Unqualifizierte Kommentare von einer Banausin

Zum Fall Parsifal

Vorweg möchte ich schicken, dass ich KEIN Opern-Fan bin. Ich gehe nicht gerne in die Oper. Wenn Sie die Oper lieben, dann bitte hören Sie sofort auf zu lesen, denn sie würden sich beim Weiterlesen ärgern, und das will ich auf jeden Fall vermeiden. Ja, ich habe wenige wirklich hervorragende Aufführungen gesehen und war begeistert aber meistens langweile oder eher ärgere ich mich in der Oper.

Diese Haltung kommt aus meiner (wahrscheinlich pubertären) Jugendzeit. Es gab das „Theater der Jugend“ und wir gingen viel und gerne ins Burgtheater (damals sogar noch im Ronacher untergebracht). Meine Mutter fand, Oper gehört zur Erziehung und schickte mich in die Oper. Diese fand z.T. noch im Theater an der Wien statt, manche Aufführungen wurden auch in der Hofburg dargeboten (in dem Saal, der zwischenzeitlich abgebrannt war, wieder aufgebaut wurde und jetzt das Parlament beherbergt). Es war z.B. eine der herrlichen berühmten Figaro Aufführungen, die mich so ärgerten (ja, Sie lesen richtig). Es geht um die turbulenten Verwechslungen im letzten Akt. Susanne war eine gertenschlanke besonders hübsche Person und die Gräfin war halt leider eine Dame mit erheblichem Embonpoint. Und ich fragte mich beklommen, wie man die beiden verwechseln konnte? Ja, Opernlibretti sind in der Mehrzahl, wirklich mit wenigen genialen Ausnahmen, ziemlich dümmlich. Und dann noch eine Salome, da musste man wenigstens nicht so lange stehen, die ebenfalls nicht so ganz meinen „Schönheitsvorstellungen“ (aufgrund ziemlich umfangreicher Körpermaße) entsprach und ich hatte entschieden, die Oper hinfort zu meiden. Und dabei blieb es, mein Mann litt etwas darunter, denn er mochte Oper aber ich war nicht zu bewegen, mir eine Oper anzusehen. Eine liebe Freundin versuchte mich dazu zu begeistern, sie schleppte mich mit und fragte nach 10 Minuten, warum ich so herumwetze – naja. Opern im Fernsehen, die schaute ich mir ganz gerne an, da konnte ich zwischendurch aufstehen, und etwas anderes nebenbei tun.

Vielleicht hat auch meine Musiklehrerin im Gymnasium zu meiner Haltung beigetragen. Sie war eine ausgezeichnete Lehrerin, konnte uns durchaus für klassische Musik begeistern – indem sie uns berühmte Stücke aus Opern, Oratorien etc. singen ließ, Nur ich sang falsch, konnte den Ton nicht halten und daher war ich „im Weg“, bekam eine schlechte Note und war auch vom Chorsingen ausgeschlossen.

Eigentlich wollte ich mir den Fall Parsifal gar nicht ansehen. Schon allein deshalb, weil er erst um 22 Uhr begonnen hat. Andererseits hatten mir einige Leute erzählt, wie neugierig sie wären, auf diese Inszenierung, die eine 5stündige Oper zu zwei Stunden zusammendrängte, Ausschnitte davon in Nachrichten hatte ich ja schon gesehen.  Ich hatte beschlossen maximal eine halbe Stunde vor dem Fernsehgerät zu bleiben, dann aber blieb ich doch, einfach um ein Gesamtbild von der Aufführung zu bekommen.

Naja, am Anfang war ich doch etwas befremdet, als die Strichmanderln gezeichnet wurden, überlegte aber dann doch, dass vielleicht viele Seher die Personen und die Handlung nicht kennen – und diese ist ja – siehe oben – verworren und unzeitgemäß genug. Dann kam es mit Wucht – die Menschen in heutiger (Häftlings-) Kleidung und es wurde von Ritterrüstungen gesungen. Der Ort und die Darstellung der Menschen wichen von dem gesungenen Text eklatant ab.  Das irritierte mich wirklich enorm. Ob die Idee einen „jungen“ eigentlich stummen Parsifal einzuführen eine gute oder schlechte war, kann ich nicht beurteilen.

Schwierig stelle ich mir eine „on-line“ Regie von Kirill Serebrennikov – aus Russland – schon vor.

Andererseits war die Aufführung „fernsehgerecht“ als es auch Einblendungen gab, die die Handlung mehr oder weniger ergänzten. Was mich doch sehr gestört hat, waren die Unterbrechungen besonders vor der letzten Szene, um die Hauptdarsteller und den Dirigenten zu interviewen. Das hätte an den Anfang oder an das Ende gepasst, aber – meines Erachtens – nicht mittendrin. Der Einschub über Wagner war für mich sehr interessant, vor allem der Teil über das Festspielhaus am Grünen Hügel.

Sehr beeindruckt war ich vom Gesang, aber auch von der Mimik und Gestik der handelnden Personen. Die Musik hinwieder empfand ich (bitte alle Wagnerianer wegschauen) wie eine gute Filmmusik, also keine Hauptrolle spielend, sondern nur die Handlung unterstützend.

Insgesamt hat es mir nicht leidgetan, so lange aufgeblieben zu sein – mich würde jetzt eine „konventionelle“ Aufführung dieser Oper interessieren, aber ich weiß, dass ich fünf Stunden nicht durchstehen würde.  Vielleicht finde ich eine Fernsehvariante, die ich mir dann „gestückelt“ ansehen/anhören kann.

Unqualifizierte Kommentare von einer Banausin

2 Gedanken zu “Unqualifizierte Kommentare von einer Banausin

  1. Ich bin ein absoluter Opernfan, mag aber keine modernen Inszenierungen. Ich hatte vor vielen Jahren in Lübeck eine tolle Aufführung der Oper Boris Godunow gesehen. Als diese Oper vor ein paar Jahren in der Hamburgischen Staatsoper auf dem Spielplan stand, besorgte ich Karten. Es war enttäuschend, nicht die Leistung des Chores und der Solisten. Aber die Inszenierung war schlimm. Ein Zar, der im Cabrio über eine Autobahn fährt geht ja nun wirklch an der Story vorbei. Inzwischen schau ich mir auf der Homepage der Staatsoper Szenenfotos an und entscheide danach, ob ich mir das anschaue oder nicht.

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