Zum Global Gender Gap Index – und zu steuerbaren Frauen

Manchmal müssen gewisse „Ereignisse“ zusammenkommen, um mich zum Nachdenken anzuregen. Einerseits lese ich, dass die Gleichstellung der Frau erst im Jahr 2156 erreicht sein wird, denn die Coronapandemie hat die Gleichstellung der Frauen weltweit deutlich verschlechtert. Dieser Gleichstellungsindex („Global Gender Gap Index“) wird vom Weltwirtschaftsforum (WEF) erhoben. Faktoren sind z.B. Frauen im Parlament, mehr Frauen in Ministerpositionen, sowie mehr weibliche Manager sind dafür ausschlaggebend.

Österreich hat sich der Studie zufolge in Sachen Gleichberechtigung der Frauen verbessert. Es stieg im Gleichstellungsindex um sechs Plätze und belegt nun Rang 21 von 156 Ländern. Beim ersten Ranking im Jahr 2006 stand Österreich noch auf Platz 27.

Inwieweit das mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft wirklich, also im täglichen Leben, zu tun hat, kann ich nicht beurteilen, inwieweit z.B. Teilung der Hausarbeit und Kindererziehung dabei berücksichtigt wird, scheint nicht auf. Aber diese Faktoren sind halt viel schwerer messbar, als die Anzahl von vergebenen Posten.

Nun zum Zweiten: mich irritiert der Begriff „steuerbar“, verwendet in Bezug auf Frauen z.B. in der Regierung.  Also dann bitte lieber gar nicht.  Johann Dohnal (ab 1990 die erste Frauenministerin Österreichs. Österreichs bekannteste Frauenpolitikerin und als Ikone der österreichischen Frauenbewegung) war sicher nicht „steuerbar“, ebenso wenig wie Hertha Firnberg (erste sozialdemokratische Ministerin Österreichs, zweite weibliche Ministerin Österreichs, zuständig für Wissenschaft du Forschung).

Verstehe ich unter „steuerbar“ recht, dass dies am „Gängelband hängen“ meint, das heißt, dass kein eigenständiges Handeln zugelassen wird? (Ich gebe zu, bei manchen Statements unserer Ministerinnen bei Befragungen, die dann im Fernsehen gesendet werden, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie „vorgegebene Worthülsen“ produzieren). Dann aber hätten wir weibliche Ministerinnen nur zwecks der „Quote“. Und dann wäre die Messung des Global Gender Gap Index nicht den Tatsachen entsprechend.

Ich verstehe schon, wenn man in einem Team arbeitet, muss aufeinander abgestimmt werden; keiner kann da etwas machen, das dem Tun der anderen widerspricht. Aber „steuerbar“ bedeutet doch etwas anderes – oder? Aber die eigene Haltung darf nicht aufgegeben werden, und die Leistung dieser Frauen muss ausschlaggebend sein. Negatives Beispiel: unzureichende wissenschaftliche Arbeiten …

Wir hatten anfangs eine Regierung mit einem Frauenanteil unter den Regierungsmitgliedern von 53,3 Prozent. Diente das wirklich nur der Imagepolitur? Was ist – in Bezug auf Frauen – wirklich passiert? Durch die Corona-Pandemie sind Frauen sehr viel stärker negativ betroffen, sie mussten z.B. ihre (Halbtags-)Jobs aufgeben um das Home-Schooling vorzunehmen. Denn es gibt nicht nur den Gender Gap, sondern es gibt auch den Gender Payment Gap, das heißt, dass Frauen (weltweit) nicht denselben Lohn für dieselbe Arbeit bekommen.  Es gibt die Altersarmut unter den Frauen, da sie oft auf Karriere verzichten müssen um sich um das Wohl der Kinder kümmern zu können, und notgedrungen „Teilzeit-Arbeiten“ annehmen müssen. Und das wirkt sich auch auf die Pension aus.

Dieses „Management“ von Haushalt, Kindererziehung und oft auch Altenpflege beherrschen Frauen hervorragend, aber wenn sie in öffentliche Ämter kommen, müssen sie steuerbar sein, also nicht widerspenstig – gar mit eigenen Ideen?  Damit verzichtet man auf ihre Kreativität, auf ihre Ideen, wie die Welt verbessert werden könnte. Können wir uns diesen Verzicht im 21. Jahrhundert wirklich noch leisten.

Ich wünsche mir nicht-steuerbare Frauen an der Spitze von und in Regierungen auf allen Ebenen, ich wünsche mir nicht-steuerbare Frauen als Managerinnen – denn kompetent sind sie allemal.

Nur glauben müssen wir Frauen auch daran, dass wir mindestens gleich gut, wenn nicht zum Teil besser als Männer agieren. Es wurde bewiesen.

Beweisen wir es wieder!  

Zum Global Gender Gap Index – und zu steuerbaren Frauen

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