Immer wieder, auch im Fernsehen ein Erlebnis:

Die Zehn Gebote

In der Karwoche tauchen oft alte Filme mit biblischem Hintergrund im Fernsehprogramm auf. Gestern wurde der Film „die 10 Gebote“ gezeigt, einer von Cecil B. DeMilles Monumentalfilmen.  

Natürlich habe ich ihn damals mit meinen Eltern im Forum Kino gesehen. (Wann werden wir endlich wieder ins Kino gehen können?) Damals, da war ein Kinobesuch auch noch ein Ereignis: es gab vorher eine Modeschau – auch für Herrenmode, es trat ein jüngerer Mann auf, der meist eine „besondere“ (gemusterte) Weste zur Schau stellte.  Bei diesen Monumentalfilmen gab es auch eine Pause, in der man flanierte – zuweilen auch auf der Straße. Es gab ein Buffet, wo man sich Getränke oder Snacks kaufen konnte. Ein Kinobesuch war ein Gesamt-Erlebnis.

Das Forum Kino galt damals als sehr modern, es war 1950 eröffnet worden, natürlich verschwendete man keinen Gedanken darauf, dass es auf dem ehemaligen Glacis errichtet worden war und eine Detailmarkthalle ersetzt hatte. Das Forum Kino umfasste 1.147 Sitzplätze, wobei großer Wert auf bequeme Sitzgelegenheiten und auf gute akustische Wirkung gelegt wurde und das Kino mit der ersten österreichischen Kinoklimaanlage ausgestattet wurde.

Trotz des reichhaltigen Angebots konnte sich das Kino in den folgenden Jahren nur schwer halten: Mit seinem großen Kinosaal und seinen weitläufigen Foyers versprach das Forum mehr, als es – sobald ein 70-mm-Film zu laufen begann – halten konnte: Die Projektionsfläche war zu klein für den großen Fassungsraum, und die Zuschauer wurden vom kleinen Bild enttäuscht. Cinemascope und 70 mm kamen nicht so zur Geltung wie vergleichsweise im Gartenbau Kino. Eine Vergrößerung der Bildfläche war nicht möglich, da die Stützmauern der alten Markthalle keine Erweiterung erlaubten. Am 2. November 1972 wurde eine Abbruchgenehmigung erteilt und das Forum Kino nach nur 24 Jahren Spielbetrieb 1974 abgerissen. Auf dem Areal entstand das von Harry Glück erbaute Elektronische Datenverarbeitungszentrum des Wiener Magistrats. Auch dieses Gebäudehatte keine lange Lebensdauer.  Da eine Sanierung zu teuer war, wurde das Bürogebäude 2017 abgerissen und an der Stelle von der BUWOG ein neues Bürogebäude errichtet, das 2020 eröffnet wurde. An der Ecke zu „Lastenstraße“ findet sich wieder ein Supermarkt in diesem neuen Gebäude.

Als ich den Film das erste Mal gesehen hatte, war ich schwer beeindruckt. Naja, jetzt beim Wiedersehen, beeindruckte er mich zuweilen als wirklich komisch. Die Darstellung der „Damen“ des Hofes am Nil beim Auffinden des berühmten Körbchens – erinnerten mich an sowohl von der Bekleidung als auch von der Choreographie her an die Esther Williams Filme, „die badende Venus“. Dazu wurden Frauen primär – und nicht nur an den Ufern es Nils, sondern auch in der Wüste als primär dümmlich kichernd dargestellt.

Es war hat eine amerikanische Vorstellung, wie es am Hof des Pharaos zugegangen sein muss, die so gar nicht den historischen Tatsachen entspricht, die wir heute kennen, aber monströs anzuschauen war’s schon.

Eigentlich hatte Yul Brynner die bessere Rolle (als Ramses) was schauspielerische Leistung anlangt, aber Charlton Heston war eindrucksvoll als Moses. Nur leider – wenn ich Charlton Heston sehe, fällt mir immer umgehend seine Haltung zur NRA (National Rifle Association) ein, die in dem Film Michael Moores Bowling for Columbine so nachhaltig dargestellt war.

Besonders faszinierend war für mich, dass ich die „Pause“ des Films – mit Musik untermalt, gezeigt wurde.

Aber dennoch, vieles an dem Film Die Zehn Gebote war noch immer – auch auf dem Fernsehschirm eindrucksvoll. Die Bilder der durchwanderten Wüste, aber besonders der Auszug der Armee des Pharaos mit den Streitwagen (da kam mir sofort der Film „Ben Hur“ in den Sinn, mit dem berühmten Wagenrennen) aber besonders dieser Auszug der Israeliten aus Ägypten, all diese Menschen mit ihren Herden von Schafen, Gänsen, mit ihren unterschiedlichen Karren, mit ihren beladenen Kamelen, das war schon großes Kino. Der Durchmarsch durch das Rote Meer war mit den stehenden Wasserwänden dann wieder fast komisch.

Und leider war halt der ganz alt gewordenen Moses mit gelocktem weißen Rauschebart, der nur mehr das Gelobte Land sehen, aber nicht betreten durfte, auch eher komisch.

Aber alles in allem hat mich das „Gesamtkunstwerk“ wieder beeindruckt, ich habe weder geschlafen (es war wirklich ein langer Film) noch habe ich ihn abgebrochen. Immerhin!

Immer wieder, auch im Fernsehen ein Erlebnis:

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