Gedanken zu versteckten Gewässern in Wien

Es gibt Gewässer in Wien, die uns allen vertraut sind, dazu gehört selbstverständlich die Donau, der Donaukanal, die Alte Donau, der Wienfluss, die neue Donau – vielleicht noch der Liesingbach?  Dann gibt es auch noch verbaute Gewässer, die meist nur mehr in Straßennamen auftauchen:  Dornbach, Mauerbach, sowie Kasgraben oder Kaisergraben. Mir ist z.B. der Erbsen- oder Arbesbach bekannt, den ich als Kind noch neben der Straße fließen gesehen habe, der jetzt aber überdacht ist. Die Als hat besonders viele Namen in dieser Stadt geprägt: die Alszeile, die Alserbachstraße und der Alsergrund. Viele Straßen in Wien folgen ehemaligen Flussläufen, wie z.B. die Strauchgasse dem Ottakringer Bach.  Als die Wiener Bezirke noch Dörfer waren oder aus Dörfern bestanden, flossen viele Bäche durch die Gegend, die früher oder später ins Kanalnetz der Stadt eingebunden wurden oder einfach eingemauert wurden, damit Straßen drüber führen können. Ich selbst habe in der Währingerstraße gewohnt und es war mir lange nicht bewusst, dass darunter ein Bach fließt.

 Es sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass die Donau einstmals, vor den verschiedenen Regulierungen, in vielen Armen durch Wien floss, somit der Erste Bezirk direkt an der Donau lag – was z.B. aus dem Namen der Kirche Maria am Gestade hervorgeht. Dass hier auch der Salzhandel stattgefunden hat, bezeugt der Straßenname Salzgries.

Manchmal treten derart „eingeengte“ Bäche noch immer über die nicht mehr existenten Ufer und überschwemmen alles dort Verbaute – der Krottenbach ist berüchtigt für dieses Verhalten. Das ist aber nur einer von ehemals 70 Wienerwaldbächen.

Und jetzt möchte ich Ihnen einige Bäche mehr im Detail vorstellen: Haben Sie schon vom Halterbach gehört? Das ist kleiner, oberirdisch fließender, jedoch regulierter Bach, der am Fuß der Sophienalpe bei der Rieglerhütte entspringt, in südliche Richtung fließt, bis er in den Wienfluss einmündet; 1989 wurde das Betonbett mit Erde aufgefüllt und bepflanzt. Er is einer der wenigen Wienerwaldbäche die in ihrer vollen Länge oberirdisch verlaufen.

Wenn Sie in Hietzing wohnen, kenne Sie vielleicht den Grünauer Bach. Der Waldbach entspringt in der Nähe des Rasthauses Rohrhaus und fließt Richtung Norden durch den Lainzer Tiergarten. Er verläuft durch den Grünauer Teich. Außerhalb der Mauer des Lainzer Tiergarten unterquert der Grünauer Bach die Wientalstraße und mündet im Rückhaltebecken Auhof in Hütteldorf in den Wienfluss. Der Mündungsbereich des Grünauer Bachs war vor 1825 immer wieder Veränderungen unterworfen. Abhängig vom Verlauf des noch unregulierten Wienflusses verlagerte sich der Unterlauf des Bachs des Öfteren. Der Grünauer Teich geht auf Dammbauten Ende des 18. Jahrhunderts zurück und bildete sich bis 1875 heraus. Der Unterlauf des Grünauer Bachs wurde von 1895 und 1899 im Zuge der Errichtung des Retentionsbeckens Auhof reguliert. Dieses Retentionsbecken wurde von 1995 und 2001 renaturiert.

Auch der Lainzerbach hat seine eigene Geschichte. Er entspringt im Katzengraben im Südosten des Lainzer Tiergartens und mündete vor seiner Eingliederung in das Kanalsystem in den Wienfluss. Vor der Regulierung war der Bach 8,09 Kilometer lang. Im bewaldeten Gebiet bildeten sich leichte Mäander aus. Bei Lainz mündete der Lackenbach ein. Der Oberlauf des Lainzerbaches befindet sich im geschützten Gebiet des Lainzer Tiergartens und wurde, mit Ausnahme eines kurzen Abschnitts im Bereich der Hermesvilla, nicht verändert. Flussabwärts der Tiergartenmauer, vor allem im Bereich der Siedlungen, wurde der Flusslauf umfassend verändert. Bereits 1755 war ein mäandrierender Abschnitt bei Speising eingeengt und gestreckt worden, vermutlich um Siedlungsfläche zu gewinnen. Er mündete auch nicht mehr direkt in den Wienfluss, sondern flussabwärts der Hietzinger- beziehungsweise Faistmühle bei der Kreuzung Hietzinger Hauptstraße – Lainzer Straße in den Mühlbach. Zwischen 1780 und 1825 wurde der Lainzerbach im Mündungsbereich des Vösendorfer Grabens aufgestaut und so der Hohenauer Teich geschaffen. Von 1895 bis 1900 wurde der Lainzerbach auf einer Länge von 2194 m Meter ausgehend von der Mündung eingewölbt. Die restlichen 1624 Meter bis zur damaligen Tiergartenmauer wurden in den Jahren 1904 bis 1910 reguliert. In den Jahren 1994 bis 1998 wurde sein Flussbett im Abschnitt 400 Meter flussab des Lainzer Teiches renaturiert. 2012 wurde ein weiterer, etwa ebenso langer Abschnitt rückgebaut.

Um nicht nur in Hietzing zu blieben: Der Petersbach entspringt bei Perchtoldsdorf und mündet bei Maria Lanzendorf in die Schwechat. Nur etwa 1,5 Kilometer des Flusslaufes befinden sich auf heutigem Wiener Stadtgebiet. Im Westen der Gemeinde Siebenhirten mündete das Au Bachel ein, das zwischen Oberliesing und Rodaun entsprang und den Burggraben des Liesinger Schlosses speiste. Um 1800 wurde dieses in den abgeleitet. Trotz seiner geringen Abflussmenge trieb der Petersbach in Siebenhirten drei Mühlen an: am westlichen Ortsende die Mühle der Schellenhofer Brauerei, die seit 1719 bestand, die Teufelsmühle am östlichen Ortsende und eine weitere Mühle im Ortszentrum. Die Schellenhofmühle und die Teufelsmühle bestanden bis Anfang des 20. Jahrhunderts und wurden beide im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Betrieb der dritten Mühle dürfte schon früher, Ende des 19. Jahrhunderts, eingestellt worden sein. Im späten 18. und 19. Jahrhundert wurde die gesamte Abflussmenge in die Mühlbäche dieser Mühlen ausgeleitet. Im 20. Jahrhundert wurde der Lauf des Petersbachs im gesamten Wiener Stadtgebiet stark reguliert, und teilweise eingewölbt. Die offenen Strecken waren mit Trapezprofilen hart verbaut. 2012 wurde ein 200 Meter langer Abschnitt des Petersbach renaturiert.

Diese Geschichten der teilweise unsichtbaren Bäche Wiens macht doch Lust, sie bei Spaziergängen nachzuverfolgen und darüber nachzudenken, wie es denn wäre, wenn all diese vielen Bäche wieder geöffnet und renaturiert würden.

Mir gefiele dieser undurchführbare Gedanke!

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