1146, predigte Bernhard von Clairvaux auf freiem Feld und forderte die versammelte Menschenmenge auf, sich dem Kreuzzug anzuschließen. Ludwig und Eleonore waren die ersten, die das Kreuz nahmen. Mitte Juni 1147 brachen die Kreuzfahrer von Metz auf. Eleonore und Ludwig reisten voneinander getrennt. Übergriffe auf die Bevölkerung in den Landesteilen, durch die die Kreuzfahrer zogen, belegten bereits während der ersten Woche dieses Kreuzzugs, dass Ludwig nur begrenzt fähig war, seine Befehle unter den Kreuzfahrern durchzusetzen. Die Kreuzfahrer in Kleinasien wurden bereits von einem türkischen Heer angegriffen und entscheidend geschwächt. Im März 1148 traf Ludwig mit einem Zehntel des ursprünglichen Kreuzfahrerheeres in Antiochia ein und wurde dort von Raimund von Antiochia empfangen, einem jüngeren Bruder von Herzog Wilhelm X. von Aquitanien und somit ein Onkel von Eleonore. Sieben Jahre älter als Eleonore, hatte er 1136 die Erbin des Fürstentums Antiochia Konstanze geheiratet und stand seitdem an der Spitze des Prinzipats.

Der König und die Königin überwarfen sich, als Ludwig nach Jerusalem weiterziehen wollte, während Eleonore vorzog, in Antiochia zu bleiben. Ludwig erzwang schließlich die Mitreise Eleonores nach Jerusalem. Auf der Rückreise nach Frankreich im April 1149 gelang es Papst Eugen III. zunächst, die beiden Ehepartner wieder miteinander auszusöhnen. Eleonore brachte 1150, etwa ein Jahr nach der Rückkehr aus Jerusalem und fünf Jahre nach der Geburt von Marie, eine zweite Tochter zur Welt.

Dennoch wurde am 21. März 1152 die Ehe zwischen Eleonore und Ludwig auf dem Konzil von Beaugency in Anwesenheit mehrerer Erzbischöfe annulliert. Mehrere Zeugen hatten zuvor die enge Blutsverwandtschaft zwischen den Ehepartnern bestätigt. Für die Trennung dürfte ausschlaggebend gewesen sein, dass nach fünfzehn Jahren Ehe noch kein Thronfolger geboren war. Vormund der gemeinsamen Töchter Marie und Alix wurde Ludwig. Eleonore erhielt die Ländereien zurück, die sie in die Ehe eingebracht hatte. Sowohl Eleonore als auch Ludwig war es durch die Annullierung möglich, sich wieder zu verheiraten. Als Vasallin Ludwigs hätte Eleonore theoretisch vor einer neuen Ehe die Zustimmung Ludwigs benötigt.

Eleonore heiratete am 18. Mai 1152 ohne Zustimmung ihres Ex-Ehemanns und Lehnsherren den elf Jahre jüngeren Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou und Herzog der Normandie. Sowohl für Eleonore als auch Heinrich war die Verbindung sinnvoll: Eleonore war nach der Eheannullierung nicht nur von gewaltsamen Eheanbahnungen bedroht, sondern brauchte auch einen wehrhaften Partner, um ihren Herrschaftsanspruch in ihren Gebieten durchzusetzen. Heinrich war zudem einer der wenigen standesgemäßen Ehepartner, die überhaupt in Frage kamen. Eine Ehe mit Eleonore würde Heinrichs Ressourcen erheblich vermehren, mit denen er seinen Anspruch auf den englischen Thron betreiben konnte. Eleonores Erbe würde Heinrichs Herrschaftsgebiet auf dem europäischen Kontinent mehr als verdoppeln; das um ihr Erbe vermehrte Gebiet vom Ärmelkanal bis zu den Pyrenäen, das direkt unter seiner Herrschaft stehen würde, umfasst das halbe heutige Frankreich und war zehnmal so groß wie die damalige französische Krondomäne. Gegen die Ehe mit ihr sprach, dass sie Ludwig möglicherweise zu Gegenreaktionen provozieren und damit Streitkräfte Heinrichs auf dem europäischen Kontinent binden würde, die er doch für die Durchsetzung seiner Ansprüche in England benötigte. Heinrich brauchte außerdem Erben, die mittlerweile schon 30-jährige Eleonore hatte aber bislang nur zwei Mädchen zur Welt gebracht.

Am 19. Dezember 1154 wurden Heinrich und Eleonore vom Erzbischof von Canterbury in Westminster in London gekrönt, nachdem bereits Wilhelm, der erste Sohn aus der Ehe Eleonores mit Heinrich, zur Welt gekommen war. Eleonore hatte in den ersten Jahren der Ehe eine große Vertrauensstellung inne. Sie konnte beispielsweise Zahlungen aus der Staatskasse eigenständig veranlassen und übte in Abwesenheit ihres Mannes über Jahre die Regentschaft in England aus, wo sie die meiste Zeit lebte. Ihre Verfügungen hatten dieselbe Rechtskraft wie Anweisungen des Königs. Heinrich übereignete ihr auch bereits kurz nach Beginn seiner englischen Herrschaft einige der traditionellen Witwengüter der anglo-normannischen Königinnen. So gehörten ihr 26 über 13 englische Grafschaften verstreute Pfründen. Ihre Einkünfte beliefen sich auf einen Betrag, der den Einkünften der reichsten Earls oder Barone des Königreichs gleichkam.

(wird fortgesetzt)

Eleonore von Aquitanien (Teil 2)

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