Nachruf auf ein früher viel verwendetes Küchengerät:

Der Fleischwolf

Gestern habe ich wieder einmal “ordentlich“ gekocht, ja, auch in der Fastenzeit. Mein Sohn wünschte sich unser früheres Familienlieblingsessen – gebackenes Bries mit Erdäpfel- und Vogerlsalat. Diese Tradition ist nunmehr nur uns Älteren vorbehalten, die Jugend isst vegetarisch, regional und biologisch.

Aber beim Kramen in einer der Geschirrladen ist mir der alte Fleischwolf, von meiner Mutter geerbt, aufgefallen. Bei mir war er schon lange nicht mehr im Einsatz, aber bei meiner Mutter war er ein fast täglich verwendetes Gerät.  Es wäre ihr nie eingefallen, z.B. Faschiertes beim Fleischhauer zu kaufen – da wurden die notwendigen Fleischstücke einzeln ausgesucht und erst zuhause wurden sie bereits gemischt mit den eingeweichten und ausgedrückten Semmeln und Gewürzen durch den Fleischwolf gedreht. Aber das gute Stück wurde z.B. auch zu Weihnachten verwendet, darin wurde gedörrtes Obst faschiert, das dann zu den“ Würsten“ -zusammen mit Zucker und Schokolade verwendet wurde. Denn der Fleischwolf hatte verschiedene Vorsätze – wesentlich dabei war die Größe der darin befindlichen Löcher, durch die endlich das gemahlene Gut herauskam.  

Aber Fleisch zu zerkleinern um draus – wie man bei uns sagt – Fleischlaberln (oder auch die Suppeneinlage Leberknödel) zu machen, ist schon eine uralte Kochtradition.  Schon in früheren Zeiten bereiteten die Menschen aus Fleischresten bzw. auch aus sehnigen Fleischstücken Hackfleisch zu. Denn Fleisch war gerade auch im Mittelalter ein besonders kostbares Gut, sodass wirklich alle Teile eines Tieres auf unterschiedliche Weise verwendet wurden. Selbst weniger “wertvolle” bzw. nahrhafte Fleischstückchen wie Sehnen oder auch Innereien wurden in feine Speisen verwandelt, indem man sie mit einem spitzen, scharfen Stein oder mit einem messerähnlichen Metallwerkzeug in kleinste Stücke zerhackte. Wer immer in der damaligen Zeit sich leisten konnte, Fleisch zu essen, hatte „Personal“, dem diese sehr mühsame Zubereitung überantwortet wurde.

Erst später wurde das so genannte Wiegemesser erfunden, wobei es sich um ein halbrundes Schneidewerkzeug handelt, das an seinem oberen Teil mit einem Holz- oder Steinstück ausgestattet ist. Das doch recht Kraft aufwändige Hacken oder Zerteilen mit einem Messer konnte durch die “neuen” Wiegebewegungen erleichtert und noch dazu effizienter gestaltet werden. So ein Wiegemesser verwende ich – naja halt mit Holzgriffen ausgestattet – auch heute, um Kräuter zu hacken – meistverwendet in meiner Küche der Petersilie.

Eine weitere Alternative war es, Fleisch, Fleischstücke oder -reste in ein Behältnis zu geben, welches in seinem Inneren im Bodenbereich halbrund konzipiert ist. Auf diese linsenartig ausgestanzte oder ausgebeulte Fläche wurde nun das Fleisch gegeben und mit einem stabilen Holzstück oder einem ähnlich harten und an der unteren Seite halbrunden Oberfläche bestückten Stab gestanzt oder zermalmt. Sicherlich war auch diese Arbeit recht zeitintensiv und auch Kraft raubend.

Die Herstellung von zerkleinertem Fleisch war aufwändig und ziemlich mühsam gewesen.  Und so begann man, die für die Herstellung erforderlichen Werkzeuge stetig zu verbessern. Eine Art Kombination aus (Wiege-)Messer und Mörser entstand im Laufe der Zeit. Und so dauerte es auch nicht lange, bis man sich der Hebelkraft zusätzlicher Bauteile zu Nutze machte: Im Zuge dessen wurde eine Gerätschaft konzeptioniert, die aus einem Einfülltrichter, einem Behälter, einem Messer und einer Kurbel bestand. In die Öffnung des Gerätes wurde das Fleisch gefüllt und durch eine Art Förderband mittels Kurbeldrehung bis hin zum Messer befördert. Hier wurden die zuvor grob zurecht geschnittenen Fleischstücke zerhackt. Allerdings war es in den Anfangszeiten des Fleischwolfes zunächst noch erforderlich, diesen Vorgang jeweils mehrmals durchzuführen. Aber auch das änderte sich im Laufe der Jahre, sodass es eines Tages tatsächlich gelang, aus Fleisch eine Masse zu machen, die mit Salz und immer neuen Gewürzen, aber auch Gemüse angereichert und somit auch geschmackvoller gemacht wurde.

Weil sich die Messerqualität im Zuge dessen ebenfalls stetig verbesserte, kam es in den Anfängen der damaligen “Fleischwolfgeneration” immer wieder vor, dass die Schneidewerkzeuge “heiß liefen”. Diesem normalen physischen Prozess kam man jedoch recht schnell zuvor, man nutzte kaltes Wasser, um die Messer kühl zu halten. Heute kommt statt des flüssigen Wassers Eis zum Einsatz. Aufgrund hoher Hygieneanforderungen sind mittlerweile auch Fleischwölfe mit Kühlung auf dem Markt, hierbei verfügen die Geräte neben dem Motor auch über einen Kompressor für die Kühlung.

Mein Fleischwolf ist noch ein recht einfaches Gerät, das man auseinandernehmen und damit auch gut reinigen kann. Aber ich gebe zu, ich hebe es auf, wie auch vieles andere aus früherer Zeit (z.B. die Flotte Lotte, oder auch das Nudelbrett) einfach auf, aber ich benütze diese Dinger kaum mehr. Eine ordentliche Küchenmaschine übernimmt alle diese Funktionen, die früher mit unterschiedlichen Geräten mit der Hand ausgeführt werden mussten

Aber wozu all das Gerät – im Supermarkt gibt’s Fertiggerichte und Lieferando und andere liefern fertiges Essen von allen Wirten der Umgebung.  (Aber eigentlich will ich das für mich dann doch nicht.)

(Muss ich jetzt eigentlich sagen dass mein Blog Produktinformationen enthält?)

Nachruf auf ein früher viel verwendetes Küchengerät:

4 Gedanken zu “Nachruf auf ein früher viel verwendetes Küchengerät:

  1. Sabine Vitzthum schreibt:

    Ich kann mich auch noch an alle diese Geräte erinnern .Meine Großmutter kochte so.Aber war für mich sehr interessant zu lesen. Dankeschön

    Gefällt mir

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