Die Kämpfe der 1848 Revolution am Linienwall in Wien

Auf Empfehlung einer sehr klugen Bekannten bin ich der Gruppe Historisches Wien – auf Facebook – beigetreten. Ich bedaure es nicht – es ist faszinierend, welche Schätze man da finden kann. Unter anderen sind eine Reihe von Bildern über die verschiedenen Stadien den Linienwalls aufgetaucht.

Beim Linienwall handelte es sich um einen mit Palisaden verstärkten Erdwall mit einem vorgelagerten Graben, der zwischen dem Donauarm bei Sankt Marx (heute 3. Bezirk) und dem Lichtental (heute 9. Bezirk) verlief, – aus militärischen Gründen im Zickzack. Er trennte dabei die 1850 eingemeindeten Vorstädte (heute 3. bis 9. Bezirk) von den Großteils erst 1892 eingemeindeten Vororten (heute 10. bis 19. Bezirk).

Die Errichtung des Linienwalls wurde Leopold I. von einer Hofkommission unter dem Vorsitz des Prinzen Eugen von Savoyen aus Verteidigungsgründen (gegen die bedrohlichen Einfälle der Kuruzen, die insbesondere am 13. März und am 11. Juni abgewehrt werden mussten) empfohlen. Nach der Einführung einer allgemeinen Schanzsteuer für die Befestigung von Stadt und Vorstädten entwarf der Hofmathematiker Johann Jakob Marinoni die Pläne, sodass die Arbeiten am 26. März 1704 begonnen werden konnten. Alle Einwohner der Stadt zwischen 18 und 60 Jahren mussten Schanzarbeit leisten oder einen Vertreter stellen. Täglich waren etwa 1.000 Personen beschäftigt.

Bereits am 11. Juli 1704 vollendet, wurde der Wall 1738 mit Ziegeln aufgemauert. Er war zwölf Fuß hoch, ebenso breit, und hatte eine Gesamtlänge von rund 13 Kilometer. An den wichtigsten Ausfallstraßen wurden Tore und ärarische Gebäude errichtet, in denen die Aufschlagämter untergebracht wurden (Einhebung von Mauten). 1705 hob man alle bisherigen alten Mauten Am Tabor, bei St. Marx, bei den Paulanern, auf der Laimgrube und in der Roßau auf und verlegte sie an die neue (äußere) Linie. Alle anderen Mauten kamen erst 1811 an den Linienwall. Die ärarischen Gebäude wurden im Volksmund „Linien“ genannt. Bei den über den Liniengraben führenden Brücken wurden Linienkapellen errichtet, die dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht wurden. Nachdem an der Wende zum 19. Jahrhundert die Zugbrücken aufgelassen und der Graben vor dem Linienwall aufgefüllt worden war, wurden absperrbare Gittertore errichtet. Ab 1829 hoben die Linienämter von allen in die Stadt gebrachten Lebensmitteln (aber auch von anderen Verbrauchsgütern) die Verzehrungssteuer ein, die die bisherigen Abgaben ersetzte.

Am 24. Oktober 1848 begann an den verbarrikadierten Linien der Kampf der Revolutionäre gegen die kaiserlichen Truppen.

Die Revolution von 1848/1849 in Österreich war Bestandteil der bürgerlich-demokratisch motivierten Revolutionen von 1848/1849, die einen großen Teil Mitteleuropas erfassten. Dabei wurde der Vielvölkerstaat Österreich von heftigen Aufständen in der Hauptstadt Wien und von revolutionären Unruhen in den unter seiner Herrschaft stehenden Ländern bedroht. Dazu gehörten unter anderem die Aufstände im Königreich Böhmen, im Königreich Ungarn und im oberitalienischen Königreich Lombardo-Venetien, wo das Königreich Sardinien-Piemont den Revolutionären zu Hilfe kam. In allen diesen Regionen hatten die Aufständischen ähnlich wie in den Staaten des Deutschen Bundes eine liberale und demokratische Veränderung der Regierungspolitik und das Ende der Restauration zum Ziel. Die ungarische, böhmische und italienische Erhebung zielten darüber hinaus auch auf die Emanzipation der jeweiligen Volksgruppen innerhalb des habsburgischen Herrschaftsgebietes ab.

