Vermischtes aus Christas Greislerei

Skurriles aus Wien, aber auch Interessantes aus Äthiopien

Wenn ich die Hubschreiber kreisen höre, dann weiß ich, dass in Wien eine oder mehrere Demos (möglicherweise verbotener Weise) stattfinden. Normalerweise verlasse ich das Haus dann vorsichtshalber nicht. Aber gestern war ich zu einer Jause eingeladen und auf so etwas freut man sich dann doch besonders, jeder hat schon ein Testzeugnis für solche Anlässe (meine Gastgeber waren geimpft).

Also machte ich mich auf den Weg. „Wien im Belagerungszustand“   mag ich gar nicht, überall sind diese grauslichen Gitter aufgebaut. Naja, in der nächsten Quergasse fragte ich zwei Polizisten ob die Ringwagen (Straßenbahnen um den Ring) führen. Die sehr freundliche Antwort von zwei jungen Männern – hochgerüstet: „des was‘ i net, mir an aus der Steiermark (dort sind die Männer groß und stark …). Aber ich sah schon, fahnenschwingende Menschen gingen auf der Fahrbahn, also war meine Chance mit den Ringwagen fahren zu können, sehr gering.  Damit entschloss ich mich, zu Fuß durch die Stadt zu gehen, das Wetter war schön, die Sonne schien, nur ein bissel kalt war’s.  Bei der Albertina stieß ich auf einen weiteren Polizistencordon. Alles abgesperrt. Jetzt fing ich schon an, mich zu ärgern. Also fragte ich einen der wirklich zahlreichen Polizisten (viele Mannschaftswagen standen auch herum) wie ich denn zum Schottenring kommen könnte (dort wartete hoffentlich der 38er, um mich zu meiner wohlverdienten (?) Jause zu bringen). Er meinte, gehn’s zur U-Bahn, die fahr’n no. Ich erwiderte, das wäre wohl ein bissel mit der Kirchen ums Kreuz – und es wäre einfacher durch die Stadt zu gehen. Nun meinte der geduldige Polizist, das wäre für mich zu gefährlich – ein hinter mir angelangter – Herr meinte, dazu, wann wäre in Wien einem unbeteiligten Passanten etwas passiert. Der Polizist erinnerte an die Burschenschafter-Ball-Demonstrationen. Der bereits erboste Herr meinte dann, das wären aber die Linken gewesen. Da, fand ich, war der Zeitpunkt gekommen, mich auf andere Wege umzusehen. Den Gedanken, dass wir für derartige Situationen jetzt einen Qualtinger benötigten, um im Kabarett herzlich drüber lachen zu können, konnte ich kaum verdrängen. Ich versuchte den Weg über die Kärntnerstraße zu finden, durch den ganz engen Eingang quetschten sich viele Menschen (Abstand – der wäre einfach komplett unmöglich gewesen, naja) und durch die nächste Quergasse, konnte ich die von der Polizei eine Straße weiter blockierte Augustinerstraße völlig problemlos erreichen – soviel für die Effizienz der Absperrungen. Aber in Corona Zeiten habe ich gelernt, die Logik der Maßnahmen nicht mehr zu hinterfragen.

Beim eiligen – völlig ereignislosen – Queren der Stadt traf ich noch Freunde, die ebenfalls von einem Treffen mit Polizisten zu berichten wussten: auf deren Frage hin, warum denn gegen den Mob keine Wasserwerfer eingesetzt würden – wurde seitens des befragten Polizisten geantwortet: da sind doch alte Leute mit’m Rollator und Frauen mit Kinderwagen dabei …  Diese Überlegung sollte man bei Gelegenheit den Polizeibehörden in Hongkong, in Myanmar, in der Türkei, in Russland etc. mitteilen. Wien ist eben anders! Etwas verspätet kam ich dann dennoch zu der gemütlichen Jause!

Da man ja nicht so viel unternehmen kann, habe ich abends „ferngeschaut“. Ich war nicht wirklich lustig auf einen Krimi oder Ähnliches. Arte bot auch am Samstag am Abend eine interessante Dokumentation. Es ging um Äthiopien, ein Land, das mich schon lange fasziniert, in das ich aber (noch) nicht gekommen bin. Und es ging auch um Archäologie. Und da ich dieses Fach ja in meiner Jugend wirklich sehr gern studiert hätte, – ich habe mich dann der Vernunft meiner Eltern gebeugt und habe dann Wirtschaft studiert – faszinieren mich auch Steinsetzungen. Um solche zu sehen, nehme ich zuweilen ziemliche Strapazen auf mich – und belästige manchmal andere, die weniger daran interessiert sind[CC1] .  

Als vor knapp einem Jahrhundert eine Handvoll Forscher die riesige Steinsetzung im Herzen Äthiopiens entdeckte, fand die Nachricht kaum Beachtung. Dabei handelt es sich um mehr als zehntausend steinerne Phalloi, die über das gesamte Rift Valley hinweg verstreut sind! Die Stelen sind bis zu acht Meter hoch und wiegen mehrere Tonnen. In Westeuropa sind diese Anlagen weitgehend unbekannt. Über ihre Erbauer wissen bislang weder Historiker noch Prähistoriker Näheres. Ein kleines französisches Archäologenteam versucht seit einigen Jahrzehnten, der monumentalen Megalithformation ihre Geheimnisse zu entlocken. Während die Bevölkerung vor Ort noch wenig Notiz von den steinernen Zeugen zu nehmen scheint, werden sie von französischen Archäologen  unablässig beforscht. Der auf die Megalithkultur spezialisierte Prähistoriker führt gemeinsam mit Archäologen verschiedenster Disziplinen an mehreren Stätten gleichzeitig Grabungen durch, um die Rätsel der außergewöhnlichen Steinanlage zu ergründen. Die Dokumentation zeigt die Expeditionsteilnehmer bei ihrer Spurensuche in der afrikanischen Jungsteinzeit. Welches Volk, welche Zivilisation hat die phallischen Megalithen in einem so unzugänglichen Gebiet gefertigt, fortbewegt und aufgerichtet? Aus welcher Zeit stammen sie, und welchen Zweck erfüllten sie? Noch sind diese Fragen ohne Antworten.

Aber was mich besonders faszinierte, waren die Methoden, die eingesetzt wurden. Methoden, von denen man zur Zeit meiner Jugend keine Ahnung hatte, z.B. Drohnen.  Aber auch Forscher anderer Fachrichtungen, die ich bisher kaum kannte, sind an diesen Arbeiten beteiligt.

Ich sinnierte drüber nach, was aus meinem Leben als Archäologin wohl geworden wäre – ich weiß schon, dass solche Gedanken müßig sind!


 [CC1]

Vermischtes aus Christas Greislerei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s