Der Gazastreifen – eine Erinnerung, Teil 1

Dort herrscht jetzt Pandemie; seit 15 Jahren soll wieder eine Wahl stattfinden

Status

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Gazastreifen hat einen Höhepunkt erreicht, ähnlich wie aus vielen anderen Ländern Anfang April 2021 auch gemeldet. Im Gazastreifen leben etwa zwei Millionen Menschen (Anzahl steigend) auf engstem Raum (360 km²), unter teilweise miserablen Bedingungen und bei schlechter medizinischer Versorgung. Die Pandemie bringt das Gesundheitssystem in dem Autonomiegebiet an seine Grenzen. Und: Am 22. Mai ist in den Palästinensergebieten die erste Parlamentswahl seit 15 Jahren geplant.

Der Gazastreifen ist ein Küstengebiet am östlichen Mittelmeer zwischen Israel und Ägypten mit Gaza-Stadt als Zentrum. Er ist Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete und steht im Inneren formal unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde beziehungsweise des Staates Palästina. Den Namen „Gazastreifen“ und seine geografische Form erhielt er nach dem Ersten Arabisch-Israelischen Krieg (1948/49), als Israel und das Königreich Ägypten ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichneten. Seit 2007 wird der Gazastreifen durch die Hamas kontrolliert, die von Israel und zahlreichen westlich orientierten Staaten als Terroristische Vereinigung betrachtet wird. Israel kontrolliert die Außengrenzen auf der nördlichen und östlichen Landseite, der westlichen Seeseite sowie indirekt den Personenverkehr über Videoschaltung auf der Südseite (in Zusammenarbeit mit Ägypten und der Europäischen Union). Auch in der Wasser- und Stromversorgung sowie der Telekommunikation ist der Gazastreifen von ausländischer Hilfe sowie der Autonomiebehörde abhängig.

Der Gazastreifen besteht hauptsächlich aus Sand und Dünen. Lediglich 14 Prozent der Fläche sind für die Landwirtschaft nutzbar. Der Gazastreifen ist damit etwas kleiner Wien. Im jährlichen Durchschnitt regnet es zwischen 150 mm und 450 mm, allerdings besitzt das Gebiet reichlich Grundwasser. Vor der Küste des Gazastreifens im Mittelmeer gibt es bedeutende Erdgasvorkommen. Die Landgrenze wird von einer Sperranlage in Form einer Mauer (Zaun) gebildet.

Die wechselvolle Geschichte

Nur ein paar „Highlights“ aus der Geschichte:

Gaza war in der frühen Antike ein bedeutendes Handelszentrum an der Schnittstelle von Afrika, Asien und Europa. Die aus der Bibel bekannten Philister hatten das Gebiet im 12. Jahrhundert v. Chr. im Zuge des sog. Seevölkersturms von Ägypten übernommen und bauten es zum Kern ihres Siedlungsgebietes aus. Auch fränkische Kreuzfahrer eroberten das Gebiet.

Im Frühjahr 1917 wurden die Einwohner der Stadt Gaza durch die Armeeleitung der osmanischen Truppen in das Hinterland evakuiert, so zum Beispiel nach Hebron, Jaffa und Jerusalem. Ein Teil der Evakuierten wurde mit der Eisenbahn bis nach Homs und Aleppo im heutigen Syrien verbracht. Seit März 1917 wurde um Gaza-Stadt heftig gekämpft und die Stadt bis zur Eroberung durch Truppen des britischen Empire am 7. November 1917 sowohl durch Artillerie als auch durch Bomben aus der Luft in ein Trümmerfeld verwandelt (wie viele Male später auch). Seit der osmanischen Niederlage im Ersten Weltkrieg gehörte das Gebiet zum britischen Völkerbund-Mandat für Palästina. Die meisten jüdischen Familien wurden 1929 während antijüdischer Ausschreitungen aus dem Gazastreifen vertrieben.

In der Zeit nach der Gründung des Staates Israel bis zum Sechstagekrieg wurde der Gazastreifen von Ägypten verwaltet, jedoch nicht annektiert. Die Bewohner des Gazastreifens erhielten keine staatsbürgerlichen Rechte von Ägypten und blieben somit staatenlos. 1956 wurde der Gazastreifen im Sinai Feldzug (Suezkrise) von Israel vorübergehend militärisch besetzt, fiel jedoch aufgrund internationalen Drucks wieder an Ägypten. Im Rahmen des Sechstagekriegs 1967 wurde der Gazastreifen von Israel besetzt und blieb dies bis 2005. Die israelische Regierung genehmigte den Bau jüdischer Siedlungen im Gazastreifen. 8000 Siedler lebten auf 40 % des Gazastreifens in einem Siedlungsblock im südlichen Gazastreifen. Diese Siedlungen waren für die arabischen Bewohner des Gazastreifens nicht zugänglich. Im Dezember 1987 nahm die Erste Intifada ihren Anfang in den Protestaktionen im Gazastreifen. Seit dem Gaza-Jericho-Abkommen (auch Kairoer Abkommen genannt) 1994 stand der Gazastreifen überwiegend unter der Selbstverwaltung der Palästinenser (Palästinensische Autonomiegebiete). Zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern kam es seit der Ausrufung der Zweiten Intifada immer wieder zu blutigen Kämpfen; der Gazastreifen bildete weiterhin eine Hochburg für den arabisch-islamischen Fundamentalismus der Hamas.

2005 setzte der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon 2005 den Abzug der Israelis aus dem Gazastreifen durch – verbunden mit dem Abbau aller israelischen Siedlungen. Nach Abriss der Häuser wurden die bisherigen israelischen Siedlungsgebiete an die Palästinenser übergeben. Nach 38 Jahren endete die Präsenz der Israelis im Gazastreifen, während die Grenzen bis auf die zu Ägypten nach wie vor unter israelischer Kontrolle verblieben.

Im Januar 2006 gewann die Hamas bei den Parlamentswahlen der Palästinensischen Autonomiegebiete die absolute Mehrheit. Aufgrund anschließender internationaler Isolation, die neben einem Stopp der Finanzhilfen der USA und der EU an die Autonomiebehörde auch Einbehaltung von palästinensischen Steuereinnahmen durch Israel beinhaltete, war die Hamas gezwungen, im September 2006 in eine Regierung der Nationalen Einheit mit der verfeindeten Fatah einzuwilligen. Im Kampf um Gaza gelang es der Hamas, die Fatah aus dem Gazastreifen zu vertreiben. Am 19. September 2007 erklärte die israelische Regierung den Gazastreifen zum „feindlichen Gebiet“.  Unter anderem wurde die Versorgung des Gazastreifens mit Elektrizität eingeschränkt. Ziel dieser Maßnahmen sei die Schwächung der Hamas.

Wird forgesetzt: https://christachorherr.wordpress.com/2021/04/08/der-gazastreifen-eine-erinnerung-teil-2/

Der Gazastreifen – eine Erinnerung, Teil 1

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