Da staunte die Großmutter

Was einen 9Jährigen in einer Gemäldegalerie interessiert

Es war vereinbart – die Großmutter geht mit zwei Enkeln wiederum ins Museum: einer neun, der andere neunzehn. Ziel ist das Kunsthistorische Museum – wiederum, und da die Breughel Bilder. Die Großmutter ist nicht ganz sicher, ob eine Gemäldegalerie wohl das Richtige sein wird?

Das Abholen von der Schule ist diesmal wesentlich „geregelter“.  Ein Polizist steht vor dem Eingang und verhindert freundlich aber bestimmt das Gedränge der Abholenden bzw. der Kinder. Und schon seine Anwesenheit bewirkt, dass fast alle ihre Masken aufsetzen. Das halte ich für eine sehr sinnvolle Maßnahme. Danke dem Grätzelpolizisten!

Der 9Jährige ist müde, es gab Turnen in der Schule – im Turnsaal – höre ich (aber ich gebe zu, ich weiß nicht mehr genau, was nun in der Schule erlaubt oder verboten ist). Wohlweislich wird noch Proviant, diesmal Schokolade unterwegs eingekauft.

Akribisch wird der Studentenausweis des Älteren beim Kauf der Eintrittskarte überprüft. Der 9Jährige darf noch gratis ins Museum. Wir fahren mit dem Lift in den ersten Stock, eigentlich sollten wir ja die wunderschöne Treppe hinaufgehen, aber ich gebe zu, wenn ich Stiegen Steigen vermeiden kann, dann tu ich’s. Im Ersten Stock ist auch alles anders – Corona-bedingt.  Früher gab es überall Eingänge, jetzt gibt es halt nur einen! Das führt zu einem Rundgang und den Blick in den mittleren Saal, wo sonst das Kaffeehaus ist. Man ist schon immer wieder überwältigt von der Architektur und der künstlerischen Ausgestaltung dieses Museums.  Der Ältere fragt mich, wie lange wohl die Bauzeit war. Ich kann die Frage nicht beantworten – meine aber kurz, und schätze so fünf Jahre.

In der Zwischenzeit habe ich nachgesehen. Den Auftrag zum Bau des Museums gab Kaiser Franz Joseph I., der zu Weihnachten 1857 den Abriss der Stadtmauer entschieden hatte, im Zuge der 1858 anlaufenden Stadterweiterung. In der Folge wurden zahlreiche Entwürfe für die Ringstraßenzone eingereicht. 1867 wurde ein Wettbewerb für die Museen ausgeschrieben, und dabei deren heutige Platzierung festgelegt. Die beiden Museumsbauten sollten dabei im Stilempfinden der italienischen Renaissance errichtet werden. im Juli 1870 erging der schriftliche Auftrag an Semper und Hasenauer. Der Baubeginn der beiden Museen fand ohne Feierlichkeiten am 27. November 1871 statt. Das Kunsthistorische Museum wurde am 17. Oktober 1891 von Kaiser Franz Joseph I. offiziell eröffnet. (Also doch länger, als ich geschätzt hatte.) Das Beleuchtungs- und Klimatisierungskonzept mit einer doppelten Verglasung der Decken machte den Verzicht auf Kunstlicht (damals vor allem als Gasbeleuchtung) möglich, führte aber aufgrund dieser Tageslichtabhängigkeit zu saisonal unterschiedlichen Öffnungszeiten.

Nun betraten wir die Gemäldegalerie – da wir beschlossen hatten, dem 9Jährigen die Wahl zu lassen, was er anschauen wollte und wo er weitergehen wollte, waren wir sehr neugierig. Er steuerte schnurstracks auf ein großes Bild zu, auf dem ein Fischmarkt abgebildet war.  Naja klar, die Passion des Jungen ist Fischen. Was Fische betrifft, da kennt er sich wirklich aus. Da standen wir nun zu dritt vor diesem Fischmarkt und versuchten, die angebotenen Fische zu identifizieren. Dieses Bild werde ich nicht so bald vergessen, denn so im Detail habe ich selten ein derartiges Werk betrachtet. Die lebenden Seehunde beeindruckten uns besonders drauf.  Sie werden es nicht glauben, auf wie vielen Bildern des Kunsthistorischen Museums Fische zu sehen sind. Sie waren die Ziele des 9Jährigen.

Der Ältere versuchte auch auf andere Sujets aufmerksam zu machen – die griechische Sagenwelt war beiden bekannt, daher fanden wir dazu auch einiges, bei den biblischen Themen war’s schwieriger, der der Kleinere recht wenig Ahnung von den zugrundeliegenden Geschichten hatte.  

Endlich kamen wir in den Breughel Saal. Wenn ich zurückdenke, welches Gedränge bei der großen Breughel Ausstellung von einiger Zeit vor diesen Bildern geherrscht hatte und wie leer dieser (und die anderen Säle) gestern waren, wurde ich ein wenig traurig. Aber wir hatten den Turmbau von Babel für uns allein, konnten das Gemälde lange Zeit mit vielen der Details betrachten, dem „Kleineren“ erklären, dass es aufgrund dieses Turmbaus zur Sprachenverwirrung gekommen ist …. Auch manche der anderen Bilder Breughels erweckten das Interesse des 9Jährigen, die Bauernhochzeit, der Bauerntanz aber vor allem die spielenden Kinder. Wir versuchten die einzelnen Spiele daraufhin zu überprüfen, ob sie heute auch noch gespielt werden. Es gab aber da auch einige Anregungen, was man da so noch alles ausprobieren könnte. Fasziniert hat ihn auch „das Ende der Fasnacht und Beginn der Fastenzeit“, mit den maskierten und verkleideten Menschen. Wir versuchten auch noch auf die Bilder mit Eisläufern aufmerksam zu machen. Aber die Interessensspanne war schon abgelaufen.

Wir verließen das Museum, auf einem Bankerl um Zwidemu (Maria-Theresien-Park) wurde die letzte Schokolade verzehrt und dann begann das Fangerlspielen. Ich passte – naheliegender Weise. Noch kurz versuchten wir meinem kleineren Enkel die Werke der hier thronenden Maria-Theresia näher zu bringen, aber ich glaube, alles, was er sich gemerkt hat, war, dass Maria Theresia in der Kapzinergruft in ihrem Aufzug stecken geblieben war. Der Ältere meinte, dass ihm Gemäldegalerie Führungen lieber wäre – naja, Führungen dürfen in Corona-Zeiten nicht durchgeführt werden. n mit

Aber – der Wunsch bleibt aufrecht – wir gehen bald wieder ins Museum.

Da staunte die Großmutter

2 Gedanken zu “Da staunte die Großmutter

  1. Liebe Christa,
    wie schön ist es, wenn ein Neunjähriger so viel Freude an einem Museumsbesuch hat. Das liegt natürlich auch an der Oma, die ihm vermitteln kann, was es zu sehen gibt und worauf er achten muss. Dann gibt es so viel zu entdecken, und ich bin sicher, dass der kleine Mann auch dann noch gerne ins Musem geht, wenn er groß ist und selbst Kinder hat, denen er das vermitteln kann.

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