Die Suezkrise 1956

Und der zeitgleich stattfindende Volksaufstand in Ungarn.

Derzeit blockiert „nur“ ein Supertanker den Suezkanal , (Dazu: https://christachorherr.wordpress.com/2021/03/24/zum-derzeit-hoffentlich-kurzfristig-blockierten-suezkanal/) aber 1956 gab es eine politische Krise um diesen Kanal.

Die Suezkrise war ein internationaler Konflikt im Oktober 1956 zwischen Ägypten auf der einen Seite und Großbritannien, Frankreich und Israel auf der anderen Seite. Auslöser war die Verstaatlichung der mehrheitlich britisch-französischen Sueskanal-Gesellschaft durch den Präsidenten Ägyptens, Gamal Abdel Nasser (* 15. Januar 1918; † 1970; ägyptischer Offizier und Staatsmann). Dieser wollte dadurch das formal souveräne Ägypten aus der britischen Einflusssphäre befreien. Für Großbritannien hatte der Suezkanal große Bedeutung für die Erdölversorgung. Großbritannien, Frankreich und Israel vereinbarten, dass Ägypten zuerst von Israel auf der Halbinsel Sinai und am Gazastreifen angegriffen werden würde und Großbritannien und Frankreich dann im Rahmen eines als Vermittlungsmission getarnten Luftlandeangriffs den Suezkanal besetzen und dauerhaft kontrollieren würden.

Das war der Plan – und so lief es dann: Nach ergebnislosen internationalen Verhandlungen über die Nutzungsrechte am Suezkanal vereinbarten Frankreich und Großbritannien, den Präsidenten Ägyptens, Gamal Abdel Nasser, zu stürzen. Frankreich war durch die ägyptische Unterstützung der algerischen Befreiungsbewegung FLN motiviert, die gegen die französische Kolonialherrschaft kämpfte. Israel wollte sich aus der arabischen Umklammerung und von andauernden Grenzgefechten mit Palästinensern befreien. Nach dem Angriff der drei Staaten auf Ägypten brachten die USA und die Sowjetunion das anglo-französische Unternehmen vor die UNO und erzwangen auf diesem diplomatischen Weg den Rückzug der französischen, britischen und israelischen Truppen aus den Gebieten, die sie in Ägypten besetzt hatten. Im Dezember 1956 wurde eine UN-Friedenstruppe an die israelisch-ägyptische Grenze verlegt, im März 1957 die Krise beigelegt. Der geplante Sturz Nassers und ein Regimewechsel waren nicht erreicht worden.

Wir, in Österreich, hatten zu dieser Zeit andere Sorgen:  Der Ungarische Volksaufstand hatte im Oktober 1956 begonnen. Es war eine bürgerlich-demokratische Revolution und den Freiheitskampf in der Volksrepublik Ungarn, bei denen sich breite gesellschaftliche Kräfte gegen die Regierung der kommunistischen Partei und der sowjetischen Besatzungsmacht erhoben.

Die Revolution begann am 23. Oktober 1956 mit einer friedlichen Großdemonstration der Studenten der Universitäten in Budapest, die demokratische Veränderungen forderten. Die Regierung ließ am Abend in die schnell wachsende Menge schießen, woraufhin der bewaffnete Kampf ausbrach. Binnen weniger Tage wurde die Einparteiendiktatur durch eine Regierung unter der Leitung von Imre Nagy abgelöst, in der auch die Bauernpartei und die Kleinlandwirtepartei Ministerien erhielten. Diese Regierung bildete sich innerhalb von acht Tagen noch zweimal um und beteiligte auch noch die sozialdemokratische Partei. Ungarn trat aus dem Warschauer Pakt aus, erklärte seine Neutralität und rief die Sowjetarmee zum Verlassen des Landes auf.

Der Freiheitskampf endete mit der Invasion der durch Einmarsch verstärkten übermächtigen Sowjetarmee, die am 4. November 1956 eine pro-sowjetische Regierung unter János Kadar installierte. Die Kämpfe gegen sie dauerten in Budapest eine Woche, an einzelnen Orten mehrere Wochen lang, im Gebirge sogar bis Anfang 1957. Der Westen unterstützte die Aufständischen verbal, die NATO hielt sich jedoch von einer militärischen Konfrontation mit den Staaten des Warschauer Pakts zurück. Nach der Niederschlagung des Freiheitskampfes wurden hunderte Aufständische – unter ihnen Imre Nagy und Pal Maleter – durch die kommunistischen Machthaber hingerichtet, zehntausende wurden eingekerkert oder interniert. Hunderttausende Ungarn flüchteten vor der Diktatur in den Westen.

Und in Österreich heiß es: Flüchtlinge willkommen! Das war ab Ende Oktober 1956 das Motto in Österreich (wieso hat sich das dermaßen gewandelt?). Innerhalb einiger Wochen strömten damals rund 190.000 Ungarn über die Grenze, meistens zu Fuß und besonders viele in der Nähe des Neusiedler Sees. Insgesamt verließen als Folge der sowjetischen Aggression rund zwei Prozent der Gesamtbevölkerung Ungarns ihre Heimat. Stark überrepräsentiert waren junge Männer und Familien, deren Eltern meist unter 40 Jahre alt waren. Neun von zehn Flüchtlingen wählten den Weg nach Österreich, das damals knapp sieben Millionen Einwohner hatte. So kamen in kurzer Zeit rund drei Prozent der Gesamteinwohnerzahl hinzu.

In Österreich wurde der schnell anschwellende Strom begeistert empfangen; die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung war enorm. Erst ein gutes Jahr zuvor hatte die Republik durch den Österreichischen Staatsvertrag ihre volle Unabhängigkeit zurückgewonnen; daraufhin waren die Sowjets als die bei Weitem unbeliebteste der vier Besatzungsmächte abgezogen. Nun hieß man die Menschen, die vor dem Durchgreifen der Roten Armee geflohen waren, mit offenen Armen willkommen.

Wir, die wir damals noch jung waren, waren alle involviert, ich sammelte Geld und Medikamente, primär von meinen amerikanischen Freunden. Das Ergebnis wurde teilweise für die Flüchtlinge in Österreich verwendet, aber auch teilweise zurück nach Ungarn geschmuggelt.

Wenn ich unserer Haltung vielleicht zusammenfassen darf: Ungarn lag uns nahe und am Herzen, Israel bewunderten wir für seine militärischen Erfolge und England und Frankreich schätzten wir erheblich weniger, einerseits als frühere Besatzungsmächte, vor allem ihre noch immer kolonialistischen Bestrebungen.

Der Suezkanal lag aus unserer österreichischer Sicht weiter enfernt als Budapest.

Die Suezkrise 1956

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