Früher war vieles anders

War es besser?

Grad jetzt denke ich gerne an frühere Reisen – warum wohl?

Es gab damals Services, von denen wir heute kaum noch zu träumen wagen.

Also im Bereich des ehemaligen britischen Empires gab es selbstverständlich den Early Morning Tea. Es wurde – für mein Dafürhalten zu „nachtschlafender“ Zeit serviert – dezent wurde an der Zimmertür geklopft, und ein Tablett mit einer Kanne ziemlich schwarzen Tees und eine Tasse dazu (wohl auch „cream and sugar“) wurde auf das Nachtkastl gestellt. Das konnte man nun zu sich nehmen, um für das Aufstehen und Anziehen gerüstet zu sein. Erst dann – also ziemlich viel später, begab man sich zum Frühstück, wo sowohl ein Porridge aber auch ein kippered herring z.B. auf den Gast warteten. Allerdings war es aber auch möglich, dass man ein Zimmer ohne eigenes Badezimmer bewohnte, und sich mit einem Lavoir und einem Krug Wasser (bei Bedarf warm gemacht) begnügen musste. Wenn man in manchen Gegenden nur ein Bed and Breakfast zur Verfügung stand, war das sogar wahrscheinlich, und man musste halt mit den eventuell anderen Gästen die Toilette und das Badezimmer teilen. Wenn sie mich fragen, verzichte ich gerne auf den Early Morning Tea zugunsten eines eigenen Badzimmers.

Später, als dann das Personal knapp wurde, gab es im Zimmer einen Wasserkocher, Teebeutel (viel später sogar Nescafe-Sackerln), Milchpulver und Zucker. Und man konnte sich seinen eigenen Early Morning Tea machen. Bei einer gemeinsamen Reise mit Freunden hat unsere Freundin in der Früh den Wasserkocher angeworfen (aber übersehen, Wasser hineinzugeben) und dabei fast einen Zimmerbrand verursacht. Das war, und ich kann mich ganz genau erinnern, in Kings Lynn.

Da wir zwar keinen Early Morning Tea schätzen, sondern eine Tasse Espresso – gleich nach dem Aufstehen, habe ich auf unseren Reisen (allerdings nur wenn wir mit dem Auto unterwegs waren) einen Wasserkocher und Nescafe mitgeschleppt. Dann hatte ich eine Reise-Nespresso Maschine im Gepäck, die hatte sogar ein eigenes Köfferchen und Tassen etc.

Heutzutage stellen viele Hotels (ich nehme an, nur auf dem „Kontinent, wie die Engländer sagen würden) eine Nespresso-Maschine mit ausgewählten Kapseln ins Zimmer.

Früher konnte man auch seine Schuhe abends vor die Tür stellen – und, wenn man aufgestanden war, holte man sie herein – sie waren blankgeputzt. Da kann aber auch einiges schiefgehen. Wir hatten, nachdem wir das Schifahren aufgegeben hatten, den Winterurlaub dazu genutzt, Reisen in warme Länder zu buchen.  Das muss so zu Beginn der achtziger Jahre gewesen sein. Wir hatten eine Ägyptenreise gebucht – früher machten wir das alles mit Reisebüros, später organsierte ich die Reisen selber, wohl auch weil wir keine Gruppenreisen mehr machen konnten, da mein Mann später behindert war. Wir freuten uns schon sehr, als ich mir im hiesigen Winter wieder einmal den Knöchel gebrochen hatte (ausgerutscht – beim Hudeln). Ich hatte nie vor, diese Reise deshalb nicht zu machen, und daher bat ich noch auf der Unfallstation um einen „Leichtgips“, der nass werden konnte und der durch einen „riesigen Schuh“ (damals nannte man sie Hush Puppies) geschützt war. Ich fühlte mich voll-fit für die Reise. (Mit dem „Nass-werden“ war das so eine Sache, ich ließ den Fuß samt Gips in die Badewanne plumpsen – keine gute Idee, er brauchte 3 Tage um zu trocknen, und dabei juckte es fürchterlich unter dem Gips – gekratzt habe ich mich mit einer langen Stricknadel). Aber als die Mitreisenden meinen Gips sahen, waren sie skeptisch, und fürchteten, dass ich die Reise behindern könnte.  Na, sicher nicht, ich war überall dabei – und nicht langsamer als die anderen.

Aber – und jetzt komm ich zu dem Schuhputzservice. Ich stellte abends halt nur einen Schuh vor die Tür (den Hush Puppy benötigte ich auch in der Nacht, um gehen zu können). Und eines morgens war der Schuh in der Früh nicht mehr vor der Tür.  Natürlich begab ich mich auf die Suche, was sich als gar nicht so leicht herausstellte. Der „verantwortlicher Boy“ hatte gedacht, weil’s nur einer war, ich wollte ihn wegwerfen. Nach dem Frühstück fand sich auch mein Schuh wieder – wo er wohl gewesen sein mag?

Und mein Gipsfuß diente zu großen Belustigung von Kindern in Oberägypten, sie schlugen mit einem Staberl daran, um zu sehen, ob ich reagieren würde, denn sie hielten ihn für einen Holzfuß – als ich ihnen dann zeigte, dass ich mit den Zehen wackeln konnte, war ihre Verwunderung groß.

Heutzutage nehme ich auf Reisen ein kleines Schuhputzzeug mit -oder auch gar nichts, denn die Sneaker kann oder muss man ja nicht putzen, sondern kann sie waschen, aber das würde ich auf Reisen eher nicht ausprobieren.

Früher war vieles anders

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s