Der Hinauswurf kam unerwartet

Es war während meiner Studententage, ich war auf drei Monate nach Spanien gekommen, der Sprache wegen. In Wien hatte ich meinen Aufenthalt organisiert, und zwar mittels der Wirtschaftskammer – wo manche Mitarbeiter gute Kontakte nach Spanien hatten. Ich sollte diese drei Monate in einem Restaurant arbeiten.   Das heißt, sich sollte mir die Kosten des Aufenthaltes verdienen, das Geld für die Rückreise hatte ich als „eiserne Reserve“ sicher verstaut.

Ich fuhr mit der Bahn von Wien nach Madrid, das war eine lange Reise, und in der dritten Klasse nicht immer sehr angenehm. Damals waren die Züge nicht gekühlt und als wir bei Biarritz am Meer vorbeifuhren, wurde ich schon recht schwermütig, denn Ferien am Meer erschienen mir schon viel erstrebenswerter als „Arbeiten“ in Madrid. Ich kam in der Früh dort an und suchte das Restaurant, das zu dem Zeitpunkt noch nicht offen war. Es lag an dem Paseo del Prado und hatte an dieser Prachtstraße einen großen Garten. Es war sichtlich ein nobles Restaurant.

Nach einiger Zeit kam jemand, der aufsperrte un danach, ein Weilchen später kam der Besitzer mit seiner Frau. Wirklich erwartet hatten sie mich nicht. Erstens wurde einmal eine Arbeit für mich gesucht – ich sollte französische Kochbücher ins Spanische übersetzen. Naja, das stellte ich mir nicht allzu schwierig vor, obwohl über ein entsprechendes Wörterbuch verfügte ich nicht. Und damals war man von Google oder „dict.leo“ (mein derzeitiges Lieblingsübersetzungstool von-in mehrere Sprachen) noch sehr sehr weit entfernt.

Man nannte mir auch eine Witwe (das wurde betont, denn sie war eine Witwe aus dem Spanischen Bürgerkrieg), wo ich ein Untermietzimmer bekommen würde. Ich begab mich also dorthin, die Dame war ganz in Schwarz gekleidet, sie wohnte in einem Zinshaus, in einer Nebengasse, nicht weit von der Puerta del Sol bzw. der Calle Mayor entfernt. Duschen, was ich mir nach der langen Bahnfahrt sehr gewünscht hätte, konnte ich leider nicht, denn in der Badewanne, wo auch die Dusche befestigt war, war Wäsche eingeweicht. Das war, wie sich herausstellte ein Dauerzustand, dass ich später wagemutig in die eingeweichte Wäsche sieg, um mich doch duschen zu können. In der Wohnung gab es neben der verwitweten Bewohnerin eine Reihe von Katzen.

Meine Betätigung im Restaurant war neben dem Übersetzen auch, abends in der Kassa zu sitzen, und das Geld, das die Kellner brachten, darin zu verstauen. Da erlebte ich die nächst Überraschung – ich trug ein Sommerkleid, das zwar hoch-geschlossen aber ärmellos war. Ich wurde gebeten, den nächsten Tag eine Bluse mit Ärmel darunter zu ziehen.

Manchmal besuchte die bewunderte Tochter des Wirtsehepaares das Restaurant, sie war eine sehr attraktive junge Frau und wurde allseits sehr bewundert – neben ihr kam ich mir wie eine arme Kirchenmaus vor. Die Dame des Hauses wollte mir eine Freude machen und fragte mich, was ich denn so am Samstag am Nachmittag vorhätte und ob sie mir nicht irgendetwas zeigen könne: ich wollte in ein Tanzcafe gehen. Sie wirkte etwas verstört, wir gingen dennoch dorthin, und saßen 2 Stunden an einem Tisch. Mich holte keiner zum Tanzen, denn ich war nicht in die Gesellschaft eingeführt – eine fade G’schicht.

Daher dachte ich mir auch nichts dabei, als mich der Herr des Hauses fragte, ob ich am Wochenende nicht nach Toledo fahren wollte. Natürlich wollte ich, denn schon damals wusste ich schon einiges über Toledo und wollte die Stadt unbedingt sehen. Ich freute mich sehr auf diesen Ausflug, und weil ich mein Herz auch immer auf meiner Zunge habe, habe enthusiastisch von diesem Angebot der Frau des Hauses erzählt.

Na, mehr brauchte ich nicht. Ich wurde sofort „entlassen“, eher könnte man sagen, davongejagt. Die Frau des Hauses schien die Absichten ihres Gemahls besser zu kennen, als ich.

Nun war aber guter Rat teuer – ich wollte nicht „unverrichteter Dinge“ nach Hause fahren und musste mir somit in Madrid rasch einen Job suchen, um meinen Aufenthalt dort zu finanzieren. Wien war weit und die Kommunikation – brieflich – hätte zu lang gedauert. Es gab aber eine Niederlassung der Wirtschaftskammer in Madrid, also begab ich mich mit meinem Problem dorthin. Man zeigt viel Verständnis für meine Situation und empfahl mich in ein Import-Export Büro, das von einem Österreicher gemeinsam mit einem Amerikaner und einem Armenier geführt wurde. Dort brauchte man eine deutsch-sprachige Sekretärin. Nun, nicht gerade ein Traumjob aus meiner Sicht, denn das Schreiben auf der Schreibmaschine eines Briefes mit mehreren Kopien – und Blaupapier dazwischen – war nicht etwas, das mich begeisterte; auch das Ausfüllen von Import-Export Formularen war nicht viel lustiger. Die „spanische“ Sekretärin aber war sehr nett und der Job war ausreichend bezahlt.

Und nach Toledo fuhr ich während eines Wochenendes allein mit dem Zug.

Der Hinauswurf kam unerwartet

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