Zum Supermarkt und zurück

Der Wandel der Einkaufsgewohnheiten

Finden Sie auch, dass es (im Fernsehen) derzeit viele Werbe-Einschaltungen von Supermärkten gibt? Sie sind ja sehr bemüht, teilweise hübsch, und meist ziemlich patriotisch. Aber so viele Alternativen zum Einkaufen gibt es doch gar nicht, dass die Supermärkte so viel schalten müssen?  Also beobachten wir einen Verdrängungswettbewerb:  Wer ist billiger – Hofer oder Lidl, wer ist der frischeste: Penny, wer ist hat die schöneren Filialen: Billa oder Spar.

Ich gehe meist zum Nächstgelegenen, schon allein deshalb, damit ich das Eingekaufte nicht allzu weit schleppen muss.

Früher kaufte man anders ein: bei uns im Haus gab’s eine Milchfrau, dorthin ging man mit einer Flasche (retour) oder einer Kanne hin. Die Milch wurde jedenfalls dort eingefüllt und auf die Flasche gab’s einen Pappendeckel-Deckel. Dort gab’s auch Butter und vielleicht Käse. Bei Käse gab es nicht viel Auswahl: Emmentaler (jeder Schnittkäse) und Eckerlkäs (Streichkäse). Um die Ecke gab es noch die Eierfrau oder die Gemüsefrau.  Befragt warum das alle Frauen waren: in meiner Kindheit waren das „Frauenberufe“, die wahrscheinlich kein Mann ausgeführt hätte. Keine Frau war meist der Pracker, also der Wanderhändler, der seinen Karren durch die Straßen zog, von dem er das Obst und Gemüse (geerntet in der Umgebung) verkaufte.

In Wien und der näheren Umgebung wird noch immer viel Landwirtschaft betrieben. Im Jahr 2014 besaß Wien 630 landwirtschaftliche Betriebe, davon 11 für Gemüseanbau, 87 für Blumen- und Zierpflanzenbau,79 für Weinbau, 121 für Ackerbau, elf für Feldgemüsebau, elf für Tierhaltung, acht für Obstbau und zwei forstwirtschaftliche Betriebe.

Wenn keine Kunden bei dem Wagen des Wanderhändlers standen, musste er weiterfahren, daher versuchte er durch lautes Rufen Kunden anzulocken. Man wusste, wann man ihn wahrscheinlich an welchem Ort antreffen würde.

In meiner Jugend gab es auch ein Geschäft in der Garnisongasse, in dem Wild verkauft wurde. Und als ich schon verheiratet war, gab es noch die Geflügelhandlung „um die Ecke“. Ja, und nicht zu vergessen waren die Kolonialwarenhändler, wo man die etwas exotischeren Waren bekam. Dann gab es noch die Delikatessenhändler, wo man vielleicht die etwas „feineren“ Lebensmittel kaufen konnte. Selbstverständlich gab es die Fleischhauer – die meist noch selbst schlachteten und Würste machten. Lämmernes (wie man damals sagte) war nicht sonderlich populär, aber das Kitzerl zu Ostern musste selbstverständlich auf den Tisch. Und dann gab es noch den Pferdefleischhauer – in der Liechtensteinstraße.  Seine Tafel hing noch lange auf dem langsam zerfallenden Haus, als es schon lange kein Pferdefleisch (oder Pferdefleischleberkäse) dort gab. Letzteren konnte man noch eine Zeitlang bei einem Würstlstand bei der Friedensbrücke kaufen.

Alle diese Geschäfte bestehen jetzt nicht mehr. Große Handelsketten für Lebensmittel mit zahlreichen Niederlassungen gab es in den USA spätestens seit 1859, zunächst in New York City. Supermärkte im heutigen Sinne gründete ab 1930 die King-Kullen-Kette. Sie eröffnete ihren ersten Laden im August 1930 in einer ehemaligen Autowerkstatt in Queens, New York City. Der selbsternannte Preis-Abwracker führte die Selbstbedienung und das in mehreren Abteilungen präsentierte Lebensmittel-Komplettangebot (Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse) ein. Die Waren „hoch stapeln und zum Niedrigpreis verkaufen“ war sein Motto. Eine neue Herausforderung wurden die großen Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“, die Shopping Malls. Auch fertig abgepackte Waren sowie vermehrt Markennamen hielten Einzug in die Läden.

Die Migros in der Seidengasse in Zürich wurde am 15. März 1948 auf das Selbstbedienungskonzept umgestellt. Es war somit der erste Selbstbedienungsladen der Schweiz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Einzelhandel, beispielsweise der Edeka-Verbund um 1954, sukzessive zur Selbstbedienung über. Als einer der ersten Selbstbedienungsläden in Westdeutschland wurde 1949 am Berliner Tor in Hamburg ein Geschäft der Konsumgenossenschaft Produktion eingerichtet. Als erster Selbstbedienungsladen in Österreich wurde am 27. Mai 1950 der KONSUM in Linz an der Wiener Reichsstraße, heute: Wiener Straße in Linz eröffnet.

Wir haben heute Alternativen zu den Supermärkten: Es gibt Organisationen, die meist Bio-Lebensmittel (Wochenverbrauch) aus der Umgebung (regional und bio) für x-köpfige Familie zusammenstellen und nach Hause liefern. Einige davon bieten auch gleich entsprechende Rezepte dazu an. In anderen Fällen arbeiten Landwirte selbst daran, diese Lebensmittel an die Konsumenten zu liefern.

Mir ist aber noch ein Selbstaussuchen der Lebensmittel doch noch immer lieber. Manchmal allerdings, greift man daneben: heute im Supermarkt haben uns die Fisolen angelacht, erst zu Hause haben wir gemerkt, dass sie aus Marokko kamen. Aber sie waren dann wirklich köstlich! Dafür haben wir auch den Marchfelder Spargel genommen, er war schon ziemlich teuer, (nachdem ich – Schande übe mich – den Spargel aus Peru gekauft hatten).

Es hat alles seine Vor- und Nachteile, aber zum Glück haben wir ja heutzutage die Wahl!

Zum Supermarkt und zurück

2 Gedanken zu “Zum Supermarkt und zurück

  1. Wenn’s billig sein muß, dann muß es eben auch der Discounter sein. Hierzulande verschwinden seit Jahren schon auch die (handwerklichen) Bäckereien und werden durch Backshops ersetzt, in denen irgendwelche Teiglinge (mit wer weiß wie vielen zusätzlichen Zusatzstoffen) „gebacken“ werden.

    Im Heimatlichen Dorf gab es zu DDR-Zeiten noch sechs Lebensmittellädchen, acht oder neun Bäcker, sieben Fleischer. Heute sind noch ein Lebensmittelladen, drei Bäcker und drei Fleischer übrig, dafür gibt es weitab vom Ortszentrum ein Einkaufszentrum auf der Grünen Wiese erbaut. In der Stadt hier ist es ähnlich.

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