Zu einem der ältesten, weitverbreiteten, noch immer in Betrieb befindlichen Küchengerät

Dem Nudelwalker

Oder: Nudelholz,  Wellholz, Wallholz, Rollholz, Nudelrolle, Teigwalze, Backrolle, Küchenrolle oder Teigrolle. Unter Küchenrolle verstehe ich etwas anderes, aber darüber wollen wir und doch nicht streiten. In meinem sehr altmodischen Haushalt tritt der Nudelwalker noch gemeinsam mit einem Nudelbrett auf. Dieses wird aber heute weniger benötigt, da die modernen Küchen Oberflächen aufweisen, die ein Nudelbrett ersetzen können.

Mein Nudelwalker besteht aus einer Rolle aus Holz mit je einem Griff auf jeder Seite. Ich habe aber schon Nudelwalker mit einer Rolle aus Marmor (mit der ich kurz kokettiert hatte, dann aber von einem Kauf Abstand genommen hatte, wie ich das Ding wirklich kaum verwende) oder Porzellan – hübsch gemustert – gesehen. Achtung: diese können beim Hinunterfallen zerbrechen und zusätzlich dabei den Fußboden bedrohen.

Viele schwören bis heute noch auf die hölzerne Variante. Ist das Holz hochwertig und gut verarbeitet, spricht hier mit Sicherheit nichts dagegen. Zudem leitet Holz schlecht Wärme, sodass beim Ausrollen nicht noch zusätzlich die Wärme der Hände auf den Teig übertragen wird, falls kein Nudelwalker mit Griffen verwendet wird. Allerdings ist der Nudelwalker nicht für eine Reinigung in der Geschirrwaschmaschine geeignet, da das Holz aufquellen würde. Gelegentlich empfiehlt es sich auch das Holz mit etwas Öl einzureiben.

Meine Mutter hatte beide Geräte fast im Dauereinsatz, sie hat auch noch die Suppennudeln und den Strudelteig selber gemacht.  Wenn schon Nudeln, heutzutage, hat „man“ eine Nudelmaschine. Ich bekam einmal eine geschenkt, sogar eine mit Elektromotor. Man hat aber meine Kochambitionen überschätzt. Denn ich kaufe entweder italienische Nudeln (Marke Barilla – Achtung Produktwerbung) oder frische, handgemachte in der Servitengasse. Die Nudelmaschine habe ich weiterverschenkt!

Aber zurück zum Nudelwalker: er ist vermutlich eines der ältesten bekannten Küchenutensilien in der Geschichte. So zeigen bereits Grabreliefs aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Hölzer in zylindrischen Formen, die zum Glätten von Teig verwendet wurden. Auch wenn damals noch keine Kekse oder Torten gebacken wurden, so waren es zumindest nudelähnliche Speisen, die die Etrusker kreativ werden ließen. Vielleicht wollte das antike Volk, das zwischen 800 v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. im nördlichen Mittelitalien im Raum der heutigen Regionen Toskana, Umbrien und Latium lebte, mit den Grabreliefs den Verstorbenen die Herstellung der Teigwaren im nächsten Leben ermöglichen?

Trotzdem sollte es wohl noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauern, bis der Nudelwalker kommerziell gefertigt wurde und die ersten diesbezüglichen Erfinder entsprechende Patente einreichten. Das Aussehen hat sich im Laufe der Zeit entsprechend den Erfordernissen in der jeweiligen Region angepasst.

In unseren Breiten findet man das klassische Modell:  Es zeichnet sich neben einer 20 – 40 cm langen Walze insbesondere durch die angebrachten Griffe aus, die an einer Achse angebracht sind. Die Griffe können nun fix sein, oder sich unabhängig drehen (diese Innovation stammt aus den USA und wurde 1884 von J.W. Reed zum Patent eingereicht).

Der Nudelwalker ist international im Einsatz und weist demgemäß unterschiedliche Formen auf: Der französische Nudelwalker (rouleau à pâtisserie) kommt im Vergleich zur „unserer“ Variante ohne Achse und Griffe aus. Die perfekte Länge beträgt zwischen 45 cm und 50 cm und ist an den Enden meist spitz.

Sollte man sich auf die Zubereitung fernöstlicher Speisen einstellen, dann benötigt man einen Ausrollstab, der nicht größer als 30 cm sein und ein Durchmesser von ca. 2 cm haben müsste. Zudem empfiehlt es sich ein eher leichtes Holz zu nehmen. Der indische Nudelwalker ähnelt wiederum unseren, aber man benötigt ein eigenes Brett dazu.

Wenn Sie ehrgeizig sind und ein Muster auf ihrem Teig wünschen, dann gibt es auch dafür ein Gerät: einen Nudelwalker mit Muster auf der Rolle.

Aber zu Zeiten der Not, wenn kein Nudelwalker zur Verfügung stand, konnte auch eine Flasche die Rolle des Nudelwalkers übernehmen.

Jetzt muss noch aber noch kurz auf den Nudelwalker als Objekt in Karikaturen zurückkommen. Als ich noch jung war, – lang‘ ist’s her – wurden etwas ältere, wenig attraktive Frauen mit erhobenem Nudelwalker dargestellt, die entweder ihre zu spät (ohne Wochenlohn) heimgekehrten, oft betrunkenen Ehegesponse bedrohten oder sich mit dem Nudelwalker gegen Einbrecher, Diebe und Mörder wehrten. Dieses Bild ist – zum Glück – vollständig aus den Medien verschwunden.

Haben Sie noch so einen hölzernen Nudelwalker in Ihrer Küche?

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