Zur Donut-Economy

Und die hat wenig mit den Doughnuts zu tun

Umgeben von Pflanzen, Blumensträußen und einer Torte kann ich doch nicht umhin, mich mit anderen Dingen auseinanderzusetzen.

Manchmal taucht ein Begriff auf, der einfach stutzig macht, der einem seltsam vorkommt und man fängt an zu „graben“. Ich habe zuerst in meiner Umgebung herumgefragt, aber dort habe ich keine Auskunft darüber bekommen, also habe ich Dr. Google befragen müssen. Was ist Donut-Ökonomie? Ich mag ja Doughnuts nicht so besonders gerne (ich ziehe unsere Krapfen vor), aber mein Mann hat sie geliebt und in der Wiedner-Hauptstraße gab es kurzfristig ein Geschäft – von dort habe ich ihm öfters welche geholt.

Der Begriff Donut-Ökonomie bezeichnet eine wirtschaftswissenschaftliche Theorie. Die Theorie geht von planetaren Grenzen und sozialen Grenzen aus und verortet darin den sicheren und gerechten Handlungsraum für die menschliche Zivilisation. Zu den planetaren Grenzen zählen hierbei der Klimawandel und der Verlust der Artenvielfalt. Diese Grenzen dürfen nicht überschritten werden. Das entspricht ja wiederum meinen Vorstellungen, von einer Ökonomie, wie sie sich verhalten sollte.

Zu den sozialen Grenzen zählen Bereiche wie Gesundheit und Bildung. Bei diesen Grenzen darf es kein Defizit geben. Na diese Grenzen sind heutzutage wichtiger als vieles andere. Der in Form eines Donuts visualisierte Handlungsspielraum für wirtschaftliches Handeln ergibt sich durch diese Grenzen.

Die Theorie der Donut-Ökonomie wurde erstmals am 13. Februar 2012 in einem Beitrag mit dem Titel A Safe and Just Space for Humanity von Kate Raworth vorgestellt. Die Theorie wurde im Jahr 2017 in Raworths Buch Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st-Century Economist vertieft. Raworth stellt in ihrem Buch die Einhaltung des durch den Donut definierten Bereich in der Donut-Ökonomie als alternative Zielvorgabe der bisherigen Zielvorgabe eines Wachstums des Bruttoinlandsproduktes in der traditionellen Wirtschaft gegenüber.

Als erster Wirtschaftsraum hat die Stadt Amsterdam zusammen mit Raworth ein Konzept für den Umbau der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung gemäß den Prinzipien der Donut-Ökonomie entwickelt. Ziele des Vorhabens, das im April 2020 gestartet wurde, sind der schonende, auf Nachhaltigkeit angelegte Umgang mit Ressourcen bei gleichzeitiger Sicherung der Grundbedürfnisse der Menschen. Die Stadt verspricht: Um Umwelt und Klima zu schonen, soll die Energiegewinnung auf Solarstrom und Windkraft umgestellt und der CO2-Ausstoß entscheidend gesenkt werden. Möglichst sollen nur noch recycelte Rohstoffe zum Einsatz kommen, und zwar ab 2030 zu 50 und ab 2050 sogar zu 100 Prozent. In der Bevölkerung scheint Optimismus vorzuherrschen, dass die Einführung der Kreislaufwirtschaft gelingen kann. Jedenfalls sind dort bereits eine Reihe von Initiativen zu dem Vorhaben gestartet: Zum Beispiel treibt ein Chemiker ein Verfahren zur Wiederverwertung von Zement voran, eine Wohnungseigentümergemeinschaft baut klimaneutrale Häuser auf dem Wasser und eine Wissenschaftlerin probt den platzsparenden Nahrungsmittelanbau mitten in der Stadt. Es gibt in Amsterdam noch viele weitere Projekte zu dem Thema. Auch die Städte Kopenhagen, Philadelphia und Portland (Oregon) planen die Einführung einer am Donut-Prinzip orientierten Ökonomie.

Nachdem mir noch die Jubelschreie im Ohr hallen, als bekannt gegeben wurde, dass sich das Wachstum im China im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr sich von der Pandemie erholt hätte und 18% betragen hätte, bin ich schon ein wenig erschrocken. Natürlich geht es bei Verlautbarung dieser Ziffern auch um Propaganda und im Vorjahr herrschte ja kompletter Lockdown an vielen Orten in China, daher ist die Basis für den Vergleich relativ niedrig! Aber unser Glaube an das „Wirtschaftswachstum“ ist schon noch sehr bedeutend.  

So eine Kreislaufwirtschaft, wie in der Donut Economy angestrebt, finde ich schon recht sinnvoll.  Das wäre dann ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden; dies kann durch langlebige Konstruktion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Remanufacturing (Möglichkeit zur Aufarbeitung gebrauchter Geräte), Refurbishing (qualitätsgesicherte Überholung und Instandsetzung von Produkten zum Zweck der Wiederverwendung und -vermarktung) und Recycling erzielt werden. Das Recycling ist dabei zumeist das Mittel letzter Wahl. Das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft wird zumeist Linearwirtschaft (auch „Wegwerfwirtschaft“) genannt; es ist das derzeit vorherrschende Prinzip der industriellen Produktion. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach der jeweiligen Nutzungsdauer der Produkte deponiert oder verbrannt; nur ein geringer Anteil wird einer Wiederverwendung zugeführt.

Es würde mir sehr gefallen, wenn auch Wien – wie eben Amsterdam – derartige Donut-Economy-Projekt vorantreiben würde, sie müssten ja nicht gerade unter diesem Namen laufen.

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