Jetzt beginnt bereits der zweite Ramadan in Corona Zeiten

Heute Dienstag, 13. April 2021 hat um 4:42 in Wien der Ramadan begonnen. Im Gegensatz zum vorigen Jahr sind die Moscheen offen.  Aber es herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die IGGÖ (Islamische Glaubensgemeinschaft) hat genaue Regeln für das Verhalten in dieser Zeit herausgegeben (Leitfaden). Sinnvollerweise wurden die COVID-19 Schutzmaßnahmen „Sicher durch den Ramadan“ sowohl in Piktogrammen als auch in einigen Sprachen veröffentlicht. Viren halten sich halt nicht an Sprach- oder Religionsgrenzen.

Daher weichen die Regeln nicht sehr von jenen ab, die auch für die andere in Österreich lebende Menschen gelten: Sicherheitsabstände, Maskenpflicht, eigene Gebetsteppiche sind mitzubringen, kein Händeschütteln oder Umarmen, Contact Tracing soll durch Festhalten der Namen der Teilnehmer erleichtert werden. Gebetsräume sollen regelmäßig gelüftet werden, alle Räume und Geräte sind regelmäßig zu desinfizieren, üblicherweise vorhandene Schuhlöffel, Kopftücher, Koranexemplare etc. sind zu entfernen, die sonst im Ramadan üblichen Gebete sind zu kürzen, auch ist Itikaf  (sich aufgrund eines Gelübdes für mehrere Tage und/oder Nächte zum Gebet, zur Andacht und zur Rezitation des Korans in die Moschee zurückziehen, fasten und sexuelle Enthaltsamkeit üben) ist nicht zulässig, Gottesdienste im Freien sind aus Rücksicht auf Anrainer untersagt, Menschen mit Krankheitssymptomen dürfen nicht in die Moschee kommen, und Kindern unter 12 Jahren, ältere Personen und Angehörige von Risikogruppen wird empfohlen, nicht in die Moschee zu kommen (sondern auf on-line Angebote zuzugreifen). All das weicht ja kaum von den Regeln für Menschen ab, die in Kirchen gelten.  

Nun wissen wir ja alle schon, dass Muslime im Ramadan fasten sollen: Denn der Ramadan erinnert an die Zeit, als der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed den Koran offenbart hat. Er gilt als eine besonders heilige Zeit und ist der Monat, in dem Gott zu den Menschen spricht und die Gläubigen die Möglichkeit haben, sich intensiv mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Das Fasten im Ramadan gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam. Während der Fastenzeit sollen Körper und Seele gereinigt werden. Aber auch die Gemeinschaft und die Solidarität mit den Schwachen und Armen ist in diesem Monat besonders wichtig.

Das Fasten bedeutet, dass der Muslim oder die Muslima von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich nehmen darf. Die Gläubigen dürfen nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen und sollen sich auch sexuell enthalten. Neben dieser „äußeren“ Form des Fastens hat das Fasten noch eine „innere“ Dimension. Diese besagt, dass sich die gläubigen Muslime noch mehr als sonst von Sünde fernhalten, sprich nichts Schlechtes reden, hören oder tun sollen. Fasten im Ramadan heißt für die Muslime auch zu erkennen, dass man als Gläubiger allein von Gott abhängig ist. Für viele Muslime ist der Ramadan eine ganz bewusste Auszeit für Körper und Geist, in der sie Ruhe finden und sich intensiv mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Fasten bedeutet, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und auf das Überflüssige zu verzichten. Das wird wohl heuer nicht ganz so leicht sein.

Begonnen wird das Fasten täglich vor dem sogenannten Fajir-Gebet abhängig von der Jahreszeit des Ramadans um ungefähr fünf Uhr früh. Es endet ab zirka 21 Uhr mit dem Abendgebet und dem anschließenden Iftar. Bei diesem festlichen Abendessen versammelt sich die ganze Familie, um nach Sonnenuntergang gemeinsam das Fasten zu brechen. Traditionell werden Datteln mit Wasser oder Milch als erste Speise zum Fastenbrechen gereicht.

Und das wird’s schwierig: das gemeinschaftliche Fasten brechen in der Moschee und angeschlossenen Vereinslokalen ist in der Corona Zeit verboten, ebenso im Außenbereich der Moschee.  Iftar, also Fastenbrechen in Lokalen geht derzeit ohnedies nicht, da diese geschlossen sind. Iftar-to-go ist unter Einhaltung aller Regeln für Abholung von Speisen zulässig. Großfamilien sollten heuer halt nicht – wie sonst – zusammenkommen.

Sollte das alles nicht ordnungsgemäß eingehalten werden, dann wird sich das in den Krankheitsfällen ca. ein bis zwei Wochen später zeigen – in der Belegung der Intensivbetten 14 Tage später. Na, hoffentlich nicht, sonst muss der Lockdown neuerlich verlängert werden.

Es wird in diesem Leitfaden erklärt, dass es keine Hinweise gibt, dass Fasten das Corona-Risiko erhöht. Für Muslime unterbricht die Corona-Impfung die Fastenzeit nicht.

Nun auch Christen haben ihre Fastenzeit mit Ostern beendet, wobei ich davon ausgehe, dass in diesen 40 Tagen weniger streng gefastet wird, als bei unseren muslimischen Mitbewohnern. Auch Christen haben sich über ihre Impfung (so sie sie erhalten haben) in der Fastenzeit gefreut.

Es bleibt uns allen nur unseren muslimischen Mitbewohnern eine gute, sinnvolle Fastenzeit zu wünschen, dabei gesund zu bleiben, damit wir nachher (also Ramadan Ende ist am 30. April um 20:29) gemeinsam den Lockdown beenden (2. Mai) und uns alle wieder eines „normaleren“ Lebens erfreuen können.

Jetzt beginnt bereits der zweite Ramadan in Corona Zeiten

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