Gedanken an den April 1945

Es war im April 1945. Für mich, damals 10-Jährige in Pregarten im Mühlviertel, war das Ende des Krieges rundherum sichtbar. Das deutsche Militär löste sich auf, das heißt, es wurde alles Liegen und Stehen gelassen, seien es Fahrzeuge, seien es Fahrräder, Gewehre, Helme, Tornister, Uniformteile … Es lag einfach alles im Straßengraben. Soldaten versuchten ihre Uniformen gegen Zivilkleidung zu tauschen. Es gab keinen Widerstand gegen heranrückende Alliierte Truppen mehr. Vielleicht versuchten es einige meist sehr junge, fanatische SS-Soldaten noch, aber die wurden vom Rest der deutschen Soldaten überwältigt.

In den Haushalten wurde alles vernichtet, das auf eine Nazi-Gesinnung hindeuten könnte: Hitlerbilder und „Mein Kampf“ wurden umgehend verbrannt, von den Fahnen wurde das Hakenkreuz entfernt, alle Objekte, die dieses Hakenkreuz trugen wurden „entsorgt“. Das war gar nicht so einfach, weil es z.B. Fahrtenmesser, Gürtelschnallen für die Hitlerjugend gab, die wurden halt vergraben. In manchen Haushalten ging es dabei recht hektisch zu. Wenige beharrten noch in ihrem Glauben, dass letztendlich der Führer doch siegen würde. Naja, die Propaganda war sehr eindringlich gewesen.

Und im Radio, die einzige Informationsquelle die wir damals hatten, wurde der Tod Franklin Roosevelts (12. April 1945) als „Wendepunkt in diesem heroischen Krieg“ verkündet. Dass der Name Truman als Nachfolger fiel, ist mir nicht in Erinnerung. Aber damals war ja im großdeutschen Rundfunk noch immer die Rede vom Einsetzen der „Wunderwaffe“, die endlich den Sieg bringen würde.

Ich wusste von Franklin D. Roosevelt recht wenig, als Kind damals, er war primär „Feind“, war Präsident der USA und saß im Rollstuhl. Den „Rest“ lernte ich erst später: Franklin D. Roosevelt war der 32. Präsident der Vereinigten Staaten von 1933 bis zu seinem Tod im April 1945. Er war während der großen Weltwirtschaftskrise gewählt worden, war in den Zweiten Weltkrieg nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor eingetreten und hatte den Zusammenbruch Hitlerdeutschlands wohl noch gesehen, aber die USA hatten gegen Japan weiterkämpfen müssen, das war aber dann schon die Aufgabe seines Nachfolgers.  Er ist auch der einzige Präsident in der Geschichte der USA, der mehr als zwei Amtszeiten diente: Er wurde für vier Amtsperioden gewählt und war zwölf Jahre lang bis zu seinem Tod Präsident.

Seine Präsidentschaft ist durch innenpolitische Reformen unter dem Schlagwort New Deal zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise geprägt. Seine Politik setzte die Leitlinie zum regulierenden Eingreifen der amerikanischen Regierung ins wirtschaftliche Geschehen, um Allgemeininteressen durchzusetzen. Zudem brachten die Einführung der Sozialversicherung und eines bundesweiten Mindestlohns nachhaltige Veränderungen im Sozialwesen des Landes mit sich.

Das bedeutendste außenpolitische Ereignis war die nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 erfolgende Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten vom 11. Dezember 1941, die zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg führte. Unter seiner Führung erfuhr die bis dahin überwiegend isolationistische US-Außenpolitik eine neue Ausrichtung hin zum Internationalismus. Mit seiner Politik versuchte Roosevelt, anstelle eines Nationalismus dem Gedanken der globalen Abhängigkeit aller von allen Geltung zu verschaffen. Ausdruck wurde dem durch die Gründung der Vereinten Nationen (UNO) 1945 verliehen, die der Präsident maßgeblich vorangetrieben hatte.

(Zwischenruf: eine derartige Einstellung würde ich mir auch heute nicht nur von amtierenden US-Präsidenten, sondern auch von vielen weiteren Führern der EU aber auch anderer Staaten wünschen)

Nur wenige Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht starb der gesundheitlich angeschlagene Präsident im April 1945 an einer Hirnblutung. Die Nachfolge als Präsident trat sein Stellvertreter Harry S. Truman an.

Harry S. Truman (* 8. Mai 1884; † 26. Dezember 1972) war Politiker der Demokratischen Partei und von 1945 bis 1953 der 33. Präsident der Vereinigten Staaten. Zuvor war er 1945 kurzzeitig Vizepräsident gewesen. Der Atombombenabwurf auf Hiroshimas und Nagasaki fiel für mich in die Ferienzeit (August) und ich lernte darüber nur aus Radionachrichten, die den Schrecken nicht so sehr darüber transportieren konnten. Ob ich damals dann, nach Schulbeginn im September noch diese schreckliche Situation in der Wochenschau im Kino gesehen habe, daran kann ich mich nicht erinnern. Ich hatte damals andere Sorgen: würde ich in der Schule bleiben können? Ich war ja nur – wie alle anderen auch ohne Aufnahmsprüfung nur auf Probe aufgenommen worden. Fährt eine Straßenbahn – regelmäßig, die mich in die Schule bringt? Würde ich meine Aufgaben rechtzeitig, bei Tageslicht fertigbringen können, denn hinterher gab es möglicherweise kein Licht …

Es ist natürlich für mich etwas gefährlich über diese Zeit zu schreiben, was habe ich damals wirklich wahrgenommen und welche Informationen habe ich wirklich erfasst, oder stammt vieles aus der späteren Aufarbeitung dieser Zeit? Wir waren zwar noch Kinder, waren aber doch durch diese Umbrüche geprägt und haben unsere Umwelt – weitgehend wahrgenommen – auch wenn wir noch genüsslich in einem ehemaligen Löschteich im Votivpark spielten und die Russengräber im Volksgarten wahrnahmen.

Gedanken an den April 1945

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