Christas vermischte Greislerei

Ergänzendes, Neues und Ärgerliches

Vielleicht noch ein weiterer Aspekt zu den Gedanken über Hugo Portisch: Er hat sein Leben lang versucht, (politische) Ehrungen, Orden etc. abzulehnen, nur unpolitische Ehrungen, wie den Karl-Renner-Preis, den Österreichischen Staatspreis für publizistische Leistungen im Interesse der Geistigen Landesverteidigung, die Goldene Kamera oder den Fernsehpreis Romy hat er akzeptiert. Erst im Alter von 92 Jahren hat er erstmals eine „politische“ Ehrung angenommen. Es war das Große Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich. Ich durfte bei der sehr berührenden Feier der Verleihung dabei sein.

Noch einmal zu dem im Blog über die Ostereier beklagten Mangel an gefärbten Eiern in Supermärkten. Mein persönlicher Mangel konnte beseitigt werden, mein Fleischhauer hat mir nicht nur ein kleines Stück Lamm (ohne Vorbestellung und ohne vorher Schlange zu stehen) verkauft, sondern mir auch zu fünf roten Ostereiern verholfen. Nachdem ich beim Bäcker auch noch mein Lieblingsbrot bekommen habe und eine Pinze in richtiger Größe, sind meine Feiertage kulinarisch gerettet.

Allerdings gibt es eine weitere „Mangelsituation“, über die ich Sie noch nicht unterrichtet habe. Ich nehme schon seit Jahren blutdrucksenkende Mittel. Ich glaube, ihre Verwendung ist in Österreich sehr verbreitet. Mit der Verschreibung bin ich in die Apotheke gegangen, wo ich seit Jahren die Medikamente, früher noch für meinen Mann, jetzt auch für mich besorge. Diese Medikamente (und alle diesbezüglichen Generika: Enapril HCT, Co-Enac bzw. Co-Renitec) sind weder lagernd noch von den Firmen lieferbar.  Ich war perplex. Wie kann so etwas passieren. Man riet mir, andere Apotheken aufzusuchen, vielleicht gäbe es dort noch Vorräte. In zwei weiteren Apotheken hatte ich kein Glück. Damit beschloss ich, das Problem (heutzutage sagt man ja lieber Herausforderung) anders anzugehen.  Das Internet bietet ja Antworten auf fast jede Frage, also fand ich eine ganze Reihe von infrage kommenden Apotheken in meiner Umgebung. Jetzt erst fiel mir auf, wie hübsch die Namen dieser Apotheken sind, zum weißen Storch, zum römischen Kaiser, zum goldenen Hirsch, zum weißen Engel, zum Heiligen Geist, zum schwarzen Bären, zum goldenen Reichsapfel, zum rothen Krebs, zur goldenen Krone, zum Schwan – und ja, auch Mohrenapotheke (aber die soll ja aufgrund eines Shitstorms unbenannt werden).  

Die heutige Mohren-Apotheke ist wahrscheinlich die drittälteste noch bestehende Apotheke der Wiener Innenstadt (Gründung: Mitte des 14. Jahrhunderts). Hinsichtlich ihres seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert überlieferten Schildnamens bildet sie eine Ausnahme unter den Apotheken der Stadt, da sie als einzige nach einem Menschentypus benannt wurde, zu dem es jedoch keine erkennbare Beziehung gab. Sie diente sie vor allem der Versorgung der Truppen mit Medikamenten.

Nun machte ich mich ob dieser hübschen Namen viel fröhlicher auf die Suche nach meinem Medikament, die Innenstadt ist derzeit wenig belebt, ich querte auch den Stephansplatz, meines Wissens herrscht dort Maskenpflicht – wird aber nur von wenigen eingehalten, es waren aber auch nur wenige Passanten dort, aber zwei Autos mit Polizisten.

Ich war dann fast enttäuscht, dass ich dann doch recht bald meine Medikamente (nur eine Schachtel) ergattert hatte, aber die sollte ein Weilchen reichen – bis zum Ende des Empasses?

Und jetzt noch ein kurzes Wort zur europäischen Impfstoffverteilung. Ich bin gegen den Impf-Nationalismus: „Solange sich das Virus in einem Land ausbreitet, ist kein anderes Land sicher.“ Und im EU-Impfstreit hat Österreich keine sehr lobenswerte Rolle gespielt – es ist für mich leider ein Akt für Fremdschämen.

Es war zu erwarten, dass es bei der Verteilung der Impfdosen Probleme geben könnte, da ja die Bestellung in Unkenntnis der Liefersituation erfolgen würde. Außerdem haben die Pharma-Unternehmen jetzt die Oberhand. Und bei uns wurde gespart. Unsere Impfungen laufen halt viel zu langsam, aber wer immer Schuld auf sich geladen hat, möge dazu stehen, und die Verantwortung nicht herumschieben. Ich verstehe, dass unsere Bürokratie in dieser Situation etwas schwerfällig ist, aber es liegt ja auch an den Verantwortlichen, das jetzt und hier etwas zu verbessern.

Ich geniere mich langsam, dass ich Österreicherin bin – im europäischen Rahmen. Und ich fühle mich diesbezüglich so hilflos. Ich ersuche die Verantwortlichen, sich doch bewusst zu sein, dass wir alle Europäer sind und nicht die einzigen, die auf Impfdosen warten. Das immer-nur-herausholen-wollen – um jeden Preis geht nicht.

Über COVAX werde ich demnächst berichten – nur vorweg: Covid-19 Vaccines Global Access, eine Initiative, die einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen gewährleisten will. Na hoffentlich!

Christas vermischte Greislerei

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