Im Hungerwinter 1847/1848 traf die wirtschaftliche Not die ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen am härtesten. Auch in der Arbeiterschaft war nun die Wut auf das überkommene politische System kurz vor dem Überlaufen. Schließlich brach am 13. März 1848 die Revolution in Österreich aus. Dem Sturm auf das Ständehaus folgten Anschläge von Sozialrevolutionären gegen Läden und Fabriken in den Wiener Vorstädten. In der Nacht auf den 14. März 1848 kam es in den Vorstädten und Vororten zu Plünderungen und Brandstiftungen, gegen die das Bürgermilitär mit Waffengewalt einschritt. Es gab insgesamt 46 Tote, von denen nach zeitgenössischen Berichten 23 Opfer des Militäreinsatzes gegen die am 13. März begonnene politische Bewegung waren.

Der Wiener Oktoberaufstand 1848, oft auch „Wiener Oktoberrevolution“ genannt, war die letzte Erhebung der österreichischen Revolution 1848. Als am 6. Oktober 1848 von Wien aus kaiserlich österreichische Truppen gegen das aufständische Ungarn ziehen sollten, versuchten die mit den Ungarn sympathisierenden Wiener Arbeiter, Studenten und meuternde Truppen den Abmarsch zu verhindern.

Im Verlauf der Kämpfe gelang es den Wiener Bürgern, Studenten und Arbeitern, die Hauptstadt in ihre Gewalt zu bringen, nachdem die Regierungstruppen geflohen waren. Aber die Revolutionäre konnten sich nur kurze Zeit halten. Am 23. Oktober wurde Wien von konterrevolutionären Truppen, die aus Kroatien und aus dem böhmischen Prag angerückt waren, eingeschlossen. Am 26. Oktober begann das österreichische und kroatische Militär mit der Beschießung Wiens. Nach einer Woche wurde Wien gegen den heftigen, aber aussichtslosen Widerstand der Wiener Bevölkerung von den kaiserlichen Truppen wieder eingenommen und die Innere Stadt am 31. Oktober erstürmt. Rund 2000 Aufständische waren gefallen. Weitere Anführer der Wiener Oktoberrevolution fielen der anschließenden blutigen Rache der Militärs zum Opfer. Viele wurden zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt.

Am 2. Dezember 1848 kam es in Österreich zum Thronwechsel. Damit war die Revolution in Österreich niedergeschlagen. Die im März ausgearbeitete Verfassung trat nie in Kraft.

Obwohl der Linienwall seine fortifikatorische Bedeutung verloren hatte, blieb er wegen der Einhebung der Verzehrungssteuer weiter erhalten. Ungefähr dem Verlauf des Linienwalls folgend, wurde ab 1873 (noch außerhalb desselben) die Gürtelstraße errichtet. Da das Leben innerhalb der Linien infolge der Besteuerung der Lebensmittel teurer war als außerhalb, bildete der Linienwall zugleich eine soziale Grenze, da sich die minderbemittelten Bewohner außerhalb des Linienwalls ansiedelten (wo wegen der niedrigeren Grundstückspreise auch die Mieten billiger waren).

Der Linienwall wurde am 21. August 1893 der Gemeinde Wien übergeben und ab 5. März 1894 demoliert. Daraufhin wurde mit der Verbauung der eingeebneten Wallanlage begonnen. Die Verzehrungssteuergrenze rückte weiter an die Stadtgrenze hinaus, wo neue Linienämter errichtet wurden.

Die Kämpfe der 1848 Revolution am Linienwall in Wien

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